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Ein Spaziergang durch 80 Millionen Jahre Erdgeschichte


Bis in eine Tiefe von fast 1400 Metern hat die Nagra in der Nähe von Bülach gebohrt. Einen Ausschnitt des Bohrkerns hat die Nagra nun in einer Industriehalle in Döttingen präsentiert. Er zeigt Gesteinsmaterial aus der späten Trias- und anschliessenden Jurazeit. Ende Oktober konnten die Mitglieder der Fachgruppen Sicherheit der drei Regionalkonferenzen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost einen Blick darauf werfen.

Vor rund einem Jahr hatte die Nagra die Feldarbeiten ihrer Tiefbohrung bei Bülach abgeschlossen. Seither läuft die Auswertung der daraus gewonnenen Daten. In einer Industriehalle im aargauischen Döttingen hat die Nagra die aus den Bohrkernen sorgfältig herauspräparierten Gesteinsscheiben der für die geologische Tiefenlagerung in Frage kommenden Wirts- und Rahmengesteine nun komplett – Meter für Meter – ausgelegt. 300 Meter umfasst die so zugänglich gemachte Bohrstrecke insgesamt: Eine Dokumentation der späten Trias- und der anschliessenden Jurazeit – über einen Zeitraum von gegen 80 Millionen Jahren.

Opalinuston von der Tiefbohrung in Bülach

Rund ein Drittel der Gesteinsabfolge macht dabei der Opalinuston aus. Der Opalinuston ist das designierte Wirtsgestein für die Lagerung von radioaktiven Abfällen. Dieses Gestein präsentiert sich eher eintönig und unspektakulär. Dies sei aber, so sind sich die Experten einig, gerade einer der Vorteile des Opalinustons. Weil er kaum interne Variationen zeigt, können seine günstigen Eigenschaften zur Rückhaltung von radioaktiven Stoffen über grössere Distanzen und über sehr lange Zeit als gegeben betrachtet werden.

Das Korallenriff von Bülach

Einige Profilmeter oberhalb des Opalinustons präsentiert sich der heimliche Star unter den erbohrten Schichten: die sogenannte Herrenwies-Einheit, besser bekannt als das Korallenriff von Bülach. Dieses hat die Nagra im Untergrund des Zürcher Unterlands neu entdeckt. Darin sieht man von blossem Auge die Überreste zahlreicher versteinerter Lebewesen, wie Korallen, Schwämmen oder Seeigel. Ob und welche Auswirkungen die Herrenwies-Einheit auf die Sicherheit eines möglichen Tiefenlagers haben könnte, ist Gegenstand von weiteren Abklärungen der Nagra.

Am 3. November 2020 lud die Nagra die Medien zur Besichtigung des Probematerials ein (Beitrag SRF Schweiz Aktuell vom 03.11.2020). Zuvor nahm am 31. Oktober 2020 bereits eine Delegation der Fachgruppen Sicherheit der drei Regionalkonferenzen begleitet durch Mitarbeiter der Nagra und des ENSI einen Augenschein. Die Mitglieder dieser Fachgruppen setzen sich mit sicherheitstechnisch relevanten Fragestellungen zu den geologischen Tiefenlagern auseinander und stellen den Wissenstransfer zwischen der Fachwelt und der Regionalkonferenz sicher.

Die Mitglieder dieser Fachgruppen waren einerseits beeindruckt von den Dimensionen in Raum und Zeit, welche durch die Tiefbohrung erschlossen wurden, andererseits aber auch von der Akribie, mit welcher die Nagra und ihre Experten die Bohrkerne Zentimeter für Zentimeter beschreiben und untersuchen. Der transparente Einblick in die wissenschaftliche Arbeit der Nagra wurde durch die Teilnehmenden sehr geschätzt. Er soll dazu beitragen, die Hintergründe für den künftigen Standortentscheid für die geologischen Tiefenlager für die Mitglieder der Regionalkonferenzen greifbarer und besser verständlich zu machen.

Alle Informationen zur laufenden Standortsuche für geologische Tiefenlager für radioaktive Abfälle gibt es auf www.radioaktiveabfaelle.ch.

Philippe Schaub, Fachspezialist Entsorgung radioaktive Abfälle, BFE

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