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Mobilität ist längst nicht mehr nur eine Frage von Strassen und Fahrplänen. Heute geht es um Energie, Verhalten, Digitalisierung, Raumplanung, Klimaziele und Kosten. Kein Wunder, dass in der Schweiz inzwischen eine ganze Reihe von CAS-Weiterbildungs-Programmen entstanden ist, die Themen wie Mobilitätsmanagement, Flottenbeschaffung oder verhaltenspsychologische Ansätze beinhalten. Doch braucht es all diese Angebote? Und wie behält man den Überblick? 

Mobilität ist einer der grossen Hebel der Schweizer Energie? und Klimapolitik. Rund ein Drittel der CO2-Emissionen in der Schweiz wird durch den Verkehr verursacht. Jede Fahrt, jeder Transport, jede Pendlerbewegung, jede Freizeitaktivität beeinflusst den Energieverbrauch und die Emissionen. Gleichzeitig stehen Unternehmen, Kantone und Gemeinden vor neuen Herausforderungen: Flotten elektrifizieren, Ladeinfrastruktur planen, Verkehrsströme lenken, Raum und Verkehr aufeinander abstimmen.  

Da Mobilität ein interdisziplinäres Thema ist, decken klassische Grundausbildungen diese Breite oft nicht ab. Deshalb entstehen Weiterbildungen, die Praxiswissen vermitteln und verschiedene Fachbereiche zusammenbringen. Mit Unterstützung von EnergieSchweiz startet im Herbst der neue CAS Mobilitätsmanagement an der Ostschweizer Fachhochschule. 

Barbara Schäfli ist Fachspezialistin Aus- und Weiterbildung beim Bundesamt für Energie. 

Energeiaplus wollte von ihr wissen, warum EnergieSchweiz diesen Weiterbildungsgang unterstützt. 

Barbara Schäfli ist im Bundesamt für Energie zuständig für Aus- und Weiterbildung im Energiebereich. Bild: BFE

Barbara Schäfli: Heute ist klar: Die Klimaziele im Verkehrsbereich lassen sich nicht allein durch den Ausbau von Infrastruktur, verbesserte Fahrzeugeffizienz oder Elektrifizierung erreichen. Eine zentrale Rolle spielt vielmehr das Mobilitätsverhalten selbst. Genau hier setzt der CAS Mobilitätsmanagement der Fachhochschule OST an.

Der CAS vermittelt praxisnahes Wissen zur Förderung nachhaltiger Mobilität in Unternehmen, Gemeinden und Arealen. Ziel ist es nicht, einzelne Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen, sondern sie situationsgerecht zu kombinieren und optimal aufeinander abzustimmen.

Die Teilnehmenden erwerben Kompetenzen, um Mobilitätskonzepte mit Fokus auf Klima- und Siedlungsverträglichkeit zu entwickeln, umzusetzen und zu evaluieren. Sie erhalten Instrumente und Tipps, wie sie in Organisationen konkrete Veränderungen anstossen können.

Damit unterstützt der CAS wichtige Schwerpunkte von EnergieSchweiz. Die Förderung einer nachhaltigen Mobilität in Gemeinden und Unternehmen durch die Anwendung folgender vier «V»: Den Verkehr «vermeiden», auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel «verlagern», den Verkehr durch Einsatz von optimierten und effizienteren Technologien «verträglich gestalten» und durch intelligentes Kombinieren und Integrieren von verschiedenen Verkehrsmitteln «vernetzen.

Energeiaplus: Mobilität ist ein beliebtes Thema im Weiterbildungsmarkt. Warum gibt es immer mehr Weiterbildungen in diesem Bereich?  

Barbara Schäfli: Das Angebot ist Ausdruck eines strukturellen Wandels. Mobilität wird heute nicht mehr isoliert als Verkehrsfrage betrachtet, sondern als zentraler Faktor für Energieverbrauch, Emissionen und Standortqualität. Gleichzeitig hat der Verkehrssektor seine Klimaziele bislang nicht erreicht.

Klassische Ansätze wie neue Infrastrukturen oder Effizienzsteigerungen einzelner Verkehrsträger reichen allein nicht aus. Entscheidend ist zunehmend, wie Mobilität tatsächlich genutzt wird, also das Verhalten von Unternehmen, Mitarbeitenden und der Bevölkerung.

Zudem nimmt die Komplexität zu: Elektrifizierung, neue Arbeitsformen und Digitalisierung verändern die Mobilität grundlegend. Entsprechend wächst der Bedarf an neuen Kompetenzen.

Neue Weiterbildungsangebote sind deshalb aus unserer Sicht weniger ein Trend im Bildungsmarkt, sondern vielmehr eine Reaktion auf einen realen Bedarf in der Praxis.

Braucht es diese Vielfalt oder sorgt das eher für Verwirrung? 

Die Vielfalt ist sinnvoll, weil sie die Breite des Themas widerspiegelt. Mobilität bewegt sich heute im Spannungsfeld von Technik, Verhalten, Organisation und Raum- und Verkehrsplanung. Entsprechend vielfältig sind auch die Rollen der Fachpersonen: Sie reichen von der strategischen Planung über das Mobilitätsmanagement in Unternehmen und Gemeinden bis hin zu Flottenmanagement, kommunaler und kantonaler Verkehrsplanung, technischen Neuerungen oder der Begleitung von Transformationsprozessen.

Diese Breite erfordert eine klare Profilierung der einzelnen Angebote. Aus Sicht von EnergieSchweiz sind insbesondere Umsetzungskompetenzen wichtig. In Unternehmen und Gemeinden fehlt es häufig an Fachpersonen, die Konzepte nicht nur verstehen, sondern auch umsetzen können.

Konkret: Worin unterscheiden sich beispielsweise der CAS der Fachhochschule OST oder das Angebot der ETH zur Mobilität der Zukunft oder das HSG-Programm CAS Smart Mobility Management? 

Die verschiedenen Programme setzen unterschiedliche, sich ergänzende Schwerpunkte.

  • Die Angebote an der ETH fokussieren stärker auf technologische und systemische Fragen.
  • Programme wie das CAS Smart Mobility Management der HSG sind stärker strategisch und managementorientiert.
  • Der neue CAS der OST hingegen setzt den Schwerpunkt auf betriebliches, kommunales und arealbezogenes Mobilitätsmanagement sowie dessen konkrete Umsetzung. Es richtet sich an Mitarbeitende in Büros, Gemeinden, Kantonen, Arealentwicklern und allen, die zielgerichtet etwas bewegen wollen.

Die klare Differenzierung macht die Programme komplementär und nicht redundant.

Welche Rolle spielt professionelles Mobilitätsmanagement, wenn die Schweiz ihr Energiesystem umbaut – insbesondere im Hinblick auf Strombedarf, Raumplanung und Klimaziele? 

Mobilitätsmanagement ist zentral, weil es direkt an der Schnittstelle von Energie, Verkehr und Raumplanung ansetzt. Der Verkehr verursacht 38% des Endenergieverbrauches der Schweiz (vgl. BFE, Schweiz. Gesamtenergiestatistik 2025, Tab 2 )und ist verantwortlich für 33.5% der Treibhausgasemissionen. Mit der Elektrifizierung steigt zudem der Strombedarf.

Mobilitätsmanagement kann hier steuernd wirken: Es reduziert Verkehrsaufkommen, fördert effizientere Verkehrsmittel und hilft, Nachfrage zu verlagern, räumlich, zeitlich oder nach Verkehrsträgern. Dadurch kann der Energiebedarf gesenkt und besser planbar gemacht werden. Zugleich ermöglicht eine gute Abstimmung von Raum- und Verkehrsplanung langfristig eine Reduktion von Verkehr und Energieverbrauch.

Fakten zum Verkehr

Eine Liste von CAS im Bereich Mobilität/Verkehrsplanung finden Sie hier:  Weiterbildung und Kurse | SVI 

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Bild:

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Nicht alle Treibhausgasemissionen lassen sich vollständig vermeiden – vor allem in der Industrie, in der Kehrichtverbrennung oder in der Landwirtschaft. Wie wir trotz dieser Restemissionen das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreichen können, untersucht das neue SWEET-Konsortium ACHIEVE. Die Forschenden entwickeln gemeinsam mit Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Lösungsansätze, um diese Restemissionen zu reduzieren, abzuscheiden, zu nutzen oder einzulagern. Nathalie Casas von der Empa, Koordinatorin von ACHIEVE, erklärt, woran das Konsortium arbeitet und warum technologische Innovation allein nicht genügt.

Energeiaplus: Frau Casas, warum gelten bestimmte Treibhausgasemissionen als «schwer vermeidbar»?

Nathalie Casas von der Empa koordiniert das SWEET-Konsortium ACHIEVE. Bild: Empa

Nathalie Casas: Schwer vermeidbare Emissionen entstehen dort, wo heute keine oder nur sehr begrenzte Alternativen zu treibhausgasintensiven Prozessen verfügbar sind. Ein Beispiel sind industrielle Hochtemperaturprozesse. Für bestimmte Produktionsschritte, zum Beispiel in der Zementherstellung, werden Temperaturen benötigt, die sich heute oft nur durch Verbrennungsprozesse erreichen lassen. In der Landwirtschaft entstehen Emissionen wiederum durch natürliche biologische Vorgänge: Wiederkäuer produzieren bei der Verdauung Methan, ein sehr starkes Treibhausgas. Und solange wir Abfälle verbrennen, fallen auch bei der Kehrichtverbrennung Emissionen an. Genau für diese Bereiche sucht ACHIEVE nach Möglichkeiten, die Emissionen weiter zu reduzieren oder mit den verbleibenden Restemissionen umzugehen.

Wie gross werden diese Restemissionen im Jahr 2050 sein?

Die Klimastrategie des Bundes geht davon aus, dass 2050 noch rund 11 bis 12 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente anfallen werde. Der zukünftig erwartete technische Fortschritt ist dabei bereits eingerechnet.

CO2-Äquivalente (CO2-eq) sind eine Masseinheit, mit der die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase vergleichbar gemacht wird. Dabei werden Emissionen von Gasen wie Methan oder Lachgas entsprechend ihrer Wirkung auf das Klima in die gleichwertige Menge CO2 umgerechnet.

Während bei der Elektrizität oder beim Heizen von Gebäuden bereits Lösungen zur Dekarbonisierung existieren und umgesetzt werden, ist die Situation bei schwer vermeidbaren Emissionen deutlich anspruchsvoller. Wir verfolgen zwei Ansätze: Erstens untersuchen wir, wie sich Emissionen weiter reduzieren lassen. Zweitens befassen wir uns mit Emissionen, die trotz aller Anstrengungen verbleiben. Bei Kehrichtverbrennungsanlagen etwa kann das CO2 aus den Abgasen abgeschieden und dauerhaft gespeichert werden.

Warum können wir nicht einfach CO2 aus der Luft oder aus Abgasen entfernen und uns damit weitere Reduktionen ersparen?

Weil das Abscheiden von CO2 immer Energie, Infrastruktur und Ressourcen benötigt. Besonders anspruchsvoll ist die Entfernung direkt aus der Atmosphäre. Zwar enthält die Luft heute zu viel CO2, die Konzentration liegt aber trotzdem nur bei rund 480 Teilchen pro Million Luftteilchen. Das ist ein sehr verdünntes System.

Je verdünnter ein Stoff vorliegt, desto aufwändiger wird seine Abtrennung. Deshalb gilt: Jede Tonne CO2, die gar nicht erst ausgestossen wird, spart später Energie, Aufwand und Kosten. Emissionen zu vermeiden ist fast immer effizienter, als sie nachträglich wieder einzufangen.

Die Landwirtschaft ist ein Schwerpunkt von ACHIEVE. Es ist allgemein bekannt, dass es klimafreundlicher ist, wenn wir weniger Fleisch und mehr pflanzenbasierte Nahrungsmittel essen. Welche weiteren Ansätze untersuchen Sie?

Wir untersuchen alternative Düngestrategien oder eine Optimierung der Tierhaltung, um die Emissionen pro Kilo Fleisch oder Milch zu senken. Ein Beispiel sind hier Futterzusätze, die Methanemissionen von Wiederkäuern senken können.

Wir setzen aber nicht nur bei der Landwirtschaft an, sondern betrachten die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zum Detailhandel. Die Reduktion von Food Waste spielt dabei eine wichtige Rolle. Dabei arbeiten wir auch eng mit Detailhändlern zusammen.

Ein weiteres Arbeitspaket beschäftigt sich mit der Biomasse. Welche Bedeutung hat sie für das Netto-Null-Ziel?

Biomasse kann eine sehr grosse Rolle spielen – aber nur, wenn wir sie klug einsetzen. Wichtig ist die Kaskadennutzung: Holz sollte zum Beispiel zuerst im Bau verwendet, danach möglichst weitergenutzt und erst am Ende der Nutzungskette energetisch verwertet werden. Dabei sollte der im Holz enthaltene Kohlenstoff möglichst in eine stabile Form überführt werden. Das heisst, dass das CO2, das der Baum beim Wachstum aus der Atmosphäre aufgenommen hat, am Schluss nicht wieder vollständig in die Luft gelangt. Eine Möglichkeit ist die Pyrolyse: Dabei entsteht Pflanzenkohle, die etwa in Baustoffen wie Beton langfristig gespeichert werden kann.

Biomasse kann zudem als erneuerbarer Rohstoff dienen, etwa für chemische, pharmazeutische oder kosmetische Produkte. Diese Möglichkeiten untersuchen wir in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern. Auch hier stellt sich die Frage, wo sie im Gesamtsystem den grössten Nutzen bringt. Denn Biomasse ist begrenzt – und sie wird in vielen Netto-Null-Szenarien von verschiedenen Seiten beansprucht.

Die Ressourcen sind nicht nur bei Biomasse begrenzt. Hier kommt die Kreislaufwirtschaft ins Spiel. Wo setzt ACHIEVE die Schwerpunkte?

Wir untersuchen sektorübergreifend industrielle Materialströme und wie wir diese kreislauffähig gestalten können. Dabei fokussieren wir auf das Bauwesen, Chemie- und Pharmaindustrie, Abfallbehandlung und Kunststoffrecycling. Wenn z.B. in der Bauwirtschaft Beton, Armierungsstahl und weitere Materialien eng miteinander verbunden sind, wird das Recycling aufwendig und teuer. Werden Produkte hingegen von Anfang an kreislauffähig konzipiert, können Materialien einfacher zurückgewonnen und erneut genutzt werden.

Für die verbleibenden Restemissionen brauchen wir Lösungen zur Abscheidung und Speicherung von CO2. Welche Herausforderungen bestehen dabei noch?

Die eigentliche Abscheidungstechnologie existiert bereits seit Langem. Die heute diskutierten Speicher für das CO2 befinden sich aber in geologischen Formationen unter der Nordsee. Die grösseren Herausforderungen liegen deshalb bei der Transportinfrastruktur und den regulatorischen Rahmenbedingungen. Ein Beispiel ist die rechtliche Einstufung von CO2. Heute gilt dieses beim grenzüberschreitenden Transport als Abfall. Diesen zu exportieren ist sehr schwierig. Wir beschäftigen uns auch mit der Frage, ob im Inland geeignete Speicherstätten existieren und wie gross das Speicherpotenzial ist.

Ist die dauerhafte Speicherung von CO2 überhaupt ausreichend erprobt?

Ja. Die geologische Speicherung von CO2 ist keine neue Technologie. In Ländern wie Norwegen wird CO2 seit den 1990er-Jahren in geeignete Gesteinsformationen eingelagert. Auch in der Erdöl- und Erdgasindustrie besteht jahrzehntelange Erfahrung mit dem Verhalten von CO2 im Untergrund. Die grundlegenden Prozesse sind wissenschaftlich gut verstanden.

Technische Lösungen allein reichen jedoch nicht aus. Wie unterstützt ACHIEVE die gesellschaftliche Transformation?

Das ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Wir beziehen Industrie, Politik und Gesellschaft frühzeitig in die Forschung ein und entwickeln gemeinsam Lösungen. Dazu sind im Konsortium neben neun Hochschulen auch sechs Partner aus der Wirtschaft vertreten. Zudem arbeiten zahlreiche Verbände, Unternehmen, kantonale Stellen im erweiterten Kreis der Kollaborationspartner mit. Dank dieser engen Verflechtung können wir besser verstehen, wo Hindernisse, Bedenken oder Akzeptanzprobleme liegen.

Zudem werden wir die Lösungen in Fallstudien und Reallaboren unter realen Bedingungen testen. Ein Beispiel ist die geplante «Beyond Zero Unit» auf dem Empa-Campus. Dort werden unter anderem Baustoffe mit Pflanzenkohle oder Lehm in einem realen Gebäude erprobt. Begleitend untersuchen Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler, wie neue Technologien wahrgenommen werden und welche politischen oder regulatorischen Rahmenbedingungen erforderlich sind.

ACHIEVE will am Ende konkrete «Netto-Null-Pfade» entwickeln. Was bedeutet das?

Über das Ziel Netto-Null besteht weitgehend Einigkeit. Schwieriger ist die Frage, wie wir dieses Ziel möglichst effizient erreichen. Genau hier setzen die Netto-Null-Pfade an: Sie sollen aufzeigen, welche Kombinationen von Massnahmen technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und gesellschaftlich akzeptiert sind. Wichtige Aspekte sind dabei Zielkonflikte, die sich insbesondere bei der Nutzung der Biomasse zeigen. Die Netto-Null-Pfade sollen deshalb nicht nur einzelne Technologien bewerten, sondern zeigen, wie begrenzte Ressourcen im Gesamtsystem am wirkungsvollsten eingesetzt werden können.

Daraus entstehen konkrete Handlungspfade für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Unser Ziel ist es, fundierte Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen – damit die Schweiz den Weg zu Netto-Null erfolgreich gestalten kann.

SWEET ist ein Förderprogramm des Bundesamts für Energie (BFE). Der Zweck von SWEET ist, lösungsorientierte Forschung und Innovationen zu finanzieren, deren Schwerpunkt auf den Zielen der Schweizer Energiestrategie 2050 und der langfristigen Klimastrategie liegt.

Text: Irene Bättig, Sprachwerk GmbH im Auftrag der Geschäftsstelle SWEET, Bundesamt für Energie (BFE)
Bild: Shutterstock; Sutthiphong Chandaeng; Asset-ID: 2280544807

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Die Roadmap Elektromobilität 2030 tritt in eine neue Phase ein. In der dritten Etappe wird der Blick über Personenwagen hinaus erweitert und auch Lastwagen, leichte Nutzfahrzeuge und Busse des öffentlichen Verkehrs einbezogen. Damit rückt erstmals das gesamte elektrische Verkehrssystem in den Fokus – von der Fahrzeugflotte über die Ladeinfrastruktur bis hin zur Stromversorgung. Weiterlesen

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Der Markt für gebrauchte Elektroautos wächst. Trotz wachsendem Angebot haben es E-Fahrzeuge nach wie vor schwer auf dem Occasionsmarkt. Vor allem Unklarheiten zum Zustand der Batterie und zur realen Reichweite bremsen viele Kaufinteressierte. Was ist dran, und was hilft gegen Misstrauen und Skepsis? Hier setzt die Kampagne «E-Occasion – eh besser» an, die im Rahmen der Roadmap Elektromobilität erarbeitet und von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamts für Energie für Energieeffizienz und erneuerbare Energien, unterstützt wurde. 

Zeigen, dass E-Occasionen deutlich besser sind als ihr Ruf. Das ist das Ziel der Kampagne, die vom Autogewerbeverband (AGVS), vom Automobilverband TCS und von AutoSchweiz, dem Verband der Autoimporteure lanciert wurde. Doch wie überzeugt man potenzielle Käuferinnen und Käufer, dass die Batterie eines älteren Elektrofahrzeugs durchaus noch gut ist und das Fahrzeug auch punkto Reichweite den gewünschten Bedürfnissen entspricht?  

Ein wichtiger Schritt wird der digitale Batteriepass sein, der ab 2027 EU-weit für neue Elektrofahrzeuge Pflicht wird. Er schafft Transparenz über Herkunft, Zustand und Nutzung der Batterie – allerdings nur für Neuwagen. Für ältere Fahrzeuge fehlt bislang ein standardisierter Test, der den Gesundheitszustand der Batterie verlässlich ausweist. Genau diese Lücke trägt wesentlich zur Verunsicherung im Occasionsmarkt bei.  

Energeiaplus wollte darum von Christian Wyssmann, Geschäftsführer des AGVS wissen, wie die aktuelle Kampagne Vertrauen und Transparenz erreichen will gegenüber E-Occasionen. 

Energeiaplus: Immer mehr Leute sind in der Schweiz mit einem Elektrofahrzeug unterwegs. Doch verglichen mit den Verbrenner-Autos ist der E-Occasions-Markt noch klein. Warum braucht es die Kampagne? 

Christian Wyssmann ist Geschäftsführer des AGVS; Bild: AGVS

Christian Wyssmann: Viele Menschen interessieren sich zwar für ein gebrauchtes Elektrofahrzeug, haben aber oft gewisse Vorbehalte, insbesondere, was den Zustand der Batterie anbetrifft. Hier setzt die Kampagne an: Wir wollen Vertrauen schaffen und zeigen, dass die Bedenken meist unbegründet sind. Die Batterien halten, was sie versprechen – das zeigen die etlichen, schon etwas älteren Fahrzeuge, die mit ihren Original-Batterien auf unseren Strassen unterwegs sind.  

Der Zustand der Batterie ist der häufigste Grund, der Käuferinnen und Käufer zögern lässt. Mit sogenannten State-of-Health-Tests kann man feststellen, wie gut die Batterie noch ist. Wie erkenne ich als potenzielle Käuferin, dass die Ergebnisse zuverlässig und seriös sind? 

Messwerte einer E-Auto-Batterie sind stets eine Momentaufnahme. Grundsätzlich existieren unterschiedliche Arten von Test- und Messmethoden. Einige sind aufwändiger, weil die Batterie unter Belastung getestet wird, andere sind weniger umfangreich und beschränken sich auf das Vergleichen von bereits abgespeicherten Daten. Letztere Methode ist zwar etwas weniger zuverlässig, dafür liegen umgehend Resultate zum State of Health der Batterie vor. Beide Messmethoden unterscheiden sich nur um wenige Prozentpunkte.  

Wie entscheidend ist, ob die Batterie unter Belastung, also beim Fahren getestet wird oder nicht? 

Aus technischer Sicht sind Tests, in denen eine Batterie während der Fahrt belastet oder bis zu einem gewissen Ladestand entladen wird, substanzieller. So lässt sich auch exakt nachvollziehen, wie sich eine Batterie bei der Nutzung verhält. Weil viele Garagistinnen und Garagisten aber keine Ressourcen haben, um stets solche ausführlichen Tests durchzuführen, entscheiden sie sich für die weniger umfangreiche Variante. Wichtig ist zu wissen, dass beide Prinzipien auf vorhandene Referenzwerte zurückgreifen.  

Der Garagist nimmt eine Schlüsselrolle beim Kauf eines E-Occasions-Fahrzeugs ein. Wo sehen Sie hier noch Handlungsbedarf, um die Glaubwürdigkeit zu stärken? 

Glaubwürdigkeit entsteht durch Transparenz. Wer den State of Health objektiv belegt, nimmt Ängste und schafft Vertrauen – genau das möchten wir mit der Kampagne erreichen. Kundinnen und Kunden müssen darauf vertrauen können, dass Batterie, Reichweite und Zustand fachlich korrekt beurteilt werden. Zudem stehen die AGVS-Kundenberater das ganze Jahr über mit unseren Garagistinnen und Garagisten im Austausch, um sie bei der Transformation zu unterstützen und zu begleiten. 

Autowerkstätten sind ein wichtiger Zugang zur Elektromobilität und somit Teil der Lösung. Leider sind sie aber auch Teil des Problems, da sie derzeit mit Elektroautos kaum Gewinn erzielen. Deshalb ist es wichtig, sie zu unterstützen und zu schulen, damit auch sie Vertrauen in diese Technologie gewinnen und dieses Geschäft rentabel gestalten können.  

Ein besonderes Interesse, dass der E-Occasionsmarkt anzieht, dürften vor allem die Auto-Importeure haben. Denn dann werden auch mehr neue E-Fahrzeuge verkauft. Ist das so? 

Absolut. Ein funktionierender Occasionsmarkt ist der Motor für den Neuwagenverkauf. Nur wenn der Werterhalt von E-Autos kalkulierbar bleibt, sind attraktive Leasingraten für Neufahrzeuge und sichere Eintauschpreise beim Kauf eines Neuwagens möglich. Das nimmt den Kundinnen und Kunden die Unsicherheit beim Erstkauf und stärkt folglich das Vertrauen in die gesamte Elektromobilität. 

Ein weiterer Aspekt ist der Preis: E-Occasionen gelten als teurer als gebrauchte Verbrenner-Autos. Bei den Neuwagen ist es ja auch häufig so, dass das Elektroauto in der Anschaffung mehr kostet als ein Benzin- oder Dieselfahrzeug.  

Die Hersteller haben erkannt, dass E-Autos auch für kleinere Budget erschwinglich sein müssen – hier hat sich in den letzten Monaten einiges getan. Der Markteintritt chinesischer Marken trägt zusätzlich zur Preisdynamik bei. Was E-Occasionen anbetrifft: Gerade weil sehr viele Fahrzeuge zur Auswahl stehen, ist die Chance, ein Schnäppchen zu erzielen, durchaus realistisch. Den vollelektrischen Peugeot 208 aus dem Jahr 2022 gibt es beispielsweise für unter 14’000 Franken zu haben. Ähnliches gilt für Modelle wie den Citroën C4 oder den Opel Corsa. Zudem werden mittlerweile auch E-Occasionen von verschiedenen Importeuren mit attraktiven Leasingkonditionen zusätzlich gefördert. 

Zum Schluss: Fahren Sie selbst elektrisch? Einen Neuwagen oder ein Occasions-Fahrzeug? 

Ich fahre teilelektrisch. Mein Toyota RAV4 ist ein Plug-in-Hybrid, welchen ich als Dienstwagen von meinem vorherigen Arbeitgeber übernommen habe. Bei den Plug-in-Hybriden haben wir grundsätzlich dieselbe Ausgangslage bezüglich Batterie, jedoch stellt sich die Vertrauensfrage aufgrund der geringeren Batteriekapazität weniger. Plug-in-Hybride bieten aber Kundinnen und Kunden einen Einstieg in die Elektromobilität, so kann der Umgang mit Ladestationen und Ladenetzen erprobt werden. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Absicherung bestehen. Auch bei mir wird das nächste Fahrzeug dann wohl vollelektrisch sein. 

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie (BFE)
Bild: BFE

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Vom 27. bis 29. April 2026 fand bei der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) in Wettingen das interaktive «KIF-Working Meeting: From Theory to Practice» der Nuclear Energy Agency (NEA) statt. Im Zentrum stand das sogenannte Key Information File (KIF): ein kurzes, verständlich formuliertes Übersichtsdokument, das der Gesellschaft ein grundlegendes Verständnis über Zweck und Inhalt eines Tiefenlagers vermitteln soll – mit dem Ziel, ungewollte menschliche Eingriffe auch langfristig zu verhindern. Weiterlesen

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Die Sonne sorgt für doppelte Ernte: So funktioniert das Prinzip Agri-PV. Solarmodule liefern Energie und schützen gleichzeitig die Kulturen darunter – zum Beispiel bei der Lubera AG, einer Obst- und Gemüsegärtnerei in Buchs SG. Für ihre PV-Anlage auf dem Dach eines Gewächshauses ist Lubera 2025 mit dem Energiepreis Watt d’Or des Bundesamts für Energie ausgezeichnet worden. Wo steht Agri-PV heute? Was ermöglichen die neuen gesetzlichen Regeln, die seit Anfang 2026 in Kraft sind?  Weiterlesen

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Firma X wird verpflichtet, den Stromverbrauch zu reduzieren. Unternehmen Y muss den Betrieb runterfahren. Solche Szenarien waren während der Energiekrise 2022 ein Thema. Doch: Wer entscheidet bei einer Strommangellage, welche Wirtschaftszweige eingeschränkt würden? Und worauf würde sich dieser Entscheid stützen? Weiterlesen

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ZEV, vZEV oder LEG? Wer Solarstrom teilen möchte, braucht Orientierung. Das bietet die Informationsseite lokalerstrom.ch, entwickelt von Swissolar und dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE mit Unterstützung von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamts für Energie für Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

Welches Modell passt zu welcher Situation? Was sind die Unterschiede? Was gilt es bei der Umsetzung zu beachten? Projektbeteiligte finden auf lokalerstrom.ch Antworten auf diese Fragen sowie Informationen zu Tarifgestaltung und Abrechnung. Zudem stehen nützliche Tools und Vertragsvorlagen zum Download bereit.

Die Modelle in der Übersicht

Zusammenschluss zum Eigenverbrauch

ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch): Bewohner und Bewohnerinnen eines Mehrfamilienhauses schliessen sich zusammen, um den Strom der PV-Anlage auf dem Haus gemeinsam zu nutzen.

virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch

 

 

vZEV (virtueller Zusammenschluss zum Eigenverbrauch): Bei diesem Modell können auch Nachbarn und Nachbarinnen ohne eigene PV-Anlage Solarstrom vom Nachbarhaus beziehen.

 

Lokale Elektrizitätsgemeinschaft

 

LEG (lokale Energiegemeinschaft): Dieses Modell ermöglicht den Verkauf von lokal produziertem Strom im Quartier oder innerhalb einer ganzen Gemeinde. Dabei entsteht ein lokaler Marktplatz auf welchem Stromproduzenten und Endverbraucherinnen Strom handeln können.

 

 

Praxismodell: Bei diesem Modell bieten einige Verteilnetzbetreiber eine eigene Lösung für die Abrechnung des lokal produzierten Stroms an.                                                  Im Unterschied zu ZEV und vZEV bleiben die Teilnehmenden dabei Kundinnen und Kunden ihres Verteilnetzbetreibers.

 

Lena Kern, zuständig für Technik & Betriebswirtschaft beim Branchenverband Swissolar hat die Plattform mitentwickelt. Frage: Warum braucht es lokalerstrom.ch? 

Lena Kern ist beim Verband Swissolar für Technik und Betriebswirtschaft zuständig. Bild: Swissolar

Lena Kern: Das Ziel ist, die Branche möglichst umfassend und neutral über die Modelle für die gemeinschaftliche Nutzung von Solarstrom zu informieren und Hilfsmittel bei der Planung und Umsetzung für alle Beteiligten zur Verfügung zu stellen. Die Lokale Energiegemeinschaft LEG ist seit Anfang diesen Jahres möglich, bereits länger gibt es den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch ZEV (2018) und den virtuellen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch vZEV (2025).

Wir stellen fest, dass die Website ein grosses Bedürfnis abdeckt – insbesondere in der Solarbranche. Die Modelle sind derzeit stark gefragt, gleichzeitig bestehen viele Unsicherheiten. Entsprechend werden gut zugängliche und übersichtlich aufbereitete Informationen sehr geschätzt. Die hohe Zahl an Seitenaufrufen und Downloads zeigt die Relevanz und den Bedarf.

Es ist tatsächlich nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten, wie man Solarstrom gemeinschaftlich nutzen kann. Was kann lokalerstrom.ch da bieten, was noch nicht?

Die Plattform bietet auf der Startseite eine Übersicht über die Modelle ZEV, vZEV, LEG und das Praxismodell, und verlinkt die entsprechenden Branchendokumente des VSE und den Leitfaden von EnergieSchweiz . Nutzerinnen und Nutzer finden zudem Musterdokumente. In den letzten Monaten sind zudem ein Tarifrechner für LEG sowie ein Register von Abrechnungsdienstleistern und -dienstleisterinnen hinzugekommen. Weitere Funktionen und konkrete Praxisbeispiele sind in Vorbereitung, um die Orientierung noch einfacher zu machen.

Was sind die häufigsten Fragen, die im Zusammenhang mit der gemeinschaftlichen Nutzung von lokal produziertem PV-Strom auftauchen?

Die Anfragen decken ein sehr breites Spektrum ab – von Privatpersonen, die sich grundlegend über das Vorgehen und die Gründung eines entsprechenden Modells informieren möchten – , bis hin zu Fachpersonen, die sich mit sehr spezifischen vertraglichen oder technischen Fragestellungen an uns wenden. Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Anzahl der Anfragen leicht zurückgeht und die Bekanntheit der verschiedenen Modelle steigt.

Was ist das Zielpublikum? Erreichen Sie die Zielgruppe?

Die Website richtet sich an Fachpersonen, Immobilienbesitzende, Gemeinden, Verteilnetzbetreiber sowie Energieversorgungsunternehen und bietet zugleich potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmern solcher Modelle Informationen.

Sind ZEV, vZEV und LEG Booster für die Solarenergie? Was ist Ihre Einschätzung?

Ja, davon bin ich überzeugt. Dabei geht es jedoch nicht nur um diese spezifischen Modelle, sondern ganz allgemein um den dezentralen und intelligenten Verbrauch von Solarstrom. Von der vollständigen Einspeisung des lokal produzierten Solarstroms ins Netz – wie sie zu Zeiten der KEV (kostendeckenden Einspeisevergütung) üblich war – haben wir uns endgültig entfernt.

Heute steht vielmehr die optimale Nutzung des Solarstroms vor Ort im Vordergrund: Sei es beim Einfamilienhaus, das durch ein intelligentes Energiemanagement und gegebenenfalls den Einsatz eines Speichers den Eigenverbrauch maximiert und damit ganz ohne spezielles Modell auskommt, oder bei einer komplexen lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) mit grossen Produzenten und zahlreichen Teilnehmenden.

Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass bereits zu Beginn eines Solarprojekts ein individuelles Konzept für die möglichst intelligente Verteilung und Nutzung des erzeugten Solarstroms entwickelt wird oder bestehende Anlagen dahingehend optimiert werden.

Welchen Einfluss haben LEG (seit 1.1.2026 möglich) und die beiden anderen Modelle punkto Dimensionierung der PV-Anlage? Werden künftig grössere Anlagen realisiert, weil man den Strom in der Nachbarschaft verkaufen kann?

Es zeigte sich zeitweise ein Trend, PV-Anlagen möglichst genau auf den Verbrauch eines Gebäudes zu dimensionieren. Dabei wurde nur ein Teil der verfügbaren Dachfläche genutzt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die einmaligen Kosten für Planung, Bewilligungen, Baustelleneinrichtung und Elektroarbeiten meist deutlich höher ins Gewicht fallen als die eigentlichen Komponenten wie beispielsweise Module oder Wechselrichter. Gleichzeitig kann der Strombedarf eines Gebäudes über die Jahre stark steigen – etwa durch den Einsatz von Elektromobilität oder den Umstieg auf Wärmepumpen.

Schon vor der Einführung von LEG und vZEV war zu beobachten, dass sich die Planung wieder stärker an der maximal verfügbaren Dachfläche orientierte. Mit den neuen Modellen dürfte der oben erwähnte Trend zur Optimierung der Anlagengrösse auf den Verbrauch nun endgültig vorüber sein.

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Grafiken: Swissolar

 

 

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40 bis 90 kWh Kapazität, 300 bis 550 Kilometer Reichweite pro Ladung und rund 1’000 bis 2’000 Ladezyklen bis zum Lebensende. Das sind die technischen Kennzahlen des Herzstücks jedes Elektroautos, der Batterie. Weiterlesen

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Einerseits möchten Elektrizitätsunternehmen möglichst viel Strom verkaufen, andererseits sind sie per Gesetz neu verpflichtet auch Strom zu sparen. So sieht es das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien vor. 2026 erhalten die Elektrizitätslieferanten erstmals Zielvorgaben. Mit welchen Massnahmen versuchen sie die Ziele zu erreichen? Wo sind die Herausforderungen?

1 TWh sollen die Elektrizitätslieferanten (EVU) bis 2035 total mit Effizienzsteigerungen einsparen. Diese Effizienzvorgaben sollen sie mit der Umsetzung verschiedener Massnahmen bei den Endverbraucherinnen und Endverbrauchern erreichen, also bei den Haushalten, bei den Unternehmen und der öffentlichen Hand.

Und wie sehen diese Massnahmen aus?

Verschiedene Stromunternehmen haben Förderprogramme lanciert für den Ersatz von Haushaltgeräten. Für den Ersatz von alten Geräten leisten sie einen Beitrag. Das kann ein Wäschetrockner, eine Waschmaschine, ein Kühlgerät, Geschirrspüler oder eine Dunstabzugshaube sein. Je nach Effizienzklasse des neuen Geräts gibt es einen Zustupf. Bezugsberechtigt sind Privatpersonen, Unternehmen sowie Liegenschaftsverwaltungen, die im entsprechenden Versorgungsgebiet wohnen.

Ein anderes Stromunternehmen fokussiert auf KMU. Dieser Energieversorger übernimmt einen Teil der Kosten für die Erstellung einer Energiediagnose und die Festlegung geeigneter Massnahmen zu Stromeffizienz. Die Unternehmen müssen diese Abklärungen durch eine akkreditierte PEIK-Beraterin respektive einen PEIK-Berater durchführen lassen. PEIK ist die professionelle Energieberatung für KMU, ein Angebot von EnergieSchweiz, dem Programm des Bundesamts für Energie für Energieeffizienz und erneuerbare Energien.

Simone Marchesi ist im Bundesamt für Energie für den Vollzug der Effizienzverpflichtungsvorgaben gemäss Energiegesetz zuständig. Energeiaplus wollte von ihm wissen, wie die Umsetzung angelaufen ist.

Energeiaplus: Mit der Elektrifizierung von Mobilität und Wärme steigt der Strombedarf und auch der Verbrauch. Die Effizienzverpflichtungen, die im Gesetz festgeschrieben sind, sind ein Instrument, um den Mehrverbrauch zu glätten. Wie gut sind die Elektrizitätslieferanten bereits unterwegs? Dieses Jahr müssen sie zum zweiten Mal dem BFE den Stromverbrauch melden.

Simone Marchesi ist Fachspezialist Effizienzsteigerungen im Bundesamt für Energie; Bild BFE

Simone Marchesi: Wir sind sehr zufrieden damit, wie sich dieses neue Instrument entwickelt und wie die Elektrizitätslieferanten diese neuen Verpflichtungen angenommen haben. Im vergangenen Jahr wurden die Jahreszahlen fristgerecht gemeldet, was bereits einen bedeutenden Erfolg darstellt.

Zudem hatten die Elektrizitätslieferanten die Möglichkeit, Effizienzmassnahmen zu melden, die zwischen 2022 und 2024 umgesetzt wurden. Dies hat gezeigt, dass viele Elektrizitätslieferanten bereits aktiv auf dem Energieeffizienzmarkt tätig waren. Für andere hingegen ist das Neuland. Wir wissen, dass die nötigen Anpassungen in solchen Fällen nicht immer einfach sind.

Sie erwähnen es: Für verschiedene Elektrizitätslieferanten ist Effizienz kein neues Thema. Sie haben bereits seit längerem Massnahmen etabliert, beispielsweise der Service industriel de Genève (SIG) mit dem Programm éco21. Können sich diese Unternehmen sozusagen zurücklehnen?

Diese Unternehmen haben zweifellos einen Vorteil: Sie verfügen bereits über ein Netzwerk von Dienstleistern, haben bereits Effizienzprogramme eingeführt, kennen den Energieeffizienzmarkt und wissen, wo es noch Potenzial für Effizienzsteigerungen gibt. Um ein Beispiel zu nennen: Einige Elektrizitätslieferanten fördern den Kauf energieeffizienter Haushaltsgeräte, andere bieten hingegen Förderprogramme für Unternehmen an, die Energieeffizienzmassnahmen umsetzen. Dennoch müssen auch sie ihre Programme an die neuen Anforderungen anpassen, die dieses neue Instrument mit sich bringt.

Kasten: éco21 ist ein von den Genfer Industriewerken (SIG) 2007 initiiertes Programm, das Haushalte, Unternehmen und den öffentlichen Sektor zur Senkung des Strom- und Energieverbrauchs motiviert. Es bietet Beratung, technische Unterstützung und Finanzierungshilfen für Effizienzmassnahmen, um Genf zu einer nachhaltigen, energieeffizienten Region zu machen und CO2-Emissionen zu reduzieren.

Der Bund verfügt Zielvorgaben, die die Elektrizitätslieferanten erreichen müssen. Was, wenn sie diese nicht erreichen?

Der Gesetzgeber hat vorerst darauf verzichtet, Sanktionen vorzusehen, falls ein Elektrizitätslieferant die festgelegten Zielvorgaben nicht erreichen sollte. Das BFE wird jährlich über die Entwicklung des Instruments kommunizieren, jedoch in anonymisierter Form.

Äussere Umstände können zu einem höheren Stromverbrauch führen bei den Elektrizitätslieferanten. Beispiel: In der Stadt Zürich erfolgt derzeit die Stilllegung des Gasnetzes. Der Energieversorger Energie360Grad wird vom Gas- zum Stromlieferanten. Der Stromverbrauch steigt also. Wie sieht der Vollzug bei solchen Energieunternehmen aus? Gibt es Spezialregelungen?

Die Effizienzvorgaben richten sich nicht gegen die Elektrifizierung. Stromlieferanten können weiterhin Strom verkaufen und dort wo das aus klima- und energiepolitischer Sicht sinnvoll ist, fossile Energieträger durch Strom ersetzen. Im Gegenzug soll mit dem neuen Instrument dort, wo bereits Strom gebraucht wird, die Effizienz weiter gesteigert werden. Damit will der Gesetzgeber einen exponentiellen Anstieg des Stromverbrauchs verhindern. Wenn ein (fossiler) Energieversorger nun zum Elektrizitätslieferanten wird und der Referenzstromabsatz 10 GWh/Jahr übersteigt, werden ihm gemäss den gesetzlichen Vorgaben Effizienzzielvorgaben auferlegt.

In der Schweiz gibt es rund 600 Stromlieferanten. Gibt es Unterschiede zwischen kleinen und grossen Unternehmen.

Das stimmt, die Schweiz ist in dieser Hinsicht ein ganz besonderes Land; von den über 600 Unternehmen erhalten nur diejenigen Zielvorgaben, die einen Referenzstromabsatz von über 10 GWh/Jahr melden. Diese Unternehmen machen etwas mehr als die Hälfte der Elektrizitätslieferanten aus.

Ein wichtiger Unterschied ist die Entscheidung zwischen „Make or Buy“. Unternehmen müssen wählen, ob sie selbst aktiv nach Stromeinsparungen suchen – zum Beispiel mit eigenen Fachleuten oder mit Unterstützung von Energieberatern – oder ob sie bei Dritten bereits umgesetzte Effizienzmassnahmen erwerben.

Die Unternehmensgrösse kann diese Wahl beeinflussen: Grössere Firmen verfügen oft über mehr Ressourcen für eigene Massnahmen, während es für kleinere Betriebe eher angezeigt sein kann, dass sie diese Arbeiten externalisieren.

Wenn ein Unternehmen seine Zielvorgaben nicht vollständig mit eigenen Massnahmen erreicht, kann es Stromeinsparungen von anderen Unternehmen erwerben, die ihre Ziele übertroffen haben. So lassen sich die Vorgaben trotzdem erfüllen. Umgekehrt können Unternehmen, die mehr einsparen als vorgeschrieben, diese zusätzlichen Einsparungen verkaufen – und damit sogar Einnahmen erzielen.

 

Es gibt Kritik, dass die geforderten Massnahmen schwierig zu finden seien. Es gebe eine Konkurrenz zu anderen Effizienzprogrammen, beispielsweise dem Förderprogramm ProKilowatt. Was entgegnen Sie auf diese Kritik?

Das Potenzial für Effizienzmassnahmen ist nach wie vor gross. Uns ist bewusst, dass es gewisse Schnittstellen zwischen ProKilowatt und den Energieeffizienzsteigerungen durch Elektrizitätslieferanten gibt. Einiges ist klar geregelt, z.B. dass eine Effizienzmassnahme nur entweder bei ProKilowatt oder den Effizienzsteigerungen angerechnet wird. Wir beobachten die Situation, und bei Bedarf schärfen wir die Abgrenzung weiter.

Eine weitere Kritik: Die eingesparten kWh sind teuer, obwohl die Stromlieferanten die Kosten dafür den Endverbraucherinnen und -verbrauchern verrechnen können. Was sagen Sie dazu?

Was die Kosten angeht, ist die ElCom die zuständige Behörde. Sie genehmigt die Preise, die ein Energieversorger verlangen kann für den Strom.

Die Kosten für diese Effizienzmassnahmen sind derzeit sehr unterschiedlich, was sicherlich auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Dazu gehören die im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen bei der Umsetzung von Effizienzprogrammen, der politische Wille auf kantonaler und kommunaler Ebene sowie die jeweilige Technologie (manche Technologien bringen mehr Einsparungen bei geringeren Investitionen, sodass das Kosten-Nutzen-Verhältnis niedriger ist)

Erst mit der Zeit und einem wachsenden Angebot werden diese Schwankungen abnehmen.

Mit den Smart Metern, die künftig bei den Stromkundinnen und -kunden installiert sind, sollten die Stromlieferanten sehen, wer viel Strom verbraucht und wo allenfalls noch Einsparungen möglich sind. Ist dieses Vorgehen erlaubt?

Gemäss Art. 10 Bundesgesetz über die Stromversorgung (StomVG) ist das nicht erlaubt. Der Artikel soll verhindern, dass ein Netzbetreiber Daten nutzt, um potenziell Kunden (Grossverbraucher auf dem freien Markt) zu identifizieren und ihnen gezielt Strompreise anzubieten. Ein Elektrizitätslieferant hat demgegenüber keinen direkten Zugriff auf diese Netzverbrauchsdaten und kann daher keine gezielten Angebote unterbrieten. Dieser Grundsatz gilt deshalb auch für den Energieeffizienzmarkt.

Die Daten des Smart Meters gehören dem Endverbraucher; er hat die Möglichkeit, Dritten Zugriff auf diese Daten zu gewähren, damit sie diese analysieren können.

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Bild: Shutterstock; Asset-ID: 2254294481; VectorMine

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