Den Energieverbrauch der Bundesverwaltung und bundesnaher Betriebe senken und deren Energieeffizienz erhöhen – Das war das Ziel der sieben Akteure, als sie 2013 die Initiative Energie-Vorbild Bund lancierten. Unterdessen haben sich 15 Akteure zu den Zielen verpflichtet und die Initiative nennt sich heute Vorbild Energie und Klima (VBE). Was wurde erreicht? Wo sind die Herausforderungen? Energeiaplus hat bei Stefanie Bertschi nachgefragt. Sie leitet die Geschäftsstelle von Vorbild Energie und Klima.

Energeiaplus: Fast einen Drittel weniger Energie verbrauchen die Bundesverwaltung und die weiteren Akteure von Vorbild Energie und Klima. Damit wurde das Ziel von 25 Prozent deutlich übertroffen. War es einfach, dieses Ziel zu erreichen?

Stefanie Bertschi leitet die Geschäftsstelle von Vorbild Energie und Klima.

Stefanie Bertschi: Bereits 2015 erreichten die VBE-Akteure das Energieeffizienzziel von 25 Prozent. Bis 2020 steigerten sie die Energieeffizienz im Schnitt um insgesamt 31,1 Prozent, verglichen mit 2006, das als Basisjahr festgelegt wurde.

Das Ziel gelang insbesondere durch einen Mix aus 39 gemeinsamen und 117 betriebsspezifischen Massnahmen. Das Spektrum der Massnahmen ist breit: Dazu gehören energieeffiziente Neu- und Umbauten, Betriebsoptimierungen, die Förderung von Videokonferenzen,  hocheffiziente Rechenzentren, Abwärmenutzung, optimierte Weichenheizungen (SBB), kürzere Flugrouten (Skyguide) oder effiziente Beleuchtungen.

Diese Massnahmen sind nur ein Teil des Erfolgs: Der regelmässige Erfahrungsaustausch, die professionelle Begleitung bei der Umsetzung sowie die klaren Zielsetzungen schufen einen motivierenden Rahmen. Das stärkte das Engagement der einzelnen Akteure und trug so auch zum Erfolg bei.

Die Energie, die verbraucht wird, stammt heute zu zwei Dritteln aus erneuerbaren Quellen. Ursprünglich waren es 35,5 Prozent. Wie wurde das möglich?

Einerseits beziehen die Akteure ihren Strom aus erneuerbaren Quellen wie zum Beispiel Wasserkraft. Andererseits haben verschiedene Akteure durch den Ausbau eigener Photovoltaikanlagen auch die Eigenstromproduktion vorangetrieben.

Können Sie uns Best-Practice-Beispiele nennen?

Swisscom nutzt zum Beispiel die Abwärme der eigenen IT-Infrastruktur. Wo diese nicht für eigene Gebäude eingesetzt werden kann, wird sie in Fernwärmeverbünde oder Nachbarsiedlungen gespeist. So wird zum Beispiel ein Neubau der Bundesverwaltung in Ittigen ausschliesslich mit Abwärme eines solchen Swisscom-Betriebsgebäudes beheizt. Allein 2019 hat Swisscom 8,8 GWh an thermischer Energie als Fernwärme in Nachbarsiedlungen geliefert und dadurch 880’000 Liter Heizöl gespart.

Wer macht mit?

Bei der Initiative Vorbild Energie und Klima machten in der ersten Phase folgende Betriebe mit: die Schweizerische Post, der ETH-Bereich, Genève Aéroport, die SBB, SIG, Skyguide, die Suva, Swisscom, das VBS und die zivile Bundesverwaltung.

In der zweiten Phase haben sich PostAuto sowie PostFinance (beide vorher durch den Akteur Schweizerische Post repräsentiert), die Flughafen Zürich AG, die RUAG MRO Holding AG und die SRG angeschlossen.

 

Ein anderes gutes Beispiel ist die Schweizerische Post: Seit Januar 2017 besteht ihre Rollerflotte nur noch aus elektrisch betriebenen Dreiradfahrzeugen. Diese benötigen rund sechsmal weniger Energie als ein Benzinroller. Damit spart die Post jährlich 733 Kilogramm CO2 pro Fahrzeug. Dies entspricht rund 4400 Tonnen CO2 für die gesamte Flotte im Jahr. Nach etwa sieben Betriebsjahren haben die Batterien dieser Roller noch eine Speicherkapazität von etwa 80 Prozent. Dies reicht nicht mehr für die Briefzustellung, die Batterien müssen ausgewechselt werden. Das Unternehmen verwendet sie anschliessend als stationäre Stromspeicher in Gebäuden und für E-Ladestationen.

Welche besonderen Herausforderungen stellen sich für den Bund und die bundesnahen Betriebe, wenn sie ihren Energieverbrauch reduzieren wollen respektive die Energie effizienter einsetzen wollen.

Um die Ziele zu erreichen, sind verschiedene Massnahmen notwendig. Dabei ist zum Beispiel der Bau von Gebäuden mit niedrigem Energiebedarf ein Teil des Erfolgs. Massnahmen wie die Sensibilisierung der eigenen Mitarbeitenden (z. B. durch die Swiss Climate Challenge App von Swisscom). Das Anbieten von umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln wie E-Bikes, die Nutzung von Abwärme etc. sind ebenfalls wichtige Bestandteile.

Gibt es Bereiche, wo es einfacher ist, Energie zu sparen und effizient einzusetzen als in anderen? Stichwort Fahrzeugpark? Heizungsersatz? Informatik?

Es gibt Massnahmen, die sehr schnell umgesetzt werden können – wie der Bezug von Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Akteure sind jedoch in verschiedenen Sektoren und Branchen tätig und haben daher individuelle Potenziale. Akteure mit grossen Immobilienportfolios erstellen zum Beispiel effiziente Gebäude, andere Akteure wie die Swisscom nutzen die Abwärme ihrer Rechenzentren (siehe Beispiel oben) und die Post wiederum beschäftigt sich stark mit ihrem Fahrzeugpark.

Bis 2030 läuft nun die zweite Phase dieser Initiative. Fünf weitere Akteure schliessen sich an. Welches sind die Schwerpunkte?

Die Zielsetzung zur Steigerung der Energieeffizienz orientiert sich weiterhin an der Energiestrategie 2050. Die Namensänderung zu Vorbild Energie und Klima drückt aus, dass zukünftig vermehrt klimarelevante Aspekte in den Vordergrund rücken. Der erste Schritt erfolgt mit der Ergänzung des bestehenden Zielsystems um eine weitere fünfte Säule «klimaverträgliche Finanzflüsse» (siehe Abbildung).

Grafik: Vorbild Energie und Klima (VBE)

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation Bundesamt für Energie

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