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Nach dem Watt d’Or: Wie sieht es punkto Energieeffizienz im Romantik Hotel Muottas Muragl aus?


Seit der Gesamtsanierung 2011 setzt das Romantik Hotel Muottas Muragl im Engadin voll auf erneuerbare Energie – für Heizung, Warmwasser und Strom. Wie bewährt sich das 2012 mit dem Watt d’Or ausgezeichnete Energiekonzept auf 2’456 Metern über Meer?

Die Energieversorgung, für die die Betreiber des Romantik Hotels Muottas Muragl 2012 den Watt d’Or erhielten, basiert auf fünf verschiedenen Energiequellen:

PV-Anlage entlang der Trasse – Bild: Brigitte Mader, BFE

  • Solarthermie: 84 m2 Flachsonnenkollektoren auf dem Dach der Bergstationseinfahrt und 56?m² Röhrenkollektoren vor den Fenstern des Sockelgeschosses liefern Energie für die Heizung und die Warmwasserbereitung
  • Abwärmenutzung: Abwärme aus dem Bahnbetrieb wird von Kühlgeräten und Lüftung wiederverwertet.
  • Wärmepumpe: Kommt zum Einsatz, wenn die anderen Wärmequellen nicht reichen und nutzt die Erdwärme.
  • Erdwärme für Heizung und Warmwasser: 16 Erdsonden in 200?m Tiefe versorgen das Hotel mit geothermischer Energie. Überschüssige Sonnenenergie wird im Untergrund gespeichert.
  • Photovoltaik: Die 228 Meter lange Solaranlage (460 m2 Solarpanele) entlang der Bahntrasse liefert Strom.

Der Gesamtenergiebedarf sank um 64%, von 436’000 kWh auf 157’400 kWh pro Jahr. Vor dem Umbau wurden rund 40’000 Liter Heizöl pro Jahr benötigt. Das Heizöl musste zudem mit der Standseilbahn hochtransportiert werden. Mit der neuen Energieversorgung wurden die CO2-Emissionen von vorher 144 Tonnen pro Jahr auf null reduziert. Die Energiebilanz übers ganze Jahr ist positiv, bei langen Schlechtwetter Phasen muss die Wärmepumpe einspringen.

Das tönt nach einer durchaus positiven Bilanz. Doch Reto Bieri, Leiter Projekte und Infrastruktur bei der Engadin St. Moritz Mountains AG, zu der das Romantik Hotel Muottas Muragl gehört, sagt auch: «Man hat damals viel unter einen Hut bringen wollen.» Energeiaplus hat bei Reto Bieri nachgefragt.

Energeiaplus: Das Energiekonzept im Romantik Hotel Muottas Muragl wurde bei der Verleihung des Watt d’Or als Leuchtturmprojekt bezeichnet. Hat das Energiekonzept die Erwartungen erfüllt – punkto Energieverbrauch und -produktion?

Reto Bieri ist Leiter Projekte & Infrastruktur bei der Engadin St. Moritz Mountains AG. Bild: ©Engadin St. Moritz Mountains AG

Reto Bieri: Die Effizienz der Anlage hat unsere Erwartungen erfüllt. Das Gebäude wurde sehr gut isoliert und braucht sehr wenig Heizenergie. Das Hotel befindet sich auf 2’456 m. ü.M. an einem sehr sonnigen Standort. Das heisst, dass wir bei sonnigen Tagen – und die gibt es im Engadin sehr oft – von der natürlichen Erwärmung profitieren können.

Wo zeigten sich Knackpunkte in der Praxis?

Das System ist extrem kompliziert. Die verschiedenen Energiequellen beeinflussen das System ganz unterschiedlich, und es ist nicht immer einfach festzustellen, woher beispielsweise die Wärme kommt. Das System ist entsprechend schwierig zu steuern.

Werden nun Anpassungen vorgenommen? Wenn ja, welche?

Wir werden in den kommenden Jahren das System erneuern. Folgende Eingriffe sind vorgesehen:

  • Effizientere Wärmepumpen der neusten Generation
  • Die Röhrenkollektoren, die an der Fensterfront montiert sind, werden rückgebaut. Sie sind sehr störungsanfällig auf äussere Einflüsse und nicht sehr effizient.
  • Die Effizienz der Anlage wird durch den Rückbau nicht gemindert,
    da wir bei optimalen Bedingungen bereits eine Überproduktion erreicht haben. Das war oft sehr schwierig zu steuern.
  • Die Warmwasser-Speicherkapazität wird erhöht mit sogenannten Schichtspeichern. So kann temperaturabhängig Wasser entnommen werden.
  • Die Steuerung wird komplett erneuert. Die neue Steuerung wird einfacher und verständlicher.

Die Engadin St. Moritz Mountains AG betreibt noch ein anderes Hotel und Restaurants. Wie fliessen die Erfahrungen mit dem Energiekonzept im Romantik Hotel Muottas Muragl in die anderen Betriebe ein?

Wenn grössere Umbauten an der Infrastruktur anstehen, fliessen die Erfahrungen aus dem Umbau-Projekt Muottas Muragl ein.

Unser Ziel sind möglichst einfache effiziente Anlagen, das heisst konkret: Bei der Lüftung wird eine Wärmerückgewinnung realisiert, Gebäudehüllen werden isoliert und wo möglich und sinnvoll, werden PV-Anlagen gebaut.

Text und Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Bild: ©Engadin St. Moritz Mountains AG / Fabian Gattlen

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