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 Energiezukunft braucht Gemeinschaft: Erkenntnisse der 5. SWEET-Konferenz


Die Technologien für den Umbau des Energiesystems sind weitgehend vorhanden. Ob sie sich auch durchsetzen, entscheidet jedoch unter anderem die Gesellschaft. Wie soziale Innovationen dazu beitragen können, den Weg zu Netto-Null zu ebnen, wurde an der Paneldiskussion der fünften SWEET-Konferenz vom 1. September 2026 in Bern diskutiert.

Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft, Forschung und Verwaltung diskutierten anhand der Ergebnisse von einzelnen Konsortien, der SWEET-Synthese (siehe Kasten) und der Paneldiskussion, wie sich neue Lösungen für die Energiezukunft erfolgreicher in Alltag, Wirtschaft und Politik verankern lassen.

Präsentation der SWEET-Synthese

SWEET Synthese 2026

Einen Schwerpunkt der Konferenz bildete die SWEET Synthese, die ein Grossteil der Konsortien unter der Leitung des BFE und des Netzwerks für Transdisziplinäre Forschung, kurz td-net, gemeinsam erarbeitet haben. Sie führt die Ergebnisse der verschiedenen Konsortien zu einem Gesamtbild zusammen und leitet 46 möglichst konkrete Empfehlungen an Politik, Behörden, Wirtschaft und gesellschaftliche Akteure ab, gegliedert in fünf Themenbereiche.

Bei der Diskussion der Vorschläge mit dem Publikum wurde angeregt, die Empfehlungen und die Zielgruppen stärker zu präzisieren und mit konkreten Beispielen zu illustrieren. Für einen bessere Überblick wünschte sich das Publikum zudem, dass die Empfehlungen nach Zielgruppe geordnet und stärker priorisiert würden. Grundsätzlich wurde es aber sehr begrüsst, dass die verschiedenen Konsortien gemeinsam Handlungsempfehlungen erarbeiten – eine Herkulesaufgabe für die Forschenden.

Soziale Aspekte der Transformation sind zentral

Warum setzen sich manche Lösungen durch und andere nicht? Dieser Frage widmete sich die Panel-Diskussion. Dabei wurde deutlich: Für die Transformation des Energiesystems braucht es nicht nur technologische Fortschritte, sondern auch neue Formen der Zusammenarbeit und Beteiligung. Solche sozialen Innovationen können Menschen zusammenbringen, Interessen koordinieren und Veränderungen vor Ort anstossen. Sie können dazu beitragen, neue Formen des gemeinsamen Handelns zu erproben und aus der Nische in die breite Anwendung zu bringen. Eine grosse Herausforderung sei, dass die Kosten heute anfallen, während der Nutzen erst in Zukunft zum Tragen komme, so die Zukunftsforscherin Karin Frick in ihrer Keynote.

Erfolgreiche Beispiele «bottom-up»

Wie das konkret aussehen kann, zeigte die Panel-Diskussion anhand zweier Beispiele. Im luzernischen Buttisholz bringt der «Energiehub» Gewerbe, Landwirtschaft und Bevölkerung zusammen. Mit Energieapéros und Veranstaltungen werden Bedürfnisse abgeholt, Wissen vermittelt und lokale Akteure vernetzt. So gelang unter anderem ein deutlicher Ausbau der Solarenergie und ein Wärmeverbund mit Holzheizkraftwerk.

Im bernischen Mittelhäusern soll eine Lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) Stromproduktion und Verbrauch im Dorf koordinieren. Geplant sind auch zentral gesteuerte Batteriespeicher. Das Interesse war gross, wie Initiant Jan Remund erzählt. Denn das ganze Dorf kann davon profitieren. Es gehe aber auch um eine soziale Bewegung unter dem Motto «Wir schaffen das zusammen». Ulrike Sturm, Leiterin des Instituts für Soziokulturelle Entwicklung an der Hochschule Luzern, sieht in diesen beiden Beispielen die zentrale Rolle von Vermittlung und Vernetzung bestätigt. Hauseigentümerschaften seien in einem Dschungel von Informationen verloren und verfügten nicht über das notwendige Wissen. Deshalb brauche es «vermittelnde Akteure», die Prozesse anstossen, Betroffene vernetzen und gemeinsame Lösungen entwickeln.

Paneldiskussion mit Christine Maier, Oskar Küng, Hannes Weigt, Ulrike Sturm, Jan Remund und Karin Frick (v.l.n.r.)

Wie zum Win-win für Windkraft?

Die neuen Lösungen müssen sich lohnen. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Wirtschaftlich attraktiv wäre allerdings auch die Windenergie – trotzdem scheitert sie immer wieder am lokalen Widerstand. Damit stellte sich die grundsätzliche Frage: Soll über solche Projekte möglichst lokal – also bottom-up – oder stärker übergeordnet entschieden werden?

Oskar Küng, Initiant des Energiehub Buttisholz und Gemeinderat sprach sich dafür aus, Entscheide möglichst auf Gemeindeebene zu treffen, weil von oben verordnete Lösungen zusätzlichen Widerstand auslösen könnten. Hannes Weigt, Prof. für Energieökonomie an der Universität Basel hielt dagegen, dass Infrastruktur von übergeordnetem Interesse nicht vollständig von einzelnen Gemeinden abhängig gemacht werden könne. Aus dem Publikum kam die Frage, ob eine vermehrte lokale Beteiligung und Teilhabe auch dazu beitragen könne, den Widerstand bei der Windenergie abzubauen. Ulrike Sturm bejahte diese Frage klar. Das sei die einzige Chance für Windkraftwerke in der Schweiz. Wichtig sei, dass nicht nur Grundeigentümer profitierten, sondern die ganze Gemeinschaft, betonte Jan Remund, der auch für die Grünen im Bernischen Grossen Rat politisiert.

Zum Abschluss plädierte Karin Frick dafür, erfolgreiche Ansätze stärker sichtbar zu machen und zu vervielfältigen. Klimaschutz sei ein Win-win. Angesichts des Hitzesommers und der hohen Benzinpreise, sei dies für die Menschen aktuell besonders spürbar – dieses Momentum gelte es zu nutzen.

Im Jahr 2027 schliessen die ersten drei SWEET-Konsortien ihre Arbeit ab. Die Konsortien SURE, PATHFNDR und EDGE präsentierten gemeinsam mit Praxispartnern zentrale Erkenntnisse, zogen eine erste Bilanz und zeigten auf, wie ihre Resultate in die Praxis einfliessen können.

  • SURE: Die Szenarien zur Transformation des Energiesystems zeigen, dass die Schweiz mit der derzeitigen Politik das Netto-Null-Ziel bis 2050 voraussichtlich verfehlen wird. Szenarienanalysen weisen jedoch auf mögliche Zielpfade hin. Je nach gewähltem Weg können Extremereignisse wie Hitzeperioden oder Kälteeinbrüche unterschiedliche Auswirkungen auf die Netzstabilität haben. Auch der VSE als Vertreter der Wirtschaft beurteilt die Schweiz derzeit als nicht auf Kurs.
  • PATHFNDR: Das Konsortium sieht die Elektrifizierung von Wärme und Mobilität (Sektorkopplung) sowie die Bereitstellung und Erschliessung von Flexibilität zur Abstimmung von Stromangebot und -nachfrage als zentrale Pfeiler auf dem Weg zu Netto-Null. Zur Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis wurde eine Zusammenarbeit mit der Energiedirektorenkonferenz gestartet.
  • EDGE: Die Modellierungen der Entwicklung der inländischen Stromproduktion zeigen zwar Abweichungen in den Ergebnissen, bestätigen aber grundsätzlich, dass das Ziel des Bundes von 45 Terawattstunden neuer erneuerbarer Stromproduktion technisch und wirtschaftlich erreichbar ist.

Das Konsortium ACHIEVE, das 2025 den Zuschlag erhalten hat, stellte zudem seine Forschungsschwerpunkte für die kommenden sechs Jahre vor.

 Weitere Informationen

Alle Präsentationen und Fotos der SWEET-Konferenz sowie die Handouts der SWEET-Synthese sind auf der SWEET-Website zu finden. Haben Sie die diesjährige SWEET-Konferenz verpasst, sind aber neugierig geworden? Dann reservieren Sie gleich den Termin für die SWEET-Konferenz nächstes Jahr: 1. September 2027

SWEET ist ein Förderprogramm des Bundesamts für Energie (BFE). Der Zweck von SWEET ist, lösungsorientierte Forschung und Innovationen zu finanzieren, deren Schwerpunkt auf den Zielen der Schweizer Energiestrategie 2050 und der langfristigen Klimastrategie liegt.

Irene Bättig, Sprachwerk GmbH im Auftrag der Geschäftsstelle SWEET, Bundesamt für Energie (BFE)
Bilder: BFE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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