BFE-Direktor trifft Gymeler am WEF: Ein Rückblick
Politik und Wirtschaft hautnah erfahren. Das ist das Ziel der Studienreise, die die Kantonsschule Baden seit 2009 ans WEF nach Davos führt. Bereits zum sechsten Mal trafen Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen mit Schwerpunkt Wirtschaft und Recht in Davos auch den Direktor des Bundesamts für Energie, Benoît Revaz. Beim Treffen 2026 ging es unter anderem um die Versorgungssicherheit der Schweiz und das geplante Stromabkommen der Schweiz mit der EU.
Was ist die Motivation für diese Treffen, Benoît Revaz?
Der Austausch mit diesen Schülerinnen und Schülern ist sehr bereichernd und wichtig. Denn die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden sich auf ihre Zukunft auswirken. Sei es als Bürgerinnen und Bürger oder vielleicht sogar als Akteure im Energiebereich. Es ist wichtig, dass ihre Anliegen gehört und diskutiert werden, obwohl die meisten von ihnen noch nicht wahlberechtigt sind, und dass so ihr Interesse für ein zentrales Thema wie Energie geweckt wird.
Was nehmen die Schülerinnen und Schüler aus Baden mit?
Matheus Viana Soares (G4g)
Die Präsentation von Herrn Revaz hat mir einen guten Überblick darüber gegeben, wie die Schweizer Energieversorgung heute funktioniert und welche Herausforderungen in Zukunft auf die Schweiz zukommen. Überrascht hat mich vor allem, wie klein der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Schweizer Energieversorgung aktuell noch ist. Ich hatte erwartet, dass dieser Anteil bereits höher wäre.
Besonders deutlich wurde mir, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit, zum Beispiel mit der EU, sowie eine langfristige Planung sind, um die Energieversorgung sicher und nachhaltig weiterzuentwickeln. Inhalt und die Bedeutung des Stromabkommens mit der EU waren mir zuvor kaum bekannt, und ich habe nun besser verstanden, welche Möglichkeiten und Vorteile ein solches Abkommen für die Energieversorgungssicherheit der Schweiz bringen kann.
Mir wurde klar, dass viele Lösungen theoretisch vorhanden wären (CO2-Steuer zum Beispiel oder die engere Zusammenarbeit mit der EU), ihre Umsetzung aber oft schwierig ist, weil sich verschiedene Akteure einigen müssen. In diesem Zusammenhang stellt sich für mich die Frage, ob die Ziele für 2050 realistischer definiert werden sollten. Meiner Meinung nach muss die Schweiz nicht sofort auf alle bestehenden Energieformen verzichten, hat aber als entwickeltes Land eine klare Vorbildfunktion und sollte stärker auf das Netto-Null-Ziel hinarbeiten. Zudem frage ich mich, wie stark in die Wissenschaft investiert wird oder werden sollte, um in Zukunft noch effizientere Energieversorgungslösungen zu entwickeln.
Mein Fazit: Das Thema Energieversorgung ist sehr komplex, und es ist wichtig frühzeitig die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Von links nach rechts : Matheus Viana Soares, Lou Avril Gerber, Ben Arturi; Bild: Kantonsschule Baden
Lou Avril Gerber (G4d)
Mich hat besonders interessiert, wie stark geopolitische Faktoren, globale Lieferketten und der Zugang zu Rohstoffen die Energieversorgung beeinflussen. Dabei hat mich überrascht, wie stark die Schweiz vom Strom aus dem Ausland abhängig ist und wie stark geopolitische Ereignisse die Strompreise beeinflussen.
Ich frage mich, wieviel in Zukunft in erneuerbare Energien investiert werden muss, und ich bin gespannt, wie sich die Frage mit den Atomkraftwerken weiterentwickelt.
Neu gelernt habe ich, wie zentral das geplante Stromabkommen mit der EU für die Versorgungssicherheit und den stabilen Netzbetrieb ist. Besonders eindrücklich war für mich, dass ein nationaler Alleingang deutlich höhere Kosten und Risiken mit sich bringen würde. Zudem habe ich besser verstanden, wie wichtig die flexible Schweizer Wasserkraft im europäischen Kontext ist.
Ben Arturi (G4e)
Mich hat überrascht, dass die Stromversorgung der Schweiz zwar aktuell als gesichert gilt, jedoch bereits einzelne Ereignisse wie der Ausfall eines Kernkraftwerks oder tiefe Gasspeicherstände in Europa spürbare Risiken darstellen können.
Wie wichtig eine aktive Rolle der Schweiz ist, um langfristig Versorgungssicherheit zu gewährleisten und nicht von externen Entwicklungen abhängig zu sein, verstehe ich nun besser. Auch wie eng die Schweiz mit dem europäischen Energiesystem verflochten ist, wusste ich vorher nicht.
Mich interessierte es, weshalb die Schweiz selbst stark in neue Energielösungen investiert, obwohl sie im internationalen Vergleich relativ geringe Emissionen verursacht. Ich habe mich gefragt, weshalb man nicht abwartet, bis andere Länder technologische Fortschritte erzielen, und diese anschliessend übernimmt.
Redaktion: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Photos: Kantonsschule Baden
Kantonsschule Baden
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