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In meinem Blogbeitrag vom Januar 2018 habe ich über das Ziel der Quartärbohrungen der Nagra informiert. Doch darüber schreiben ist eins, sich vor Ort ein Bild zu machen, etwas anderes. Damit ich neue Eindrücke darüber gewinnen kann, was konkret an einem Bohrplatz passiert und wie dieser aussieht, habe ich mit einer Delegation der Sektion Entsorgung radioaktive Abfälle des BFE die aktuelle Quartärbohrung in Untersiggenthal besucht.

Am Bohrplatz angekommen, wurden wir zuerst über die Sicherheitsvorkehrungen informiert. Mit einem Helm und einer Leuchtweste ausgerüstet, hatten wir die Berechtigung, den Platz zu betreten. Ein Bohrgerät mit einem kleinen gelben Bohrturm stand vor uns. Zwei orange gekleidete Arbeiter hantierten am Kernrohr, welches sich am unteren Ende des Ramm-Bohrkopfes befindet. Nach einer abgeschlossenen Bohrstrecke zeigt sich der Schatz des Untergrundes – der Bohrkern. Aus diesem kann die jüngste Erdgeschichte herausgelesen werden. Der gezogene Bohrkern wird sogleich entfernt, lichtsicher verpackt und später vom Institut für Geologie der Universität Bern zur Untersuchung abgeholt. Den Inhalt des Rohrs konnte ich also nur erahnen.

Nach jedem entfernten Bohrkern wird das Bohrloch gesäubert, um Steine und Schutt, welche die Bohrung hindern, zu entfernen und den nächsten Bohrkern nicht damit zu verunreinigen. Pro Tag wird im Schnitt 5 Meter tief gebohrt – ein Rohr beinhaltet jeweils einen Meter Bohrkern. Um den jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte (das Quartär) zu untersuchen muss an dieser Stelle ca. 100 Meter tief gebohrt werden. Am Bohrplatz wird voraussichtlich sechs Wochen gearbeitet. Danach wird der Bohrturm innert Stunden wieder abgebaut um am nächsten Bohrplatz weiter zu forschen.

Doch warum bohrt die Nagra genau in Untersiggenthal? Der Bohrungsleiter der Nagra klärte uns darüber auf, dass unterhalb des Bohrplatzes die Gebenstorf-Stilli-Rinne liegt. Diese wurde während der Eiszeiten von einem Gletscher erodiert und anschliessend mit Sedimenten aufgefüllt. Mit den aufgrund der Bohrung gewonnenen Daten lässt sich feststellen, wo die Rinne genau verläuft, wie alt und wie tief sie ist. Weiter lassen sich vergangene Erosionsprozesse rekonstruieren und mit den neuen Erkenntnissen künftige Erosionsszenarien präzisieren. Dies sind relevante Fakten, um abzuklären, wie sich die Landschaft im geologischen Standortgebiet Jura Ost im Hinblick auf die Langzeitsicherheit eines möglichen geologischen Tiefenlagers entwickeln könnte.

Auch wenn wir den eigentlichen Schatz der Bohrung nicht direkt sehen konnten, gab der Besuch des Bohrplatzes einen Einblick, wie präzise gearbeitet werden muss, damit nichts vom Bohrkern verloren geht.

Seraina Branschi, Fachspezialistin Grundlagen Entsorgung BFE

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