Seit 2013 haben Forschende von verschiedenen Hochschulen im Rahmen zweier Nationalen Forschungsprogramme wissenschaftliche Grundlagen im Hinblick auf die Umsetzung der Energiestrategie 2050 erarbeitet. Nun sind das NFP 70 «Energiewende» und das NFP 71 «Steuerung des Energieverbrauchs» abgeschlossen. Aus über 100 Projekten liegen die Resultate vor. Rolf Schmitz, Leiter Energieforschung beim Bundesamt für Energie erklärt, welche Erkenntnisse daraus zentral sind.

  • Rolf Schmitz, welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse aus den beiden Nationalen Forschungsprogrammen 70 und 71?
    Jedes der abgeschlossenen Projekte trägt seinen Teil zur Zielerreichung der Energiestrategie bei. Zentral ist für mich aber die Erkenntnis, dass die Energiestrategie bis 2050 umsetzbar ist, und das sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht, als auch sozialverträglich. Nun stehen wir vor der Herausforderung, das generierte Wissen weiterzutragen und umzusetzen. Letztlich sollen ja Kilowattstunden eingespart oder zusätzlich erneuerbar produziert werden. Aus meiner Sicht ist es darum ermutigend, dass bei einer Umfrage im Rahmen des NFP 71, an welcher sich 61 der 120 Praxispartner beteiligt haben, 30 den Wissensgewinn als wichtigen Output der Zusammenarbeit mit den Hochschulen sehen. Aber auch die Entwicklung von Produkten, Modellen und Verfahren wurde 15 Mal als spezifischer Nutzen aufgeführt. Für rund einen Viertel ist zudem der Kontakt zu den Wissenschaftlern ausschlaggebend ? das ist ja dann der Nährboden für weitere Zusammenarbeiten.
  • Andreas Balthasar, Verantwortlicher des NFP71, erklärte gegenüber den Medien, die Energiewende sei primär eine gesellschaftliche Herausforderung. Es gehe darum, die Akzeptanz zu erhöhen, wofür Wissensdefizite abgebaut werden müssten. Was muss nun geschehen, damit die vielen Erkenntnisse aus den NFPs die gewünschten Adressaten erreichen?
    Technisch ist heute bereits vieles machbar ? die dazu nötigen Technologien sind vorhanden. Die Umsetzung stösst aber verschiedentlich an die unterschiedlichsten Grenzen. So glauben immer noch rund 20 % der Bevölkerung, dass der Klimawandel nicht stattfindet. Es braucht daher weiterhin eine neutrale Wissensvermittlung, die zielgruppengerecht aufbereitet werden muss. Eine der Empfehlungen der NFP adressiert genau diese Problematik. Eine andere Empfehlung zeigt in die gleiche Richtung: Die Bevölkerung soll bei Infrastrukturprojekten früh aktiv einbezogen werden. So lässt sich beispielsweise die Akzeptanz für den Ausbau der erneuerbaren Energie deutlich erhöhen.

    Andere Hemmnisse betreffen die Gesetzgebung. Mit einer gezielten und effektiven Regulierung kann die Energieeffizienz gefördert und der Ausbau erneuerbarer Energie stark vorangetrieben werden. Aber auch schnellere Bewilligungsverfahren oder geeignete Finanzierungsmodelle können diese Entwicklung beschleunigen. Viele Projekte scheitern aber letztlich an unserem Verhalten. Interessant diesbezüglich ist das Projekt «Energiesparpotenziale in Haushalten von älteren Menschen», das in Zusammenarbeit mit dem Hauseigentümerverband durchgeführt wurde. Bei Seniorinnen und Senioren haben sich die bisherigen finanziellen Anreize für die Umsetzung von energetischen Sanierungen als unzureichend erwiesen. Die Studie empfiehlt unter anderem, neben neuen, innovativen Anpassungen der Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Sanierungsmassnahmen auch wertorientierte Ansätze anzusprechen. So kann beispielsweise der Umzug in eine moderne, altersgerechte Wohnung dem Wunsch entgegenkommen, so lange wie möglich selbstständig zu wohnen. Dieser Schritt kann zudem eine «Befreiung» von einem Zuviel an Dingen bedeuten.

  • Welche Rolle kann das BFE beim Wissenstransfer spielen?
    Gerade bei der neutralen Wissensvermittlung kommt dem BFE eine wichtige Rolle zu und es nimmt diese unter anderem im Rahmen des Programms EnergieSchweiz auch wahr. Ich bin zuversichtlich, dass die gewonnenen Erkenntnisse rasch in das grosse Informations-, Beratungs- und Bildungsangebot von EnergieSchweiz einfliessen werden. Im Übrigen hat das BFE den Ball schon frühzeitig aufgenommen: am 30. Januar hat an der Universität Basel bereits die vierte Jahresveranstaltung stattgefunden, die wir zusammen mit unserem eigenen Forschungsprogramm zur Sozio-Ökonomie, dem Energieforschungsprogramm der Stadt Zürich und dem NFP 71 durchführen.
  • Die NFPs 70 und 71 sind abgeschlossen. Braucht es eine Fortsetzung?
    Die beiden NFP sind nun abgeschlossen und auch die Swiss Competence Centers in Energy Research (SCCER) laufen Ende Jahr aus. Damit fallen zwei wichtige Förderinstrumente des Bundes weg. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und das BFE haben daher bereits 2018 der Eidgenössischen Energieforschungskommission CORE den Auftrag erteilt, die Gültigkeit des Aktionsplans für eine koordinierte Energieforschung Schweiz, der den SCCER zugrunde liegt, zu prüfen. Die CORE kommt zum Schluss, dass auch nach 2020 wesentliche Forschungsanstrengungen nötig sein werden, um die Zielsetzungen der Energiestrategie 2050 zu erreichen. Sie empfiehlt, ein flexibles Förderinstrument mit langfristiger Forschungsförderung zu etablieren, das periodisch inter- und transdisziplinäre thematische Ausschreibungen durchführt. Dieses Förderinstrument soll langfristige Forschungsförderung über flexible Konsortialprojekte ermöglichen.

Das BFE hat mit SWEET, – Swiss Energy research for the Energy Transition – ein solches Förderinstrument entwickelt und plant, dieses auf Anfang 2021 umzusetzen. Damit können die über die SCCER aufgebauten Kapazitäten für die Energiestrategie genutzt und die aus den NFP gewonnen Erkenntnisse weiterverwendet werden.

Interview: Sabine Hirsbrunner, Kommunikation BFE

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38 Kommentare
  1. Jürg Jehle
    Jürg Jehle sagte:

    ? Art. 3 des Energiegesetzes vom Mai 2017 verlangt eine Reduktion des Energieverbrauchs um 43% bis zum Jahr 2035 also Abbau von CO2 produzierenden Fossilen wie Gas, Heizöl, Diesel, Benzin usw.
    Den Rest bis 2050. Ersatz durch „Erneuerbare“.
    Wie wird das gemacht?
    ? Das Energiegesetz (EnG vom 21.5.2017 Energiestrategie 2050)
    https://www.admin.ch/dam/gov/de/Dokumentation/Abstimmungen/Mai17/LowRes_Volksabstimmung_Erlaeuterung_21_05_2017_DE.pdf.download.pdf/Erläuterungen%20des%20Bundesrates%20-%20Volksabstimmung%20vom%2021.%20Mai%202017.pdf

    Antworten
  2. Laurenz Hüsler
    Laurenz Hüsler sagte:

    Spätestens wenn man den EROI betrachtet, und die Speicheraufwände, sieht man schnell, dass die Energiestrategie gescheitert ist. Daran ändert auch Forschung nichts. Die Physik ist klar.

    Antworten
      • Hans Burri
        Hans Burri sagte:

        Das folgende Beispiel müsste eigentlich von jedem normal Begabten verstanden werden. Jede Batterie – und dafür besteht bekanntlich exponentiell ansteigender Bedarf, und dies vor allem bei der enorm propagierten E-Mobilität – weist einen EROI von < 1 auf und wird dadurch zu einer klassischen Energiesenke. Im Lade- und Entladezyklus ist der EROI praktisch = 1. Rechnet man die benötigte Energie zu deren Herstellung inkl. Bereitstellung aller benötigter Materialien sowie zu deren späterer fachgerechten Entsorgung hinzu, so kippt der Wert ganz klar auf < 1. Zufrieden ?

        Antworten
        • Jürgen Baumann
          Jürgen Baumann sagte:

          Eine Batterie (eigentlich Akkumulator) ist ein aktives System nach dem Generator. Natürlich hat er einen EROI von 1 – das hat auch jeder Kondensator. Ich halte diese Argumentation daher für nicht stichhaltig. Sie ist auch unabhängig von der „Energieerzeugung“.

          Antworten
          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Speicher alleine haben gar keinen EROI. Die liefern ja keine Energie, die speichern sie nur.

            Erneuerbare plus Speicher haben einen EROI, und der ist erbärmlich, in der Kombination mit (notwendigen) Saisonspeichern unter 1.

          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            Lieber Lorenz
            Jetzt wäre es interessant zu wissen, wie Du denn zu dieser Aussage kommst.
            Laut SATW ist der EROI wie folgt: PV 5.1, Wasserkraft Speicher 58, WKW 13.9, AKW 12.3. Was macht die SATW falsch?

          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            Enegiedichten spielen keine Rolle wenn das Energie Angebot quasi unendlich gross ist vergleich zum Bedarf.
            Siehe http://asrc.albany.edu/people/faculty/perez/
            Denksportaufgabe zur „Energiedichte“:
            In der Ernährung ist die Basis die Photosynthese mit einem Wirkungsgrad von 0.5 bis 1%. Bekanntlich funktioniert sie weder in der Nacht noch im Winter. Eigentlich müsste ich dann im Winter bei Migros, Coop, und wie sie alle heissen nichts im Regal finden. Können Sie mir mal erklären, warum alle Regale voll sind? Und welcher fundamentale Grund besteht, damit zum Beispiel die Erneuerbaren Energieträger das nicht schaffen sollte? Suchen Sie mal heute Solarzellen mit einem Wirkungsgrad kleiner als 20%. Die gibt es gar nicht mehr. Sie glauben ernsthaft, was in der Ernährung möglich war, ist unmöglich in der Energieversorgung?
            Und „by the way“ – PV ist nicht die einzige Form, wie wir aus der Sonneneinstrahlung zu verwendbarer Energie kommen.

          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            „Enegiedichten spielen keine Rolle wenn das Energie Angebot quasi unendlich gross ist vergleich zum Bedarf.“

            Solange wegen der Energiedichte der Ertrag unter dem Aufwand ist, spielt die Energiedichte eine Rolle.

          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            Lieber Laurenz
            Da bin ich komplett anderer Meinung. Das Beispiel der Ernährung mit seinem lausigen Wirkungsgrad der Photosynthese zeigt eindeutig das Gegenteil.
            Und wo bitte ist jetzt die Quelle mit dem negativen EROI?

          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Der negative EROI ergibt sich aus dem EROI von 4 bei Solar und dem ESOI von Speichern. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass Saisonspeicher wenige Zyklen haben.

            Natürlich ist das eine schreckliche Wahrheit für Solarverkäufer.

          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Korrektur: Es gibt keinen negativen EROI, sonder einen negativen Ertrag. Der EROI fällt bei negativem Ertrag unter 1, nicht unter null

          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Die Studie der SATW rechnet den EROI falsch. Sie bewertet den Energieaufwand mit einem Faktor für die behauptete Umweltverschmutzung. Das ist aber keine Energie, sondern eine zu belegende (und nicht belegte) Umweltbelastung, die in einer Energierechnung nichts zu suchen hat.
            Ausserdem nimmt sie bei Kernkraft kurioserweise nicht den Wert der neuen Kernkraft, sondern einen Wert aus einer Metastudie, die auch Versuchsreaktoren der r0er-Jahre einbezieht.
            Vom der absurden „primärenergetischen Bewertung“, die ein physikalisches Unding ist, brauchen wir schon gar nicht zu reden.

            Die Studie ist peinlich für die ETH.

          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            Lieber Laurenz
            Wenn Du bessere Verfahren hast als die ETH, dann bitte lege sie dar. Bis jetzt sehe ich nur Behauptungen. Was ist genau falsch?

          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Zur Sache haben Sie bezeichnenderweise keine Widerlegung. Sie machen bloss ein argumentum ad verecundiam.

            Das geisteswissenscahftliche Institut, das die untaugliche Studie gemacht hat, ist nicht die ETH, und hat nichts mit den soliden Instituten der ETH zu tun.

      • Laurenz Hüsler
        Laurenz Hüsler sagte:

        Der Klassiker zum EROI (1x direkt, 1x mit 15% Speicherung in Pumpspeichern):
        https://festkoerper-kernphysik.de/Weissbach_EROI_preprint.pdf

        Der EROI von Solar ist in unserer Weltgegend bei etwa 4, mit dieser Speicherung noch tiefer.

        Hier noch eine Rechnung, welche den EROI-Raub an konventionellen Kraftwerken berücksichtigt, also die Tatsache, dass die Erneuerbaren den EROI der anderen Kraftwerke reduzieren, weil diese weniger liefern können dank dem Einspeisevorrang der Erneuerbaren
        https://ssl.loggpro.net/rainer/?p=6408&fbclid=IwAR17FudoT7pbB2K7NP0z5Ze3AqlR464QMHHVdMZC-QEbXxxi9pd0_gIpPGI

        Und hier etwas populär zusammengefasst
        https://bravenewclimate.com/2014/08/22/catch-22-of-energy-storage/

        Antworten
        • Jürgen Baumann
          Jürgen Baumann sagte:

          Lieber Laurenz
          Umgekehrt wird ein Schuh draus. Die Erneuerbaren behindern nicht den EROI der konventionellen Kraftwerke. Die konventionellen Kraftwerke behindern wegen ihrer ausgesprochen mässigen Regelbarkeit den Einsatz der Erneuerbaren. Sie gehören ohnehin aus ökonomischen (zu teuer) und ökologischen (umweltschädigend) Gründen sowieso schnell abgestellt. Darüber herrscht wissenschaftlicher Konsens.
          Hier ein Beispiel für konventionelle AKW (andere gibt es ja nur als Blaupause):
          https://www.fr.de/wirtschaft/aussterbende-atomkraft-13178159.html

          Siehe auch hier beim DIW:
          https://www.diw.de/de/diw_01.c.670481.de/publikationen/wochenberichte/30_2019/zu_teuer_und_gefaehrlich_atomkraft_ist_keine_option_fuer_eine_klimafreundliche_energieversorgung.html

          Und der aktuelle Trend bei den fossil betriebenen Kraftwerken ist ja auch unverkennbar.
          Beispiel: Immer weniger Kohlekraft – CO2-Emissionen der europäischen Stromproduktion stark gesunken
          https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/europa-co2-emissionen-der-europaeischen-stromproduktion-stark-gesunken-a-9ae4d0f0-b031-4388-a35d-fe6c7ab28628

          Aus meiner Sicht heisst das „Game over“, zumal die Erneuerbaren viel mehr liefern können, als überhaupt benötigt wird: Siehe zum Beispiel http://asrc.albany.edu/people/faculty/perez/

          Antworten
          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Die Wetterabhängigkeit der Erneuerbaren zum Problem der Zuverlässigen erklären ist ein bekannter Trick der Verkäufer von Erneuerbaren.

            Was die CO2-Reduktion betrifft, muss man nur mal http://www.electricitymap.org ansehen. Deutschland mit viel Erneuerbaren ist bei 500g, Frankreich mit viel Kernkraft bei 50g

            Game over gilt für Erneuerbare. Solar liefert im Winter nicht mal eine Volllaststunde pro Tag, ist also völlig unbrauchbar. Und der saisonale Transfer wird bei CO2-Neutralität 10TWh Speicher benötigen – also 10 Grande Dixence mit 2000m Fallhöhe. Den Platz dazu gibt es nicht.

            Konventionelle Kraftwerke können im übrigen bestens der Last nachfahren. Erneuerbare nicht.

          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            Lieber Lorenz
            Nicht ganz überraschend wirst Du feststellen, das es bei den erneuerbaren nicht nur PV gib (obwohl die das grösste Potential hat). Bei http://asrc.albany.edu/people/faculty/perez/ hast Du ja die ganze Palette.
            Bei electricitymap.org hast Du recht. Nur sind das Momentaufnahmen, die besser mit einem Trend verglichen werden sollten. Wir starten aus Gründen der Vergleichbarkeit mal bei 1990 – ein wichtiges Basisjahr für Vergleiche.
            Ein Blick hierher lohnt sich: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energieversorgung/strom-waermeversorgung-in-zahlen?sprungmarke=Strommix#Strommix
            Lag der Mix 1990 noch knapp unter 800 ist er jetzt auf 500 gesunken. Eine beachtliche Leistung, da nebenbei noch ein paar AKW abgeschaltet wurden. Und bekanntlich soll unser Nachbar dann spätestens 2038 aus der Kohle aussteigen. Mein Tipp ist: Es geht schneller. Die steigenden CO2 Abgaben haben im letzten Jahre schon für eine beachtliche Reduktion gesorgt.
            Und für Frankreich ist ja der Strommix auch auf der Kippe. Die Prestigebauten neuer AKW funktionieren nicht wie geplant und zeit und finanzmässig völlig aus dem Ruder gelaufen.
            Der Anteil der AKW an der Stromerzeugung sinkt ständig. Eine Zusammenfassung ist hier zu finden:
            https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-02/kernkraftwerke-atomkraft-klimaschutz-atomenergie-erneuerbare-energien
            Eigentlich ist es sinnlos noch über Kernkraft zu sinnieren. Zu langsam, zu teuer, zu kompliziert, zu unversicherbar, keine Entsorgung.
            Dabei bin ich ein Fan der Kernenergie. Die eigensicherste Reaktion, die mir bekannt ist, stammt aus Reaktoren der 0.ten Generation. Laufen seit Milliarden Jahren ohne erkennbare Schwächen, benötigt kein potentiell fehleranfälliges Betriebspersonal, ohne Versicherungspflicht, keine Sorgen mit der Unterbringung toxischer oder strahlender Stoffe ausserhalb der Biosphäre für einige Generation.
            Wir haben a) einen Fusionsreaktor und b) einen Fissionsreaktor gratis und franco zur Verfügung. Der erstere ist unter dem Namen „Sonne“ bekannt, der letztere unter dem Namen „Erde“, von der 99% heisser als 1000°C sind.
            Warum dann auf fehleranfälliges Gebastel von Ingenieuren mit übergesundem Selbstvertrauen setzen? Das erschliesst sich mir nicht. Vielleicht gibt es ja gescheite Argumente, die auch Investoren überzeugen? Und wo sind die Firmen geblieben, die das gebaut haben?

          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Dann warten wir mal, bis die Sonne in der Nacht scheint und im Winter mehr als 1 Volllaststunde liefert.

            Kernkraft kann im übrigen schneller der Last folgen als Gaskombikraftwerke. Da haben Sie offensichtlich veraltete Informationen.

            Sobald Erneuerbare kontinuierlich liefern können und weder Speicher noch Backup brauchen, sind sie brauchbar. Vorher steht dem die Physik im Wege.

            Nicht umsonst begann die Industrielle Revolution erst, als man Fossile nutzen konnte. Und die Energiedichte von Uran ist nochmals Millionen höher als bei Fossilen.

            100% Erneuerbare gibt es übrigens noch nicht mal als Blaupause. Und im Gegensatz zu den Schnellen Reaktoren ist das auch noch nirgends in Betrieb gesehen worden.

          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            „Dann warten wir mal, bis die Sonne in der Nacht scheint und im Winter mehr als 1 Volllaststunde liefert.“
            Ja gerne. warum nicht. Es gibt dann noch den Wind die Wasserkraft. Das ist ein künstliches Problem. Unter dem Link „http://kraftwerkschweiz.ch“ kannst Du ja diese Simulation machen.

            Deine Behauptung: „Kernkraft kann im übrigen schneller der Last folgen als Gaskombikraftwerke. Da haben Sie offensichtlich veraltete Informationen.“
            Da würde ich dann gerne die Quelle kennen. Ich habe folgende Informationen: „Für Kernkraftwerke ergibt sich so ein regelbarer Leistungsbereich von 45% bis 100% der Gesamtleistung“. (Quelle: https://de.nucleopedia.org/wiki/Kernkraftwerk) und
            „Aus deren Betriebshandbüchern geht hervor, dass Leistungsänderungen im Bereich nahe der Nennleistung (das ist die höchste Leistung, die bei bestimmungsgemäßem Betrieb erbracht werden kann) um bis zu 10 % pro Minute möglich sind. Dies ist deutlich schneller, als es z. B. bei Kohlekraftwerken Stand der Technik ist (zwischen 2,5 und 4 %/min). Lediglich Gasturbinen sind mit 12 %/min noch schneller regelbar.“ Quelle: https://www.itas.kit.edu/downloads/tab-brief/tb047_grue16a.pdf

            Deine Behauptung: „100% Erneuerbare gibt es übrigens noch nicht mal als Blaupause. Und im Gegensatz zu den Schnellen Reaktoren ist das auch noch nirgends in Betrieb gesehen worden.“
            1. Die Blaupause für die Schweiz findest unter“http://kraftwerkschweiz.ch“ .
            2. Ebenso hier ist die Blaupause verfügbar: https://www.unendlich-viel-energie.de/neue-studie-bestaetigt-die-vollstaendige-energiewende-ist-bis-2050-moeglich
            3. Eine weitere Blaupause ist hier zu besichtigen https://www.volker-quaschning.de/artikel/Szenario2050/index.php
            Und hier wird es ganz konkret gemacht: https://www.wochenblatt.es/kanarische-inseln/100-erneuerbare-energie-bis-2030/
            Erst mal auf Inseln und dann wird es immer grösser.

            Die schnell regelbaren Kernkraftwerke interessieren mich. Wo kann ich dazu Informationen finden?

          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            Lieber Laurenz
            Das die Lastwechsel bei Gasturbinen zu Alterungserscheinungen führen, ist ja nichts neues. Jeder Verbrennungsmotor mag das nicht. Zeigt nur die eingebauten Designschwachstellen. Die Dinger wurden eben designed als immer von Grundlast ausgegangen wurde. Und da auch Gasturbinen ein Auslaufmodell sind, macht das auch nichts. Siemens hat ja eine ganze Jahresproduktion an Ägypten quasi verschenkt, damit Zeit für die Abspaltung vom Rest des Konzern gewonnen werden kann.
            Und auch nuklear betriebene Kraftwerke mögen Lastwechsel nicht – Zitat: „However, load-following does have some influence on the ageing of certain operational components (e.g. valves), and thus one can expect an increase in maintenance costs.“
            Auch hier sehe ich bei den Auslaufmodellen keinen Handlungsbedarf.

          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Sie vergessen bei den Gasturbinen, dass es diese erst mal lange braucht, je mehr Erneuerbare gebaut werden. Da die Erneuerbaren sehr unzuverlässig liefern, führen sie also zu Mehrkosten des Systems.

            100% Erneuerbare geht nicht, das braucht Speicher, die niemand finnzieren kann, und die zu einem System mit negativer Energiebilanz führen.
            Die Entsprechenden Quellen sind schon mehrfach erwähnt.

  3. Jürgen Baumann
    Jürgen Baumann sagte:

    Der Bund hat ja die Oberhoheit über Fahrzeuge. Es ist nun bekannt, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren den in den fossilen Energieträgern Energieinhalt im Alltagsbetrieb nur zu gerade 20% nutzen und den Rest als Schall und Rauch in unsere Mitwelt entlassen. Bei Akku Fahrzeugen wird schnell ein Wirkungsgrad von über 80% erreicht – gemessen accu to wheel. Verschiedene Länder haben angekündigt, diese ineffizienten sowie umwelt- und gesundheitsschädlichen Anwendungen in naher Zukunft nicht mehr zuzulassen. Dies sind nach meiner aktuellen Kenntnis ab 2025 NO, ab 2030 IS, IL, IN, IRL und NL, ab 2035 UK, ab 2040 FR, TW, CA und 2050 DE.
    Fahrzeuge haben in der Regel eine Nutzungszeit von 10 bis 15 Jahren. Bis 2050 bleiben also je nach Rechnung 2 bis 3 Nutzungszeiten. Wäre es nicht ähnlich wie bei den fossil befeuerten Heizungen an der Zeit in eine Feinplanung der Ausphasung einzutreten? Diese haben ja einen ähnlich langen Lebenszyklus. Und angesichts der um sich greifenden Fahreinschränkungen im näheren Ausland muss es ja auch hier Interesse an Planungssicherheit geben.
    Bei unserem Nachbarn im Norden gibt es 58 Umweltzonen mit Fahrverboten (und bereits 15’000 Verzeigungen). Ähnliche Einschränkungen kennen auch BE, BG, DK, FI, FR, GR, GB, IRL, IT, NL, PL, PT, RU, SE, ES, CZ, HU und AT (Quelle: TCS).

    Antworten
  4. Hans Burri
    Hans Burri sagte:

    Jetzt wäre es interessant zu wissen, wie Du denn zu dieser Aussage kommst.
    Laut SATW ist der EROI wie folgt: PV 5.1, Wasserkraft Speicher 58, WKW 13.9, AKW 12.3. Was macht die SATW falsch?

    Herr Baumann. Dazu kann ich nur sagen: Viele Fachleute haben sich ebenfalls sehr gewundert wie die SATW zu einigen dieser Aussagen kommt. Trotz allen Bemühungen war es nicht möglich von von den Autoren Auskunft zu ihrer Studie bzw. zu den Resultaten zu erhalten. Diese Studie stammt aus dem Bereich der Energiepolitik, welche an der ETH in der Abteilung Geisteswissenschaften angesiedelt ist Es handelt sich um eine der problematischsten Studien, welche ich in den letzten Jahren gesehen habe, reines Kernenergie-Bashing. Die wollen dem Energy Science Center wohl Konkurrenz machen. Hauptsache, dass das Staatsradio SRF sofort darauf eingegangen ist und die gewünschten Empfehlungen für die neuen erneuerbaren Energien in der Öffentlichkeit verbreitet hat,

    Antworten
    • Jürgen Baumann
      Jürgen Baumann sagte:

      Es gibt zur Kernenergie kein „bashing“. Es gibt dazu „hard facts“. Diese Energieform ist zu teuer, zu langsam, unversicherbar, nur mit Expertenstäben betreibbar (die wir nicht haben), nur mit spezialisierten Firmen errichtbar (die sich alle aus dem „Geschäft“ zurückgezogen haben) und nach 50 Jahren immer noch ohne Endlager.
      Wenn ein Pferd tot ist, sollte man absteigen.
      Kernenergie ist nur dann überhaupt vertretbar, wenn es einen ultimativen Nebennutzen gibt, der sonst nicht erreichbar wäre. Zum Beispiel die Atombombe. Und von diesem Traum haben wir ja uns seit der Havarie in Lucens hoffentlich verabschiedet. Oder?

      Antworten
      • Hans Burri
        Hans Burri sagte:

        Herr Baumann. Ihre zwei letzten Zeilen hätten Sie sich sparen können. Da haben Sie wirklich nicht weit gedacht. Die sind aus der Feder eines Ingenieurs völliger Unsinn und einfach nur dumm .

        Antworten
        • Jürgen Baumann
          Jürgen Baumann sagte:

          Lieber Hans
          Welche Zeilen ich verwende, entscheide ich selber. Dir müssen sie ja nicht gefallen. Aber damit habe ich kein Problem.
          Gruss an den / vom Ingenieur

          Antworten
      • Laurenz Hüsler
        Laurenz Hüsler sagte:

        Warum ist Kernkraft nur vertretbar, wenn man die Atombombe baut? Immerhin haben die meisten Länder mit Kernkraft keine Atombombe.

        Ach ja, und Lucens war ein Versuchsreaktor, der hops ging, und heute wird die Kaverne als Lagerraum verwendet.

        Können Sie erklären, inwiefern Lucens etwas mit aktueller Kernkraft zu tun hat? Dass es bei Prototypen Schwierigkeiten geben kann, weiss jeder, der mit Technik vertraut ist. Auch Herr Benz hatte ein hübsches Weilchen, bis der errste Motor lief.

        Antworten
        • Jürgen Baumann
          Jürgen Baumann sagte:

          Weil Kernkraft zu teuer, zu langsam, zu kompliziert, zu unversicherbar ist, und immer noch keine Entsorgung gesichert ist. Da muss es heute einen Nebennutzen geben. In der Vergangenheit mag das anders gewesen sein. Aber die Erneuerbaren haben so stark auf- und überholt, das Kernkraft heute einfach obsolet ist.Es gibt ja auch weder Investoren noch Firmen, die daran arbeiten. Im Gegenteil – die Grossen sind ausgestiegen (Siemens) oder gar pleite (Westinghouse) oder werden staatlich am Leben gehalten (Areva).

          Antworten
        • Jürgen Baumann
          Jürgen Baumann sagte:

          Das Problem ist das jeder Reaktor mehr oder minder ein Prototyp ist. Man sieht das ja an den EPR’s.
          Und der Herr Benz mit seinen Verbrennungsmotoren verschwindet nun gerade vom Markt nach dem dramatischen Gewinneinbruch im letzten Jahr. Der Ola Källenius ist echt nicht zu beneiden. Aber das kommt davon in disruptiven Zeiten zu lange an der Technik des letzten Jahrtausends festzuhalten. Bin gespannt, wann sie aus der Formel 1 aussteigen. Mein Tipp: 2021. Die Formel 1 hat die Attraktivität einer grasenden Schafherde erreicht. Stammt nicht von mir, sondern von einer renommierten Zeitung im Bereich Motorsport.

          Antworten
          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Dass im Moment jeder Reaktor mehr oder minder ein Prototyp ist begründet die aktuell etwas hohen Kosten, insbesondere auch, weil wegen der von Gegnern erzwungenen Moratorien jetzt wieder Knowhow aufzubauen ist.

            Aber danke für die Bestätigung. Wenn dann mehr Serien kommen (WWER-1200 ist z.B. aktuell eine Serie) dann werden sie billiger.

            Unterdessen haben Sie sicher auch das Beispiel mit Solar und AKW gerechnet und festgestellt, dass Solar teurer ist, noch ohne irgendwelche Speicher: Solar 10 Mia Fr vs AKW 8 MiaFr.

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