Der Markt für gebrauchte Elektroautos wächst. Trotz wachsendem Angebot haben es E-Fahrzeuge nach wie vor schwer auf dem Occasionsmarkt. Vor allem Unklarheiten zum Zustand der Batterie und zur realen Reichweite bremsen viele Kaufinteressierte. Was ist dran, und was hilft gegen Misstrauen und Skepsis? Hier setzt die Kampagne «E-Occasion – eh besser» an, die im Rahmen der Roadmap Elektromobilität erarbeitet und von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamts für Energie für Energieeffizienz und erneuerbare Energien, unterstützt wurde. 

Zeigen, dass E-Occasionen deutlich besser sind als ihr Ruf. Das ist das Ziel der Kampagne, die vom Autogewerbeverband (AGVS), vom Automobilverband TCS und von AutoSchweiz, dem Verband der Autoimporteure lanciert wurde. Doch wie überzeugt man potenzielle Käuferinnen und Käufer, dass die Batterie eines älteren Elektrofahrzeugs durchaus noch gut ist und das Fahrzeug auch punkto Reichweite den gewünschten Bedürfnissen entspricht?  

Ein wichtiger Schritt wird der digitale Batteriepass sein, der ab 2027 EU-weit für neue Elektrofahrzeuge Pflicht wird. Er schafft Transparenz über Herkunft, Zustand und Nutzung der Batterie – allerdings nur für Neuwagen. Für ältere Fahrzeuge fehlt bislang ein standardisierter Test, der den Gesundheitszustand der Batterie verlässlich ausweist. Genau diese Lücke trägt wesentlich zur Verunsicherung im Occasionsmarkt bei.  

Energeiaplus wollte darum von Christian Wyssmann, Geschäftsführer des AGVS wissen, wie die aktuelle Kampagne Vertrauen und Transparenz erreichen will gegenüber E-Occasionen. 

Energeiaplus: Immer mehr Leute sind in der Schweiz mit einem Elektrofahrzeug unterwegs. Doch verglichen mit den Verbrenner-Autos ist der E-Occasions-Markt noch klein. Warum braucht es die Kampagne? 

Christian Wyssmann ist Geschäftsführer des AGVS; Bild: AGVS

Christian Wyssmann: Viele Menschen interessieren sich zwar für ein gebrauchtes Elektrofahrzeug, haben aber oft gewisse Vorbehalte, insbesondere was den Zustand der Batterie anbetrifft. Hier setzt die Kampagne an: Wir wollen Vertrauen schaffen und zeigen, dass die Bedenken meist unbegründet sind. Die Batterien halten, was sie versprechen – das zeigen die etlichen, schon etwas älteren Fahrzeuge, die mit ihren Original-Batterien auf unseren Strassen unterwegs sind.  

Der Zustand der Batterie ist der häufigste Grund, der Käuferinnen und Käufer zögern lässt. Mit sogenannten State-of-Health-Tests kann man feststellen, wie gut die Batterie noch ist. Wie erkenne ich als potenzielle Käuferin, dass die Ergebnisse zuverlässig und seriös sind? 

Messwerte einer E-Auto-Batterie sind stets eine Momentaufnahme. Grundsätzlich existieren unterschiedliche Arten von Test- und Messmethoden. Einige sind aufwändiger, weil die Batterie unter Belastung getestet wird, andere sind weniger umfangreich und beschränken sich auf das Vergleichen von bereits abgespeicherten Daten. Letztere Methode ist zwar etwas weniger zuverlässig, dafür liegen umgehend Resultate zum State of Health der Batterie vor. Beide Messmethoden unterscheiden sich nur um wenige Prozentpunkte.  

Wie entscheidend ist, ob die Batterie unter Belastung, also beim Fahren getestet wird oder nicht? 

Aus technischer Sicht sind Tests, in denen eine Batterie während der Fahrt belastet oder bis zu einem gewissen Ladestand entladen wird, substanzieller. So lässt sich auch exakt nachvollziehen, wie sich eine Batterie bei der Nutzung verhält. Weil viele Garagistinnen und Garagisten aber keine Ressourcen haben, um stets solche ausführlichen Tests durchzuführen, entscheiden sie sich für die weniger umfangreiche Variante. Wichtig ist zu wissen, dass beide Prinzipien auf vorhandene Referenzwerte zurückgreifen.  

Der Garagist nimmt eine Schlüsselrolle beim Kauf eines E-Occasions-Fahrzeugs ein. Wo sehen Sie hier noch Handlungsbedarf, um die Glaubwürdigkeit zu stärken? 

Glaubwürdigkeit entsteht durch Transparenz. Wer den State of Health objektiv belegt, nimmt Ängste und schafft Vertrauen – genau das möchten wir mit der Kampagne erreichen. Kundinnen und Kunden müssen darauf vertrauen können, dass Batterie, Reichweite und Zustand fachlich korrekt beurteilt werden. Zudem stehen die AGVS-Kundenberater das ganze Jahr über mit unseren Garagistinnen und Garagisten im Austausch, um sie bei der Transformation zu unterstützen und zu begleiten. 

Autowerkstätten sind ein wichtiger Zugang zur Elektromobilität und somit Teil der Lösung. Leider sind sie aber auch Teil des Problems, da sie derzeit mit Elektroautos kaum Gewinn erzielen. Deshalb ist es wichtig, sie zu unterstützen und zu schulen, damit auch sie Vertrauen in diese Technologie gewinnen und dieses Geschäft rentabel gestalten können.  

Ein besonderes Interesse, dass der E-Occasionsmarkt anzieht, dürften vor allem die Auto-Importeure haben. Denn dann werden auch mehr neue E-Fahrzeuge verkauft. Ist das so? 

Absolut. Ein funktionierender Occasionsmarkt ist der Motor für den Neuwagenverkauf. Nur wenn der Werterhalt von E-Autos kalkulierbar bleibt, sind attraktive Leasingraten für Neufahrzeuge und sichere Eintauschpreise beim Kauf eines Neuwagens möglich. Das nimmt den Kundinnen und Kunden die Unsicherheit beim Erstkauf und stärkt folglich das Vertrauen in die gesamte Elektromobilität. 

Ein weiterer Aspekt ist der Preis: E-Occasionen gelten als teurer als gebrauchte Verbrenner-Autos. Bei den Neuwagen ist es ja auch häufig so, dass das Elektroauto in der Anschaffung mehr kostet als ein Benzin- oder Dieselfahrzeug.  

Die Hersteller haben erkannt, dass E-Autos auch für kleinere Budget erschwinglich sein müssen – hier hat sich in den letzten Monaten einiges getan. Der Markteintritt chinesischer Marken trägt zusätzlich zur Preisdynamik bei. Was E-Occasionen anbetrifft: Gerade weil sehr viele Fahrzeuge zur Auswahl stehen, ist die Chance, ein Schnäppchen zu erzielen, durchaus realistisch. Den vollelektrischen Peugeot 208 aus dem Jahr 2022 gibt es beispielsweise für unter 14’000 Franken zu haben. Ähnliches gilt für Modelle wie den Citroën C4 oder den Opel Corsa. Zudem werden mittlerweile auch E-Occasionen von verschiedenen Importeuren mit attraktiven Leasingkonditionen zusätzlich gefördert. 

Zum Schluss: Fahren Sie selbst elektrisch? Einen Neuwagen oder ein Occasions-Fahrzeug? 

Ich fahre teilelektrisch. Mein Toyota RAV4 ist ein Plug-in-Hybrid, welchen ich als Dienstwagen von meinem vorherigen Arbeitgeber übernommen habe. Bei den Plug-in-Hybriden haben wir grundsätzlich dieselbe Ausgangslage bezüglich Batterie, jedoch stellt sich die Vertrauensfrage aufgrund der geringeren Batteriekapazität weniger. Plug-in-Hybride bieten aber Kundinnen und Kunden einen Einstieg in die Elektromobilität, so kann der Umgang mit Ladestationen und Ladenetzen erprobt werden. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Absicherung bestehen. Auch bei mir wird das nächste Fahrzeug dann wohl vollelektrisch sein. 

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

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ZEV, vZEV oder LEG? Wer Solarstrom teilen möchte, braucht Orientierung. Das bietet die Informationsseite lokalerstrom.ch, entwickelt von Swissolar und dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE mit Unterstützung von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamts für Energie für Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

Welches Modell passt zu welcher Situation? Was sind die Unterschiede? Was gilt es bei der Umsetzung zu beachten? Projektbeteiligte finden auf lokalerstrom.ch Antworten auf diese Fragen sowie Informationen zu Tarifgestaltung und Abrechnung. Zudem stehen nützliche Tools und Vertragsvorlagen zum Download bereit.

Die Modelle in der Übersicht

Zusammenschluss zum Eigenverbrauch

ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch): Bewohner und Bewohnerinnen eines Mehrfamilienhauses schliessen sich zusammen, um den Strom der PV-Anlage auf dem Haus gemeinsam zu nutzen.

virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch

 

 

vZEV (virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch): Bei diesem Modell können auch Nachbarn und Nachbarinnen ohne eigene PV-Anlage Solarstrom vom Nachbarhaus beziehen.

 

Lokale Elektrizitätsgemeinschaft

 

LEG (lokale Energiegemeinschaft): Dieses Modell ermöglicht den Verkauf von lokal produziertem Strom im Quartier oder innerhalb einer ganzen Gemeinde. Dabei entsteht ein lokaler Marktplatz auf welchem Stromproduzenten und Endverbraucherinnen Strom handeln können.

 

 

Praxismodell: Bei diesem Modell bieten einige Verteilnetzbetreiber eine eigene Lösung für die Abrechnung des lokal produzierten Stroms an.                                                  Im Unterschied zu ZEV und vZEV bleiben die Teilnehmenden dabei Kundinnen und Kunden ihres Verteilnetzbetreibers.

 

Lena Kern, zuständig für Technik & Betriebswirtschaft beim Branchenverband Swissolar hat die Plattform mitentwickelt. Frage: Warum braucht es lokalerstrom.ch? 

Lena Kern ist beim Verband Swissolar für Technik und Betriebswirtschaft zuständig. Bild: Swissolar

Lena Kern: Das Ziel ist, die Branche möglichst umfassend und neutral über die Modelle für die gemeinschaftliche Nutzung von Solarstrom zu informieren und Hilfsmittel bei der Planung und Umsetzung für alle Beteiligten zur Verfügung zu stellen. Die Lokale Energiegemeinschaft LEG ist seit Anfang diesen Jahres möglich, bereits länger gibt es den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch ZEV (2018) und den virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch vZEV (2025).

Wir stellen fest, dass die Website ein grosses Bedürfnis abdeckt – insbesondere in der Solarbranche. Die Modelle sind derzeit stark gefragt, gleichzeitig bestehen viele Unsicherheiten. Entsprechend werden gut zugängliche und übersichtlich aufbereitete Informationen sehr geschätzt. Die hohe Zahl an Seitenaufrufen und Downloads zeigt die Relevanz und den Bedarf.

Es ist tatsächlich nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten, wie man Solarstrom gemeinschaftlich nutzen kann. Was kann lokalerstrom.ch da bieten, was noch nicht?

Die Plattform bietet auf der Startseite eine Übersicht über die Modelle ZEV, vZEV, LEG und das Praxismodell, und verlinkt die entsprechenden Branchendokumente des VSE und den Leitfaden von EnergieSchweiz . Nutzerinnen und Nutzer finden zudem Musterdokumente. In den letzten Monaten sind zudem ein Tarifrechner für LEG sowie ein Register von Abrechnungsdienstleistern und -dienstleisterinnen hinzugekommen. Weitere Funktionen und konkrete Praxisbeispiele sind in Vorbereitung, um die Orientierung noch einfacher zu machen.

Was sind die häufigsten Fragen, die im Zusammenhang mit der gemeinschaftlichen Nutzung von lokal produziertem PV-Strom auftauchen?

Die Anfragen decken ein sehr breites Spektrum ab – von Privatpersonen, die sich grundlegend über das Vorgehen und die Gründung eines entsprechenden Modells informieren möchten – , bis hin zu Fachpersonen, die sich mit sehr spezifischen vertraglichen oder technischen Fragestellungen an uns wenden. Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Anzahl der Anfragen leicht zurückgeht und die Bekanntheit der verschiedenen Modelle steigt.

Was ist das Zielpublikum? Erreichen Sie die Zielgruppe?

Die Website richtet sich an Fachpersonen, Immobilienbesitzende, Gemeinden, Verteilnetzbetreiber sowie Energieversorgungsunternehen und bietet zugleich potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmern solcher Modelle Informationen.

Sind ZEV, vZEV und LEG Booster für die Solarenergie? Was ist Ihre Einschätzung?

Ja, davon bin ich überzeugt. Dabei geht es jedoch nicht nur um diese spezifischen Modelle, sondern ganz allgemein um den dezentralen und intelligenten Verbrauch von Solarstrom. Von der vollständigen Einspeisung des lokal produzierten Solarstroms ins Netz – wie sie zu Zeiten der KEV (kostendeckenden Einspeisevergütung) üblich war – haben wir uns endgültig entfernt.

Heute steht vielmehr die optimale Nutzung des Solarstroms vor Ort im Vordergrund: Sei es beim Einfamilienhaus, das durch ein intelligentes Energiemanagement und gegebenenfalls den Einsatz eines Speichers den Eigenverbrauch maximiert und damit ganz ohne spezielles Modell auskommt, oder bei einer komplexen lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) mit grossen Produzenten und zahlreichen Teilnehmenden.

Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass bereits zu Beginn eines Solarprojekts ein individuelles Konzept für die möglichst intelligente Verteilung und Nutzung des erzeugten Solarstroms entwickelt wird oder bestehende Anlagen dahingehend optimiert werden.

Welchen Einfluss haben LEG (seit 1.1.2026 möglich) und die beiden anderen Modelle punkto Dimensionierung der PV-Anlage? Werden künftig grössere Anlagen realisiert, weil man den Strom in der Nachbarschaft verkaufen kann?

Es zeigte sich zeitweise ein Trend, PV-Anlagen möglichst genau auf den Verbrauch eines Gebäudes zu dimensionieren. Dabei wurde nur ein Teil der verfügbaren Dachfläche genutzt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die einmaligen Kosten für Planung, Bewilligungen, Baustelleneinrichtung und Elektroarbeiten meist deutlich höher ins Gewicht fallen als die eigentlichen Komponenten wie beispielsweise Module oder Wechselrichter. Gleichzeitig kann der Strombedarf eines Gebäudes über die Jahre stark steigen – etwa durch den Einsatz von Elektromobilität oder den Umstieg auf Wärmepumpen.

Schon vor der Einführung von LEG und vZEV war zu beobachten, dass sich die Planung wieder stärker an der maximal verfügbaren Dachfläche orientierte. Mit den neuen Modellen dürfte der oben erwähnte Trend zur Optimierung der Anlagengrösse auf den Verbrauch nun endgültig vorüber sein.

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Grafiken: Swissolar

 

 

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