Wer ein E-Auto fährt, lädt es dort auf, wo es über längere Zeit steht. Das ist in der Regel daheim oder allenfalls noch am Arbeitsplatz. Denn Strom tanken ist nicht gleich Benzin in den Tank füllen. Je nach Leistung der «Stromtankstelle» braucht das Aufladen Zeit, langsames Aufladen ist zudem schonender für die Batterie.

Für Eigenheimbesitzer ist das kein Problem. Eine Wallbox – so nennen sich die Ladestationen für E-Autos – montieren, reicht in den meisten Fällen, und schon kann man Strom tanken. Die meisten E-Auto-Besitzer haben denn auch ihren eigenen Parkplatz. Das zeigt eine Umfrage der Universität St. Gallen. Für Mieterinnen und Mieter ist die Sache nicht ganz so einfach. In mancher Gemeinschafts-Garage hat es zwar mittlerweile Lademöglichkeiten. Doch was macht eine E-Auto-Besitzerin, die keinen fixen Stellplatz hat?

Rund 4400 öffentliche Ladestationen gibt es schweizweit. Die Webseite «ich-tanke-strom.ch» zeigt die nächstgelegene öffentliche Ladestation und deren Verfügbarkeit in Echtzeit zwar an. Doch, was wenn sie besetzt oder ausser Betrieb ist? Schlange stehen vor der E-Ladestation schmälert die Lust aufs Umsteigen auf E-Mobilität. Wollen Mieterinnen und Mieter daheim tanken, sind sie auf den Goodwill der Vermieterschaft angewiesen. Ist sie bereit, eine Wallbox anzubringen? Verlangen können das Mieterinnen und Mieter nicht. Und der Eigentümerschaft fehlen zum Teil die Anreize und das Interesse.

Verrechnung im MFH

Das könnte sich mit der Revision des CO2-Gesetzes ändern. Der Nationalrat hat im Juni im Artikel 39 des neuen Bundesgesetzes festgehalten, dass Ladestationen in Mehrparteiengebäuden einen Beitragaus dem neuen Klimafonds erhalten sollen. Die Schlussabstimmung zum CO2-Gesetz ist voraussichtlich in der Herbstsession.

Die Wallbox zum Aufladen allein löst jedoch noch nicht alle Probleme. Auch die Verrechnung der Stromkosten gilt es zu regeln. Eine weitere Herausforderung bei Wohnhäusern mit mehreren Parteien: Eine Wallbox reicht nicht, wenn mehrere BewohnerInnen ein E-Auto besitzen. Es macht also Sinn, ein intelligentes Ladesystem zu installieren, nicht zuletzt auch, um das Stromnetz nicht überzustrapazieren, wenn mehrere gleichzeitig ihre Batterie laden wollen.

Ohne Bohrer und Meissel zur Ladestation

Bei Neubauten oder Gebäuden, die umfassend saniert werden, sollte sich die Situation punkto Infrastruktur für E-Autos kontinuierlich verbessern. Der Grund: Die neue Empfehlung der SIA (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein), die seit dem 1. Juni 2020 vorliegt. Im neuen Merkblatt SIA 2060 Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Gebäuden (SNR 592060), an dem das Bundesamt für Energie mitgearbeitet hat, ist festgehalten, was genau bei den Parkplätzen in Gebäuden geplant und berücksichtigt werden sollte.

Konkret heisst das: Es sollen Leerrohre, Stromzähler, Anschlussleitungen, elektrische Schutzeinrichtungen vorhanden sein, um eine E-Ladestation zu installieren. Wer also eine Ladestation einrichten will, soll nicht zuerst Bohrer und Säge in die Hand nehmen müssen, wie Swiss E Mobility auf ihrer Homepage schreibt.

Aufladen in der blauen Zone

Aktiv sind auch einige Schweizer Städte, um die Situation für Mieter und Mieterinnen ohne fixen Stellplatz zu verbessern: Sie haben Pilotprojekte in der blauen Zone gestartet. Zum Beispiel: Basel hat im April 2018 in verschiedenen Quartieren elf Ladestationen in Betrieb genommen. Sieben haben eine Leistung von 22kW, drei leisten 50kW, also beschleunigtes Laden. Eine Schnellladestation mit 150kW befindet sich beim Museum Tinguely. Auch in Bern gibt es erste Ladestationen in der blauen Zone.

Der Druck auf Parkplätze in der blauen Zone in den Städten ist allerdings gross. Verschiedene Fragen gilt es auch hier noch zu klären. Müssen Fahrzeuge, die auf solchen Parkplätzen stehen, am Aufladen sein? Braucht es dafür eine spezielle Parkkarte? Die Antwort auf diese und andere Fragen liegt in der Hoheit der Städte und Gemeinden.

 

Etwa 29’000 Elektroautos (siehe BFS-Statistik) waren 2019 in der Schweiz immatrikuliert. Gemessen an den rund 4,6 Millionen zugelassenen Personenwagen ist das zwar noch nicht viel. Doch E-Autos sind immer gefragter. Im ersten Halbjahr 2020 war schon fast jedes zehnte neu immatrikulierte Fahrzeug ein E-Auto.
Gemäss Roadmap Elektromobilität 2022, die eine breite Allianz von Verbänden und Unternehmen zusammen mit Kantonen und Gemeinden und dem Bund (über 60 Organisationen) unterzeichnet haben, soll der Anteil bei den Neuzulassungen der sogenannten Steckerfahrzeuge bis 2022 15 Prozent ausmachen. So sollen die CO2-Emissionen im Verkehr reduziert werden. Aktuell stimmt die Richtung, das Ziel der Roadmap wird allenfalls bereits früher erreicht.

 

Brigitte Mader, Kommunikation Bundesamt für Energie

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4 Kommentare
  1. Jürgen Baumann
    Jürgen Baumann sagte:

    Wenn in 5 Jahren eine Miet Immobilie noch keine Lademöglichkeit bietet, dann wird sie den Charme und die Attraktivität einer Jugendherberge verbreiten, die WC und Dusche auf dem Gang haben.
    Clevere Immobilien Besitzer fangen heute schon an ihr Portfolio zu erweitern. Nicht nur Wohnraum anbieten, sondern umweltgerechten Strom vom eigenen Dach (nicht gratis) und Lademöglichkeit (auch nicht gratis).

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  2. Selina Davatz
    Selina Davatz sagte:

    …allenfalls noch am Arbeitsplatz laden… Unbedingt! Denn dort steht mein Stecker-Auto tagsüber und ich kann vom Sonnenstrom profitieren.
    Wenn ich nachts zu Hause lade, kommt der Strom – wenn ich Glück habe – aus Wasserkraft, aber meist aus AKWs.
    Wollen wir die Energiewende schaffen und unsere AKWs wie beschlossen abstellen, brauche ich intelligente Steuerungen, die E-Autos dann laden und andere Stromverbraucher dann einschalten, wenn die PV-Anlage Strom produziert.
    Übrigens, zu den E-Autos gehören auch Plug-in-Hybride… Hoffen wir, diese werden auch effektiv an einer Steckdose angeschlossen und fahren nicht einfach nur mit dem Alternativ-Antrieb (Diesel / Benzin)…

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  3. werner plüss
    werner plüss sagte:

    Unsozialer geht es doch kaum:
    Einfamilienhäuser, Eigentums- und neue, teure Mietwohnungen, Saniertes, alle mit gut betuchten Bewohnern ‚bestückt‘, ja, da ist es müssig E-traumwandeln, schnelle Ladestationen installieren, noch etwas Sonne einspeisen.
    Aber wie läufts in den Wohnquartieren mit den Häuserblocks, den erschwinglichen Altbauten, den Laternengaragen, wo die ‚Massen‘ unserer MitbürgerInnen wohnen, die sich keinen E-Mobilitäts-Luxus leisten können? Ja ‚Luxus‘, solange Mann und Frau, beruflich, gesundheitlich, jederzeit mobil sein müssen, aber nicht laden können? Und trotzdem für diesen ganzen E-Zauber zur Kasse gebeten werden?
    Von sind da die Forderungen, Initiativen, Protesten unserer Roten und Grünen, der Kampf für die Unterprivilegierten?

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    • Jürgen Baumann
      Jürgen Baumann sagte:

      Werner – calm down
      Die ersten Verbrenner Fahrzeuge waren auch nur für Reiche oder Gangster (siehe alte Filme) erschwinglich. Inzwischen gibt es die zu allen möglichen Preisen – auch als Occassion. Wird bei den Elektrofahrzeugen genau so laufen. Das Ladenetz wächst wesentlich schneller als der Absatz der Elektrofahrzeuge.
      Natürlich gilt das nicht für den typischen Handels-Vertreter, der jeden Tag 1000 km am Stück fahren muss, dabei seinen Pferdeanhänger immer dabei hat und in seinem Wohnblock im 8. Stock keine Lademöglichkeit hat. Den lassen wir kaltlächelnd seinen Diesel fahren, der nämlich auch nur 3.15 Liter bei 120 km/h braucht. Und da er grundsätzlich nur den Max-Havelaar zertifizierten Biodiesel – aus pflanzlichen Abfällen hergestellt – tankt, ist das ein kleineres Problem.

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