Schlagwortarchiv für: Programm

Nicht alle Treibhausgasemissionen lassen sich vollständig vermeiden – vor allem in der Industrie, in der Kehrichtverbrennung oder in der Landwirtschaft. Wie wir trotz dieser Restemissionen das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreichen können, untersucht das neue SWEET-Konsortium ACHIEVE. Die Forschenden entwickeln gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Lösungsansätze, um diese Restemissionen zu reduzieren, abzuscheiden, zu nutzen oder einzulagern. Nathalie Casas von der Empa, Koordinatorin von ACHIEVE, erklärt, woran das Konsortium arbeitet und warum technologische Innovation allein nicht genügt.

Energeiaplus: Frau Casas, warum gelten bestimmte Treibhausgasemissionen als «schwer vermeidbar»?

Nathalie Casas von der Empa koordiniert das SWEET-Konsortium ACHIEVE. Bild: Empa

Nathalie Casas: Schwer vermeidbare Emissionen entstehen dort, wo heute keine oder nur sehr begrenzte Alternativen zu treibhausgasintensiven Prozessen verfügbar sind. Ein Beispiel sind industrielle Hochtemperaturprozesse. Für bestimmte Produktionsschritte, zum Beispiel in der Zementherstellung, werden Temperaturen benötigt, die sich heute oft nur durch Verbrennungsprozesse erreichen lassen. In der Landwirtschaft entstehen Emissionen wiederum durch natürliche biologische Vorgänge: Wiederkäuer produzieren bei der Verdauung Methan, ein sehr starkes Treibhausgas. Und solange wir Abfälle verbrennen, fallen auch bei der Kehrichtverbrennung Emissionen an. Genau für diese Bereiche sucht ACHIEVE nach Möglichkeiten, die Emissionen weiter zu reduzieren oder mit den verbleibenden Restemissionen umzugehen.

Wie gross werden diese Restemissionen im Jahr 2050 sein?

Die Klimastrategie des Bundes geht davon aus, dass 2050 noch rund 11 bis 12 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente anfallen werde. Der zukünftig erwartete technische Fortschritt ist dabei bereits eingerechnet.

CO2-Äquivalente (CO2-eq) sind eine Masseinheit, mit der die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase vergleichbar gemacht wird. Dabei werden Emissionen von Gasen wie Methan oder Lachgas entsprechend ihrer Wirkung auf das Klima in die gleichwertige Menge CO2 umgerechnet.

Während bei der Elektrizität oder beim Heizen von Gebäuden bereits Lösungen zur Dekarbonisierung existieren und umgesetzt werden, ist die Situation bei schwer vermeidbaren Emissionen deutlich anspruchsvoller. Wir verfolgen zwei Ansätze: Erstens untersuchen wir, wie sich Emissionen weiter reduzieren lassen. Zweitens befassen wir uns mit Emissionen, die trotz aller Anstrengungen verbleiben. Bei Kehrichtverbrennungsanlagen etwa kann das CO2 aus den Abgasen abgeschieden und dauerhaft gespeichert werden.

Warum können wir nicht einfach CO2 aus der Luft oder aus Abgasen entfernen und uns damit weitere Reduktionen ersparen?

Weil das Abscheiden von CO2 immer Energie, Infrastruktur und Ressourcen benötigt. Besonders anspruchsvoll ist die Entfernung direkt aus der Atmosphäre. Zwar enthält die Luft heute zu viel CO2, die Konzentration liegt aber trotzdem nur bei rund 480 Teilchen pro Million Luftteilchen. Das ist ein sehr verdünntes System.

Je verdünnter ein Stoff vorliegt, desto aufwändiger wird seine Abtrennung. Deshalb gilt: Jede Tonne CO2, die gar nicht erst ausgestossen wird, spart später Energie, Aufwand und Kosten. Emissionen zu vermeiden ist fast immer effizienter, als sie nachträglich wieder einzufangen.

Die Landwirtschaft ist ein Schwerpunkt von ACHIEVE. Es ist allgemein bekannt, dass es klimafreundlicher ist, wenn wir weniger Fleisch und mehr pflanzenbasierte Nahrungsmittel essen. Welche weiteren Ansätze untersuchen Sie?

Wir untersuchen alternative Düngestrategien oder eine Optimierung der Tierhaltung, um die Emissionen pro Kilo Fleisch oder Milch zu senken. Ein Beispiel sind hier Futterzusätze, die Methanemissionen von Wiederkäuern senken können.

Wir setzen aber nicht nur bei der Landwirtschaft an, sondern betrachten die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zum Detailhandel. Die Reduktion von Food Waste spielt dabei eine wichtige Rolle. Dabei arbeiten wir auch eng mit Detailhändlern zusammen.

Ein weiteres Arbeitspaket beschäftigt sich mit der Biomasse. Welche Bedeutung hat sie für das Netto-Null-Ziel?

Biomasse kann eine sehr grosse Rolle spielen – aber nur, wenn wir sie klug einsetzen. Wichtig ist die Kaskadennutzung: Holz sollte zum Beispiel zuerst im Bau verwendet, danach möglichst weitergenutzt und erst am Ende der Nutzungskette energetisch verwertet werden. Dabei sollte der im Holz enthaltene Kohlenstoff möglichst in eine stabile Form überführt werden. Das heisst, dass das CO2, das der Baum beim Wachstum aus der Atmosphäre aufgenommen hat, am Schluss nicht wieder vollständig in die Luft gelangt. Eine Möglichkeit ist die Pyrolyse: Dabei entsteht Pflanzenkohle, die etwa in Baustoffen wie Beton langfristig gespeichert werden kann.

Biomasse kann zudem als erneuerbarer Rohstoff dienen, etwa für chemische, pharmazeutische oder kosmetische Produkte. Diese Möglichkeiten untersuchen wir in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern. Auch hier stellt sich die Frage, wo sie im Gesamtsystem den grössten Nutzen bringt. Denn Biomasse ist begrenzt – und sie wird in vielen Netto-Null-Szenarien von verschiedenen Seiten beansprucht.

Die Ressourcen sind nicht nur bei Biomasse begrenzt. Hier kommt die Kreislaufwirtschaft ins Spiel. Wo setzt ACHIEVE die Schwerpunkte?

Wir untersuchen sektorübergreifend industrielle Materialströme und wie wir diese kreislauffähig gestalten können. Dabei fokussieren wir auf das Bauwesen, Chemie- und Pharmaindustrie, Abfallbehandlung und Kunststoffrecycling. Wenn z.B. in der Bauwirtschaft Beton, Armierungsstahl und weitere Materialien eng miteinander verbunden sind, wird das Recycling aufwendig und teuer. Werden Produkte hingegen von Anfang an kreislauffähig konzipiert, können Materialien einfacher zurückgewonnen und erneut genutzt werden.

Für die verbleibenden Restemissionen brauchen wir Lösungen zur Abscheidung und Speicherung von CO2. Welche Herausforderungen bestehen dabei noch?

Die eigentliche Abscheidungstechnologie existiert bereits seit Langem. Die heute diskutierten Speicher für das CO2 befinden sich aber in geologischen Formationen unter der Nordsee. Die grösseren Herausforderungen liegen deshalb bei der Transportinfrastruktur und den regulatorischen Rahmenbedingungen. Ein Beispiel ist die rechtliche Einstufung von CO2. Heute gilt dieses beim grenzüberschreitenden Transport als Abfall. Diesen zu exportieren ist sehr schwierig. Wir beschäftigen uns auch mit der Frage, ob im Inland geeignete Speicherstätten existieren und wie gross das Speicherpotenzial ist.

Ist die dauerhafte Speicherung von CO2 überhaupt ausreichend erprobt?

Ja. Die geologische Speicherung von CO2 ist keine neue Technologie. In Ländern wie Norwegen wird CO2 seit den 1990er-Jahren in geeignete Gesteinsformationen eingelagert. Auch in der Erdöl- und Erdgasindustrie besteht jahrzehntelange Erfahrung mit dem Verhalten von CO2 im Untergrund. Die grundlegenden Prozesse sind wissenschaftlich gut verstanden.

Technische Lösungen allein reichen jedoch nicht aus. Wie unterstützt ACHIEVE die gesellschaftliche Transformation?

Das ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Wir beziehen Industrie, Politik und Gesellschaft frühzeitig in die Forschung ein und entwickeln gemeinsam Lösungen. Dazu sind im Konsortium neben neun Hochschulen auch sechs Partner aus der Wirtschaft vertreten. Zudem arbeiten zahlreiche Verbände, Unternehmen, kantonale Stellen im erweiterten Kreis der Kollaborationspartner mit. Dank dieser engen Verflechtung können wir besser verstehen, wo Hindernisse, Bedenken oder Akzeptanzprobleme liegen.

Zudem werden wir die Lösungen in Fallstudien und Reallaboren unter realen Bedingungen testen. Ein Beispiel ist die geplante «Beyond Zero Unit» auf dem Empa-Campus. Dort werden unter anderem Baustoffe mit Pflanzenkohle oder Lehm in einem realen Gebäude erprobt. Begleitend untersuchen Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler, wie neue Technologien wahrgenommen werden und welche politischen oder regulatorischen Rahmenbedingungen erforderlich sind.

ACHIEVE will am Ende konkrete «Netto-Null-Pfade» entwickeln. Was bedeutet das?

Über das Ziel Netto-Null besteht weitgehend Einigkeit. Schwieriger ist die Frage, wie wir dieses Ziel möglichst effizient erreichen. Genau hier setzen die Netto-Null-Pfade an: Sie sollen aufzeigen, welche Kombinationen von Massnahmen technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und gesellschaftlich akzeptiert sind. Wichtige Aspekte sind dabei Zielkonflikte, die sich insbesondere bei der Nutzung der Biomasse zeigen. Die Netto-Null-Pfade sollen deshalb nicht nur einzelne Technologien bewerten, sondern zeigen, wie begrenzte Ressourcen im Gesamtsystem am wirkungsvollsten eingesetzt werden können.

Daraus entstehen konkrete Handlungspfade für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unser Ziel ist es, fundierte Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen – damit die Schweiz den Weg zu Netto-Null erfolgreich gestalten kann.

SWEET ist ein Förderprogramm des Bundesamts für Energie (BFE). Der Zweck von SWEET ist, lösungsorientierte Forschung und Innovationen zu finanzieren, deren Schwerpunkt auf den Zielen der Schweizer Energiestrategie 2050 und der langfristigen Klimastrategie liegt.

Text: Irene Bättig, Sprachwerk GmbH im Auftrag der Geschäftsstelle SWEET, Bundesamt für Energie (BFE)
Bild: Shutterstock; Sutthiphong Chandaeng; Asset-ID: 2280544807

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...

Woher kommt der Strom in der Schweiz, wie gelangt er zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern und welche finanziellen Flüsse sind damit verbunden? Eine neue Darstellung im Energiedashboard des Bundesamts für Energie (BFE) führt die wichtigsten Informationen zum Schweizer Elektrizitätssystem in einer interaktiven Gesamtübersicht zusammen.

Weiterlesen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 2 Vote(s), Durchschnitt: 5,00
Loading...

Das Bundesamt für Energie (BFE) hat Anfang Mai die neuen Statistiken zu den Rechenzentren in der Schweiz “Rechenzentren in der Schweiz –Stromverbrauch und Effizienzpotenzial” veröffentlicht. Der vollständige Bericht ist nun verfügbar. Aus diesem Anlass hat energeiaplus mit dem Projektleiter, Martin Jakob vom Zürcher Unternehmen TEP Energy, gesprochen, um die wichtigsten Erkenntnisse seiner Untersuchungen zu erfahren.  Weiterlesen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 1 Vote(s), Durchschnitt: 5,00
Loading...

Die Roadmap Elektromobilität 2030 tritt in eine neue Phase ein. In der dritten Etappe wird der Blick über Personenwagen hinaus erweitert und auch Lastwagen, leichte Nutzfahrzeuge und Busse des öffentlichen Verkehrs einbezogen. Damit rückt erstmals das gesamte elektrische Verkehrssystem in den Fokus – von der Fahrzeugflotte über die Ladeinfrastruktur bis hin zur Stromversorgung. Weiterlesen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...

La session d’été 2026 s’est terminée ce vendredi avec un point fort: le traitement de l’initiative populaire «De l’électricité pour tous en tout temps (Stop au blackout)», qui a largement occupé les débats des deux Chambres. Outre ce dossier majeur, plusieurs objets liés à l’énergie ont également progressé. Weiterlesen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...

Les machines de chantiers sont de plus en plus électrifiées. Les pelles mobiles destinées à une utilisation en centre-ville, lesquelles sont équipées de roues plutôt que de chenilles, en sont un exemple. Différents constructeurs prévoient actuellement de se lancer sur le marché avec des modèles électriques à batterie. Dans le cadre d’un projet pilote et de démonstration de l’OFEN, une équipe de développeurs a perfectionné une pelle mobile électrifiée de telle sorte qu’elle consomme 40% d’électricité en moins. Weiterlesen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...

Was machen die Ausgaben für Energie im Verhältnis zum Einkommen eines Schweizer Haushalts aus? Und wo steht die Schweiz damit im europäischen Vergleich? Im Rahmen des Projektes ENERGYEXP des Kompetenzzentrums für Public Management der Universität Bern  haben Forschende diese Fragen untersucht. Nun liegt der Abschlussbericht des Projekts vor, das vom BFE-Forschungsprogramm Energie-Wirtschaft-Gesellschaft gefördert wurde. Dieser zeigt: Energieausgaben stellen einen vergleichsweise geringen Anteil des Einkommens dar.  Weiterlesen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...

Der Markt für gebrauchte Elektroautos wächst. Trotz wachsendem Angebot haben es E-Fahrzeuge nach wie vor schwer auf dem Occasionsmarkt. Vor allem Unklarheiten zum Zustand der Batterie und zur realen Reichweite bremsen viele Kaufinteressierte. Was ist dran, und was hilft gegen Misstrauen und Skepsis? Hier setzt die Kampagne «E-Occasion – eh besser» an, die im Rahmen der Roadmap Elektromobilität erarbeitet und von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamts für Energie für Energieeffizienz und erneuerbare Energien, unterstützt wurde. 

Zeigen, dass E-Occasionen deutlich besser sind als ihr Ruf. Das ist das Ziel der Kampagne, die vom Autogewerbeverband (AGVS), vom Automobilverband TCS und von AutoSchweiz, dem Verband der Autoimporteure lanciert wurde. Doch wie überzeugt man potenzielle Käuferinnen und Käufer, dass die Batterie eines älteren Elektrofahrzeugs durchaus noch gut ist und das Fahrzeug auch punkto Reichweite den gewünschten Bedürfnissen entspricht?  

Ein wichtiger Schritt wird der digitale Batteriepass sein, der ab 2027 EU-weit für neue Elektrofahrzeuge Pflicht wird. Er schafft Transparenz über Herkunft, Zustand und Nutzung der Batterie – allerdings nur für Neuwagen. Für ältere Fahrzeuge fehlt bislang ein standardisierter Test, der den Gesundheitszustand der Batterie verlässlich ausweist. Genau diese Lücke trägt wesentlich zur Verunsicherung im Occasionsmarkt bei.  

Energeiaplus wollte darum von Christian Wyssmann, Geschäftsführer des AGVS wissen, wie die aktuelle Kampagne Vertrauen und Transparenz erreichen will gegenüber E-Occasionen. 

Energeiaplus: Immer mehr Leute sind in der Schweiz mit einem Elektrofahrzeug unterwegs. Doch verglichen mit den Verbrenner-Autos ist der E-Occasions-Markt noch klein. Warum braucht es die Kampagne? 

Christian Wyssmann ist Geschäftsführer des AGVS; Bild: AGVS

Christian Wyssmann: Viele Menschen interessieren sich zwar für ein gebrauchtes Elektrofahrzeug, haben aber oft gewisse Vorbehalte, insbesondere, was den Zustand der Batterie anbetrifft. Hier setzt die Kampagne an: Wir wollen Vertrauen schaffen und zeigen, dass die Bedenken meist unbegründet sind. Die Batterien halten, was sie versprechen – das zeigen die etlichen, schon etwas älteren Fahrzeuge, die mit ihren Original-Batterien auf unseren Strassen unterwegs sind.  

Der Zustand der Batterie ist der häufigste Grund, der Käuferinnen und Käufer zögern lässt. Mit sogenannten State-of-Health-Tests kann man feststellen, wie gut die Batterie noch ist. Wie erkenne ich als potenzielle Käuferin, dass die Ergebnisse zuverlässig und seriös sind? 

Messwerte einer E-Auto-Batterie sind stets eine Momentaufnahme. Grundsätzlich existieren unterschiedliche Arten von Test- und Messmethoden. Einige sind aufwändiger, weil die Batterie unter Belastung getestet wird, andere sind weniger umfangreich und beschränken sich auf das Vergleichen von bereits abgespeicherten Daten. Letztere Methode ist zwar etwas weniger zuverlässig, dafür liegen umgehend Resultate zum State of Health der Batterie vor. Beide Messmethoden unterscheiden sich nur um wenige Prozentpunkte.  

Wie entscheidend ist, ob die Batterie unter Belastung, also beim Fahren getestet wird oder nicht? 

Aus technischer Sicht sind Tests, in denen eine Batterie während der Fahrt belastet oder bis zu einem gewissen Ladestand entladen wird, substanzieller. So lässt sich auch exakt nachvollziehen, wie sich eine Batterie bei der Nutzung verhält. Weil viele Garagistinnen und Garagisten aber keine Ressourcen haben, um stets solche ausführlichen Tests durchzuführen, entscheiden sie sich für die weniger umfangreiche Variante. Wichtig ist zu wissen, dass beide Prinzipien auf vorhandene Referenzwerte zurückgreifen.  

Der Garagist nimmt eine Schlüsselrolle beim Kauf eines E-Occasions-Fahrzeugs ein. Wo sehen Sie hier noch Handlungsbedarf, um die Glaubwürdigkeit zu stärken? 

Glaubwürdigkeit entsteht durch Transparenz. Wer den State of Health objektiv belegt, nimmt Ängste und schafft Vertrauen – genau das möchten wir mit der Kampagne erreichen. Kundinnen und Kunden müssen darauf vertrauen können, dass Batterie, Reichweite und Zustand fachlich korrekt beurteilt werden. Zudem stehen die AGVS-Kundenberater das ganze Jahr über mit unseren Garagistinnen und Garagisten im Austausch, um sie bei der Transformation zu unterstützen und zu begleiten. 

Autowerkstätten sind ein wichtiger Zugang zur Elektromobilität und somit Teil der Lösung. Leider sind sie aber auch Teil des Problems, da sie derzeit mit Elektroautos kaum Gewinn erzielen. Deshalb ist es wichtig, sie zu unterstützen und zu schulen, damit auch sie Vertrauen in diese Technologie gewinnen und dieses Geschäft rentabel gestalten können.  

Ein besonderes Interesse, dass der E-Occasionsmarkt anzieht, dürften vor allem die Auto-Importeure haben. Denn dann werden auch mehr neue E-Fahrzeuge verkauft. Ist das so? 

Absolut. Ein funktionierender Occasionsmarkt ist der Motor für den Neuwagenverkauf. Nur wenn der Werterhalt von E-Autos kalkulierbar bleibt, sind attraktive Leasingraten für Neufahrzeuge und sichere Eintauschpreise beim Kauf eines Neuwagens möglich. Das nimmt den Kundinnen und Kunden die Unsicherheit beim Erstkauf und stärkt folglich das Vertrauen in die gesamte Elektromobilität. 

Ein weiterer Aspekt ist der Preis: E-Occasionen gelten als teurer als gebrauchte Verbrenner-Autos. Bei den Neuwagen ist es ja auch häufig so, dass das Elektroauto in der Anschaffung mehr kostet als ein Benzin- oder Dieselfahrzeug.  

Die Hersteller haben erkannt, dass E-Autos auch für kleinere Budget erschwinglich sein müssen – hier hat sich in den letzten Monaten einiges getan. Der Markteintritt chinesischer Marken trägt zusätzlich zur Preisdynamik bei. Was E-Occasionen anbetrifft: Gerade weil sehr viele Fahrzeuge zur Auswahl stehen, ist die Chance, ein Schnäppchen zu erzielen, durchaus realistisch. Den vollelektrischen Peugeot 208 aus dem Jahr 2022 gibt es beispielsweise für unter 14’000 Franken zu haben. Ähnliches gilt für Modelle wie den Citroën C4 oder den Opel Corsa. Zudem werden mittlerweile auch E-Occasionen von verschiedenen Importeuren mit attraktiven Leasingkonditionen zusätzlich gefördert. 

Zum Schluss: Fahren Sie selbst elektrisch? Einen Neuwagen oder ein Occasions-Fahrzeug? 

Ich fahre teilelektrisch. Mein Toyota RAV4 ist ein Plug-in-Hybrid, welchen ich als Dienstwagen von meinem vorherigen Arbeitgeber übernommen habe. Bei den Plug-in-Hybriden haben wir grundsätzlich dieselbe Ausgangslage bezüglich Batterie, jedoch stellt sich die Vertrauensfrage aufgrund der geringeren Batteriekapazität weniger. Plug-in-Hybride bieten aber Kundinnen und Kunden einen Einstieg in die Elektromobilität, so kann der Umgang mit Ladestationen und Ladenetzen erprobt werden. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Absicherung bestehen. Auch bei mir wird das nächste Fahrzeug dann wohl vollelektrisch sein. 

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...

Vom 27. bis 29. April 2026 fand bei der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) in Wettingen das interaktive «KIF-Working Meeting: From Theory to Practice» der Nuclear Energy Agency (NEA) statt. Im Zentrum stand das sogenannte Key Information File (KIF): ein kurzes, verständlich formuliertes Übersichtsdokument, das der Gesellschaft ein grundlegendes Verständnis über Zweck und Inhalt eines Tiefenlagers vermitteln soll – mit dem Ziel, ungewollte menschliche Eingriffe auch langfristig zu verhindern. Weiterlesen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...

Soll das Neubauverbot für Kernkraftwerke aufgehoben werden? Der Ständerat hatte in der Märzsession zugestimmt. Nun sind die Volksinitiative «Blackout stoppen» und der indirekte Gegenvorschlag des Bundesrates in der Sommersession 2026 im Nationalrat traktandiert, die am 1. Juni beginnt.   Weiterlesen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Noch keine Bewertungen
Loading...