Après trois semaines de débats, la session d’automne 2026 s’est achevée sur plusieurs décisions importantes concernant l’avenir énergétique de la Suisse. Réseau électrique, approvisionnement, investissements et énergies renouvelables: les Chambres fédérales ont confirmé plusieurs orientations qui façonneront la politique énergétique ces prochaines années. Weiterlesen
Vom Forschungslabor auf die Dächer der Schweiz: Die Geschichte der Solarenergie
Noch vor wenigen Jahrzehnten galt Solarstrom als teure Nischentechnologie. Heute liefert die Sonne einen bedeutenden Anteil des Schweizer Stroms. Wie wurde aus Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von kaum einem Prozent eine der wichtigsten Stromquellen des Landes?
Von der Antike bis zur ersten Solarzelle im 19. Jahrhundert
Bereits in der Antike nutzten die Griechen und Römer die Energie der Sonne. Gebäude wurden so ausgerichtet und gestaltet, dass sie im Winter möglichst viel Sonnenwärme aufnahmen und im Sommer vor Überhitzung geschützt waren. Ausserdem nutzten sie sogenannte Brennspiegel, um Sonnenstrahlen zu bündeln und damit Feuer oder Fackeln zu entzünden oder um Metalle zu schmelzen.
Im Jahr 1767 beobachtete der Genfer Naturforscher Horace Bénédict de Saussure, dass sich Flächen unter einer Glasabdeckung stärker erwärmen als solche ohne eine Abdeckung. In der Folge baute er sogenannte Hitzekisten – das heisst, Holzkästen mit schwarzem Boden und einer Abdeckung aus mehreren Glasscheiben. Diese kleinen, gewächshausähnlichen Konstruktionen erwärmten sich auf bis zu 87 Grad Celsius. Den photovoltaischen Effekt beobachtete der französische Physiker Alexandre Edmond Becquerel erstmals im Jahr 1839. Er fand heraus, dass das Licht in bestimmten Materialien eine elektrische Spannung erzeugen kann. Diese Entdeckung bildete die Grundlage für die spätere Entwicklung der Photovoltaik, die die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie ermöglicht.
Der Begriff «Photovoltaik» setzt sich aus dem griechischen Wort «phos» und der elektrischen Einheit «Volt», benannt nach dem italienischen Physiker Alessandro Volta, zusammen. Unter Photovoltaik wird die Umwandlung von Lichtenergie, meistens in Form von Sonnenenergie, in elektrische Energie verstanden. Die ersten Solarzellen am Ende des 19. Jahrhunderts auf Selenbasis wiesen lediglich einen Wirkungsgrad von rund 1 % auf. Selen ist ein chemisches Element mit halbleitenden Eigenschaften. Es kann bei Lichteinstrahlung elektrische Ladungen freisetzen und eignete sich deshalb für die ersten Versuche zur direkten Umwandlung von Sonnenlicht in Strom. Aufgrund seines geringen Wirkungsgrads wurde Selen später jedoch weitgehend durch leistungsfähigere Materialien wie Silizium ersetzt. Der Wirkungsgrad einer Solarzelle zeigt, wie effizient sie Sonnenlicht in Strom umwandelt. Ein höherer Wirkungsgrad bedeutet, dass ein grösserer Anteil der Sonnenenergie genutzt wird.
Der Boom der Solarenergie am Ende des 20. Jahrhunderts
Im Jahr 1954 entwickelte ein Forscherteam der Bell Laboratories in den Vereinigten Staaten die erste funktionsfähige Solarzelle aus Silizium. Das Forscherteam fand heraus, dass halbleitende Materialien wie Silizium effektiver als Selen waren. Ihre erste Solarzelle erreichte einen Wirkungsgrad von 6 %, das heisst, sie konnte 6 % der auftreffenden Sonnenenergie in Strom umwandeln. Zum Vergleich: moderne Solarmodule erreichen einen Wirkungsgrad von 22% bis 24%. Um die Zuverlässigkeit der neuen Technologie zu demonstrieren und mangels geeigneter Alternativen zur Energieversorgung im All, wurde 1958 der Satellit Vanguard I mit Solarzellen ausgestattet. Der erfolgreiche Einsatz trug wesentlich dazu bei, das Potenzial der Photovoltaik aufzuzeigen. Die Ölkrise von 1973 vergrösserte das Interesse an erneuerbaren Energiequellen und als Folge profitierte die Solarenergie von erhöhter Aufmerksamkeit, was ihre Entwicklung zusätzlich beschleunigte.
Die Schweiz als weltweite Spitzenreiterin
Die erste netzgekoppelte Photovoltaik (PV)-Anlage Europas mit dem Namen Ticino Solare (TISO-10) wurde 1982 in Lugano installiert und liefert heute noch Strom (mehr dazu hier). Drei Jahre später, im Jahr 1985, fand das weltweit erste Rennen für solarbetriebene Autos in der Schweiz statt, die sogenannte Tour de Sol. Die Strecke führte in fünf Etappen vom Bodensee bis an den Genfersee. Von 73 gestarteten Solarmobilen erreichten 58 Fahrzeuge das Ziel. Die Veranstaltung entwickelte sich zu einem Publikumserfolg und fand jährlich bis 1993 statt. Die Tour de Sol förderte zahlreiche technische Innovationen im Bereich der Elektromobilität und bewies der Öffentlichkeit, dass die Nutzung von solarbetriebenen Fahrzeugen auch in weniger sonnigen Regionen möglich ist.
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 verstärkte das Interesse an alternativen und erneuerbaren Energiequellen zusätzlich und verlieh der Photovoltaik weiteren Auftrieb. Die Stadt Burgdorf führte 1991 als eine der ersten Gemeinden eine Vergütung für Solarstrom ein. Pro eingespeiste Kilowattstunde wurden die Produzenten mit einem Franken vergütet. Ein Jahr später wurde das Sonnenkraftwerk Mont Soleil im Berner Jura durch den damaligen Bundesrat Adolf Ogi offiziell eröffnet. Zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme war Mont Soleil mit einer Nennleistung von 560 Kilowatt (kW) eine der grössten Photovoltaikanlagen Europas. Zwischen 1987 und 1998 vergrösserte sich die Nutzung der Photovoltaik in der Schweiz um den Faktor 14, wodurch die Schweiz zu einer der weltweiten Spitzenreiterinnen wurde.
Nach der Jahrtausendwende flachte der Boom der Solarenergie in der Schweiz ab. Dies wurde auch in der Abstimmung über die Volksinitiative «Für einen Solarrappen (Solar-Initiative)» am 24. September 2000 sichtbar. Die Initiative wollte die Solarenergie in der Schweiz gezielt fördern. Dafür sollten Stromkundinnen und Stromkunden während 25 Jahren eine Abgabe von maximal 0,5 Rappen pro verbrauchter Kilowattstunde auf Strom aus nicht erneuerbaren Energiequellen bezahlen. Die daraus erzielten Einnahmen wären in den Ausbau erneuerbarer Energien geflossen, wobei die Hälfte ausdrücklich für die Förderung der Solarenergie vorgesehen war. Die Bevölkerung stand dem Vorschlag jedoch kritisch gegenüber: In der Volksabstimmung wurde die Solarinitiative mit 68,18 % der Stimmen deutlich abgelehnt.
Ende 2025 machte die Solarenergie in der Schweiz knapp 12 Prozent an der Stromproduktion aus. Rafael Stähli, Fachspezialist für erneuerbare Energien im Bundesamt für Energie, erklärt die Bedeutung der Solarenergie und wo die Herausforderungen sind.

Rafael Stähli, Fachspezialist für erneuerbare Energie im BFE.
Energeiaplus: Welche Rolle spielt die Solarenergie heute im Schweizer Stromsystem?
Um die Umwelt zu schonen und unsere Klimaziele zu erreichen, hat die Schweizer Bevölkerung entschieden, den Verbrauch von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Das bedeutet unter anderem, dass wir Verkehr, Industrie und Gebäude zunehmend elektrifizieren müssen. Dadurch wird der Stromverbrauch steigen. Die grosse Herausforderung der kommenden Jahre ist die sichere und nachhaltige Versorgung der Schweiz mit Strom.
Für eine sichere und nachhaltige Stromversorgung brauchen wir einen breiten Strommix. Die Photovoltaik spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Jahr 2025 deckte die Photovoltaik mit rund 8 Terawattstunden (TWh) schon 14% des gesamten Verbrauchs ab. Photovoltaik ist günstig und kann vor allem auf bereits bebauten Flächen und in der Nähe der Verbraucher ausgebaut werden. Das langfristig nutzbare Potenzial der Photovoltaik beträgt rund 100 TWh pro Jahr und ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Welche Herausforderungen bringt der zunehmende Anteil von Solarstrom für die Stromnetze mit sich?
Unser Stromnetz wurde ursprünglich für wenige grosse Kraftwerke gebaut, um den Strom von den oberen auf die unteren Netzebenen zu verteilen. Erneuerbare Energien führen vermehrt zu einer dezentralen Einspeisung ins Netz auf den unteren Netzebenen. Gleichzeitig wächst durch die Elektrifizierung auch die Anzahl neuer Verbraucher wie beispielsweise Wärmepumpen oder Elektroautos, welche den Strombedarf und die Netzbelastung grundsätzlich erhöhen. Aber: Weil der Solarstrom häufig direkt am Ort des Stromverbrauchs produziert wird, wirkt er auch netzentlastend. Dieser Effekt kann durch aktive und intelligente Steuerung der Erzeuger, Verbraucher und Speicher maximiert werden. Dabei werden Produktion, Verbrauch und Speicherung von Strom so aufeinander abgestimmt, dass das Netz möglichst effizient genutzt und Spitzenbelastungen vermieden werden.
Welche Rolle spielen Energiespeicher für die Nutzung von Solarenergie?
Energiespeicher erfüllen mehrere Rollen gleichzeitig: In Kombination mit einem Energiemanagementsystem (EMS) erlauben Energiespeicher die Optimierung des Eigenverbrauchs und Stabilisierung des Gesamtsystems. Die erzeugte Solarenergie lässt sich mit einem Energiespeicher bedarfsgerecht speichern, vor Ort nutzen und zu wirtschaftlich optimalen Zeiten einspeisen, beispielsweise dann, wenn die Nachfrage nach Strom hoch ist und sich die Einspeisung besonders lohnt. Das entlastet die Infrastruktur, ermöglicht eine flexible Reaktion auf Eigenbedarf und Marktpreise und sorgt für eine effiziente, finanziell nachhaltige Energienutzung.
Wie wichtig werden intelligente Netze (Smart Grids) für die Integration von Solarstrom?
Smart Grids sind kein optionales Zusatzinstrument, sondern eine systemische Voraussetzung für eine funktionierende Solarstromintegration. Je höher der Photovoltaikanteil im Netz, desto wichtiger werden Intelligenz, Flexibilität und Digitalisierung als Grundlage für einen sicheren, kosteneffizienten und nachhaltigen Netzbetrieb.
Welche Bedeutung haben lokale Elektrizitätsgemeinschaften und Eigenverbrauchsgemeinschaften für die Stromversorgung?
Die zunehmend dezentrale Stromproduktion vieler Photovoltaik-Produzenten erlaubt es, den Solarstrom direkt vor Ort zu nutzen und so die Netznutzung zu reduzieren. Eigenverbrauchsgemeinschaften und lokale Elektrizitätsgemeinschaften bieten dafür die reglementarische Grundlage, um produzierten Solarstrom lokal zu beziehen oder lokal zu verkaufen, teils ganz ohne und teils zu reduzierten Netzkosten. Nebst dem netzschonenden Effekt schaffen sie einen Marktmechanismus, der den bestehenden und künftigen Solarstromzubau wirtschaftlicher und breiter zugänglich macht. Mehrfamilien-Neubauten mit Solaranlage werden bereits des Öfteren mit einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch gebaut.
Welche Rolle spielen alpine Solaranlagen für die Stromversorgung im Winter?
Im Rahmen der Energiestrategie 2050 ist Winterstrom ein zentrales Thema, da der Stromverbrauch im Winter höher ist, herkömmliche PV-Anlagen aber gerade im Winter weniger produzieren. Da alpine Solaranlagen einen erheblich besseren Winterstromertrag als PV-Anlagen im Flachland liefern, können alpine Solaranlagen die saisonale Lücke teilweise schliessen und damit einen wichtigen Beitrag zur ganzjährigen Stromproduktion leisten.
Die Solarenergie wird heute meist mit Photovoltaik gleichgesetzt, obwohl es noch andere Formen der Nutzung der Solarenergie gibt. Welche Rolle spielt die Nutzung der Sonnenenergie zur Wärmeerzeugung heute noch? Welches Potenzial sehen Sie für Solarwärme in der Schweiz in den kommenden Jahrzehnten?
Solarwärme wird wohl die Photovoltaik in der Schweiz mengenmässig nicht mehr einholen, dafür ist der Vorsprung zu gross, und im Einfamilienhaus-Segment verdrängt die Kombination von Wärmepumpe und PV-Anlage die klassische Solarthermie zunehmend. Das Potenzial der kommenden Jahrzehnte liegt aber nicht im Verdrängungswettbewerb mit der Photovoltaik, sondern in ergänzender Betrachtung mit hohem Systemnutzen.
Welche Rolle wird die Photovoltaik in der Schweizer Stromversorgung 2050 spielen?
Die Photovoltaik hat bereits heute eine tragende Rolle für die Schweizer Stromversorgung und wird diese Rolle in der Zukunft noch weiter ausbauen. Die Sonne ist ein verlässlicher, nachhaltiger Lieferant, welcher man auch in Zukunft sehr gut zur Stromgewinnung verwenden kann. Mit der sich verändernden Grösse der PV-Produktion in der Schweiz werden sich die Rahmenbedingungen anpassen müssen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Solarenergie eines unserer besten Mittel für den erneuerbaren Umbau des Energienetzes und eine nachhaltige Schweizer Stromversorgung 2050 sein wird.
Die Solarenergie ist damit bereits heute ein wichtiger Bestandteil der schweizerischen Stromversorgung. Gemäss der Energiestrategie 2050 des Bundes soll sie auch künftig eine zentrale Rolle bei der Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele spielen. Laut dem Energiegesetz (EnG) soll bis 2050 insgesamt 45 Terrawattstunden (TWh) an erneuerbarem Strom produziert werden, wobei der grösste Teil aus PV-Anlagen stammen soll.
Dieser Blogbeitrag über die Solarenergie ist der Vierte und Letzte in der Blogreihe über die Geschichte der erneuerbaren Energien mit dem Fokus auf die Schweiz. Den ersten Blogbeitrag über die Geothermie finden Sie hier, den zweiten über die Windenergie hier, und den dritten über die Wasserkraft hier.
Mattia Pesolillo, Hochschulpraktikant Kommunikation, Bundesamt für Energie (BFE)
Bild: Shutterstock




1 Vote(s), Durchschnitt: 5,00Stromnetz, Finanzhilfen, Strombeschaffung in der Herbstsession 2026
In der Herbstsession 2026 befassen sich die eidgenössischen Räte unter anderem mit der Anpassung des Elektrizitätsgesetzes. Mit der Vorlage sollen Planungs- und Bewilligungsverfahren beim Um- und Ausbau des Stromnetzes vereinfacht und verkürzt werden. Uneinig sind sich die Räte punkto Moorschutz. Zudem berät der Ständerat über Finanzhilfen für systemkritische Stromkonzerne in Krisensituationen. Energeiaplus mit einem Überblick über die wichtigsten energiepolitischen Geschäfte.
Ein leistungsfähiges Stromnetz ist zentral für die sichere Energieversorgung der Schweiz. Der Bundesrat schlägt deshalb vor, das Elektrizitätsgesetz so anzupassen, dass Verfahren für Aus- und Umbauten schneller werden. Einig sind sich National- und Ständerat, dass Hoch- und Höchstspannungsleitungen grundsätzlich oberirdisch verlegt werden sollen. Der Ständerat sprach sich aber in der Sommersession 2026 als Zweitrat dafür aus, dass dieser Grundsatz in Bauzonen nicht gelten soll. Zudem soll eine Erdleitung möglich sein, wenn dies billiger zu realisieren ist oder aus technischen Gründen nötig ist. Differenzen bestehen weiter beim Umgang mit Moorgebieten, wenn diese von Projekten für den Aus- oder Umbau des Stromnetzes betroffen sind.
In der Herbstsession ist zunächst der Nationalrat wieder am Zug. Nach Ansicht der vorberatenden Kommission des Nationalrats (UREK-N) soll der Moorschutz nicht aufgeweicht werden. Das könne die Akzeptanz der Vorlage gefährden. Die UREK-N schlägt deshalb vor, den absoluten Moorschutz gemäss Verfassung beizubehalten. Das Ziel ist – gemäss Traktandenliste – die Differenzen in der Herbstsession zu bereinigen.
Fireg im Ständerat
Thema im Ständerat ist zudem das Bundesgesetz über subsidiäre Finanzhilfen zur Rettung systemkritischer Unternehmen der Elektrizitätswirtschaft (Fireg). Der Bundesrat beantragt mit dem Fireg, die Geltungsdauer des Rettungsschirms um fünf Jahre zu verlängern. Der Nationalrat ist damit nicht einverstanden. Im März trat er nicht auf die Vorlage ein. Die vorberatende Kommission des Ständerats (UREK-S) schlägt jetzt vor, dem Nationalrat zu folgen. Nimmt der Ständerat diesen Antrag an, wird das Gesetz am 31. Dezember 2026 auslaufen, womit auch die Finanzhilfen nicht länger bereitstehen. Nach Meinung der UREK-S haben die systemkritischen Unternehmen der Strombranche die Zeit genutzt, um sich auf Marktverwerfungen vorzubereiten. Die Kommission zweifelt indes, ob alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind.
Traktandiert im Ständerat ist eine parlamentarische Initiative der UREK-N. Mit der Initiative soll das Stromversorgungsgesetz so präzisiert werden, dass künftig Verluste und Gewinne aus der Strombeschaffung symmetrisch behandelt werden. Heute tragen Grundversorger Verluste aus Ausgleichgeschäften allein, während Gewinne den Kundinnen und Kunden nicht zugutekommen. Diese Schieflage soll korrigiert werden.
Weitere parlamentarische Vorstösse
Ständerat:
Ständerat Fabio Regazzi (Die Mitte/TI) verlangt vom Bundesrat einen Bericht zu den Auswirkungen der europäischen Automobilkrise auf die Schweizer Autobranche – dies im Hinblick auf die Erarbeitung der längerfristigen Regulierung für Fahrzeuge. Der Bundesrat beantrage die Annahme des Postulats.
Traktandiert sind zwei Vorstösse von Ständerat Jakob Stark (SVP/TG):
Mit seinem Postulat möchte er bessere und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen erreichen, damit weiterhin in neue Stromproduktionsanlagen investiert wird, unabhängig von der verwendeten Technologie. Der Bundesrat soll deshalb aufzeigen, wie die heutigen unterschiedlichen und befristeten Förderbestimmungen durch eine langfristige und nicht befristete generelle Regelung abgelöst werden können. Auch dieses Postulat empfiehlt der Bundesrat zur Annahme.
In seiner Interpellation äussert er Zweifel, dass die Innovationsförderung gemäss Klima- und Innovationsgesetz nicht die gewünschte Wirkung erzielt. In seiner Antwort legt der Bundesrat dar, dass die Projekte sorgfältig ausgewählt werden, um insbesonder Mitnahmeeffekte zu vermeiden.
Ständerat Benedikt Würth (Die Mitte, SG) hat Fragen zum Batteriespeicher, der unmittelbar neben dem ehemaligen Sitz von Swissgrid realisiert wird. Er möchte vom Bundesrat Antworten zur technischen Sicherheit, zur Eigentümerschaft und zu den Interessen der Investoren.
Nationalrat:
In der grossen Kammer sind verschiedene Vorstösse der Grünen zum Thema Kernenergie traktandiert. Nationalrätin Florence Brenzikofer (Grüne/BL) will den Bundesrat beauftragen, das Kernenergiegesetz KEG so anzupassen, dass kein AKW länger als 60 Jahren betrieben werden kann. Nationalrätin Delphine Klopfenstein Broggini (Grüne/GE) verlangt vom Bundesrat einen Bericht zur Sicherheit der Kernkraftwerke unter anderem in Zusammenhang mit Cyberangriffen oder Terroranschlägen. Nationalrat Christophe Clivaz (Grüne/VS) fordert vom Bundesrat einen Bericht darüber, ob und unter welchen Bedingungen radioaktive Abfälle aus dem geplanten Tiefenlager Nördlich Lägern wieder zurückgeholt werden können. Nationalrat Raphaël Mahaim (Grüne/VD) will Aufschluss über die Kosten bestehender und allfällig neuer Kernkraftwerke in der Schweiz. Der Bundesrat empfiehlt alle vier Vorstösse zur Ablehnung.
Eine Auswahl der weiteren traktandierten Vorstösse im Nationalrat:
- Nationalrätin Susanne Vinzenz-Stauffacher (FDP/SG) möchte die Bedingungen für den Ausbau und die Förderung von Agri-PV-Anlagen verbessern
- Nationalrat Christian Imark (SVP/SO) verlangt eine Regulierung, damit die Netzbetreiber ihre Gewinne auf der Netznutzung über Strompreisrabatte zurückverteilen müssen, wenn bereits hohe Gewinne aus dem Handel erzielt wurden.
- Nationalrat Jon Pult (SP/GR) verlangt, dass der Bundesrat Anreize schafft, damit Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien verstärkt für die Wärmeerzeugung genutzt werden, insbesondere durch zeitweise vergünstigte Netztarife.
Auch diese drei Vorstösse beantragt der Bundesrat, abzulehnen.
Text: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie (BFE)
Bild: Parlamentsdienste / Pascal Mora




Noch keine BewertungenCO2-Emissionen beim Schwerverkehr: Die meisten Grossimporteure setzen auf E-LKW
Seit 2025 gelten auch für Schwere Nutzfahrzeuge (SNF) CO2-Emissionsvorschriften. Nun liegt die Bilanz des ersten Berichtjahrs vor. Sie zeigt: Elektrische Fahrzeuge sind beliebt. Die Importeure erreichen ihre Zielvorgaben grösstenteils. Entsprechend tief fallen die Sanktionszahlungen aus. Wie sind diese Resultate zu werten? Energeiaplus hat bei Peter Weibel, Fachspezialist für energieeffizienten Verkehr, nachgefragt.
Die Vollzugsresultate für SNF im Überblick:
– Rund 6300 neu zugelassene schwere Nutzfahrzeuge, davon rund 2000 im Geltungsbereich der CO2-Emissionsvorschriften
– Von den 13 Grossimporteuren unterschreiten – mit Ausnahme von einem – alle die Zielwerte.
– Reinelektrische SNF machten 2025 rund 20.8 Prozent aller Neuzulassungen aus, was deutlich über dem europäischen Schnitt liegt.
Energeiaplus: Wie überraschend sind diese Vollzugsresultate?
Peter Weibel: Die Resultate kommen nicht überraschend: Elektro-Lastwagen profitieren in der Schweiz von günstigen Rahmenbedingungen. Sie sind derzeit befreit von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Zudem sind die Transportwege in der Schweiz oft vergleichsweise kurz, was den Einsatz von Elektro-LKW erleichtert. Kommt hinzu: In der Schweiz sind E-LKW deutlich stärker verbreitet als in der EU. Da sich die Schweizer CO2-Zielwerte an der EU-Regulierung orientieren, welche auf den weniger stark elektrifizierten EU-Markt angepasst ist, konnten viele Importeure ihre Zielwerte problemlos erreichen.

Peter Weibel ist Fachspezialist Energieeffizienter Verkehr beim Bundesamt für Energie. Bild: BFE
Insbesondere die Grossimporteure sind gemäss den Zahlen Musterschüler. Wie erklärt sich das?
Aktuell lohnen sich E-LKW besonders, da sie voraussichtlich bis 2030 zu 100 Prozent von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) befreit sind und bis 2035 einen reduzierten Tarif bezahlen. Dadurch sind E-LKW über ihre gesamte Nutzungsdauer trotz aktuell höheren Anschaffungskosten wirtschaftlicher als Verbrenner. Hier möchte ich aber auch erwähnen, dass nicht alle grossen Importeure, welche sanktionsfrei blieben, einen hohen Anteil an E-LKW in ihren Flotten aufweisen. Es ist unter der aktuellen Gesetzgebung durchaus möglich, die Zielwerte auch mit effizienteren Verbrennerfahrzeugen zu erreichen.
Bei den Importeuren mit weniger als fünf neu zugelassenen Fahrzeugen im Berichtsjahr 2025 sieht die Bilanz nicht ganz so gut aus. Ist es für Kleinimporteure schwieriger, die Zielwerte einzuhalten?
Importeure mit grösseren Fahrzeugpools können Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen durch Fahrzeuge mit niedrigen CO2-Emissionen kompensieren. Bei kleinen Importeuren, welche nur Verbrenner anschaffen, kann eine Kompensation innerhalb des eigenen Fahrzeugpools schwer sein.
Importeure haben aber die Möglichkeit, Fahrzeuge aus ihrem Fahrzeugpool an einen anderen Importeur zu übertragen beziehungsweise abzutreten. Dadurch erscheint das Fahrzeug bei der Sanktionsberechnung nicht mehr bei der abtretenden, sondern bei der übernehmenden Partei im Fahrzeugpool und eine allfällige Sanktion kann so vermieden werden.
Welche Rolle spielen die Förderprojekte für Ladeinfrastruktur, die im Rahmen des Klima- und Innovationsgesetzes vom Bund unterstützt werden?
Der Aufbau von Ladeinfrastruktur für Elektro-Lastwagen ist mit hohen Investitionen verbunden. Der Bund unterstützt Unternehmen deshalb finanziell bei der Errichtung von Ladestationen auf ihrem Betriebsgelände. Damit soll die rasche Verbreitung von Elektro-LKW im Güterverkehr gefördert werden. Parallel dazu unterstützt das Bundesamt für Strassen ASTRA die öffentliche Ladeinfrastruktur entlang der Nationalstrassen. Im Herbst soll der Zuschlag für die drei Lose von Schnellladestationen aus dem zu Jahresbeginn lancierten Projektaufruf erfolgen. Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist eine wichtige Ergänzung zur Ladeinfrastruktur in den Depots.
Roadmap Elektromobilität 2030 – neu mit Lastwagen
Mit der Lancierung der dritten Etappe der Roadmap Elektromobilität sind nun auch Lastwagen, leichte Nutzfahrzeuge und Busse des ÖV Teil der Roadmap. Die Akteure aus der Logistikbranche können so in dieser Initiative Erfahrungen austauschen, Wissen bündeln und gemeinsame Lösungen entwickeln. Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.energieschweiz.ch/roadmap-elektromobilitaet/ueber-die-roadmap/
Werfen wir noch einen Blick auf die Neuzulassungen von SNF im ersten Halbjahr 2026. Das zeigt weiterhin ein deutliches Wachstum bei den E-LKW. Kann man daraus schon Schlüsse ziehen für das Vollzugsjahr 2026?
Die Neuzulassungszahlen für das erste Halbjahr 2026 zeigen, dass die Importeure und die Transportunternehmen verstärkt auf E-LKW setzen. Inzwischen hat jeder vierte neue LKW einen Elektroantrieb. Generell gehen wir davon aus, dass die Zielwerte auch 2026 grösstenteils eingehalten werden können. Bezüglich der zu erwartenden Sanktionen für das laufende Vollzugsjahr kann ich aber noch keine belastbaren Prognosen stellen. Bereits einzelne Importeure können die Sanktionszahlen deutlich erhöhen oder vermindern. Interessant wird sein, ob der Abtretungsmarkt im laufenden Jahr stärker genutzt wird als im Vorjahr. Dies könnte insbesondere für kleine Importeure eine Möglichkeit zur Sanktionsvermeidung sein und einen entsprechenden Einfluss auf den totalen Sanktionsbetrag haben.
Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Bild: Shutterstock; Michael Derrer Fuchs; Asset-ID: 2426313455




Noch keine BewertungenMobil unterwegs, aber energieeffizient: Wo sind die Herausforderungen?
Kein Sektor verursacht in der Schweiz mehr Treibhausgase als der Verkehr. Der Grund: 90% der benötigten Energie stammt aus fossilen Quellen im Ausland. Wenn die Schweiz das Netto-Null-Ziel beim Verkehr erreichen will, muss zukünftig erneuerbare Energie statt Benzin oder Diesel Autos, Busse und Lastwagen antreiben. Weiterlesen




3 Vote(s), Durchschnitt: 3,67Die Schweiz ist eng in das europäische Stromsystem eingebunden. Rechtlich gehört sie aber nicht zum Strombinnenmarkt der EU. Das schafft zunehmend Kosten und Risiken bezüglich Versorgungssicherheit und Sicherstellung des stabilen Betriebs der Stromnetze. Das geplante Abkommen mit der EU sichert die Einbindung der Schweiz ins europäische Stromsystem ab und stärkt den Handel und den Austausch von Strom in Europa. Weiterlesen




2 Vote(s), Durchschnitt: 5,00Strömende Kraft: Wie Wasserkraft die Stromversorgung der Schweiz prägte und auch künftig prägen wird
Die Nutzung der Wasserkraft in der Schweiz hat eine lange Tradition. Schon die Römer betrieben damit ihre Getreidemühlen. Heute macht sie knapp 60% der schweizerischen Stromproduktion aus. Doch wie kam die Wasserkraft zu ihrer wichtigen Rolle in der Stromversorgung der Schweiz?
Was ist Wasserkraft?
In der Schweiz wird zwischen Gross- und Kleinwasserkraft unterschieden. Grosswasserkraftwerke haben eine Leistung von mehr als 10 Megawatt (MW) und verfügen häufig über grosse Staumauern. Sie produzieren rund 90% des Stroms aus Wasser. Kleinwasserkraftwerke mit weniger als 10 MW tragen die restlichen 10% bei.
Die Wasserkraftwerke lassen sich weiter in drei verschiedene Typen einteilen. Es gibt Laufwasserkraftwerke, die an Bächen und Flüssen liegen und die ständig fliessendes Wasser zur Stromproduktion verwenden. Sie unterliegen starken saisonalen Schwankungen. Die Speicherkraftwerke wiederum können ihre Stromerzeugung dem aktuellen Bedarf anpassen. In Speicherseen, die sich meistens in alpinen Gebieten befinden, wird Wasser zurückgehalten und bei Bedarf für die Stromproduktion genutzt. Die grosse Stärke von Speicherkraftwerken ist, dass Wasser saisonal gespeichert werden kann und somit in den Wintermonaten für die Stromproduktion zur Verfügung steht. Das macht sie essenziell für die schweizerische Winterstromproduktion. Schliesslich gibt es noch die Pumpspeicherkraftwerke, die im Gegensatz zu den Speicherkraftwerken noch über ein weiteres, tiefer liegendes Wasserreservoir verfügen. In Situationen, in denen ein Stromüberschuss herrscht, kann mittels Pumpen das Wasser im unteren Reservoir in das obere gepumpt werden. Mit diesem Wasser kann dann erneut Strom produziert werden. Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke tragen einen wesentlichen Teil zur Stromnetzstabilität bei.
Von Getreidemühlen, Webmaschinen und dem ersten Licht in der Schweiz
Bereits die Römer nutzten die Kraft des Wassers, um grosse Mühlesteine in Getreidemühlen anzutreiben. Der Vorteil war, dass sich mit wasserbetriebenen Mühlen erheblich mehr Korn mahlen liess als von Hand. In Cham-Hagendorn im Kanton Zug wurde 1944 die erste römische Mühle in der Schweiz entdeckt. Die archäologischen Untersuchungen haben ergeben, dass sie zwischen 185 und 195 n.u.Z. erstellt worden ist, womit sie eine der frühsten Beweise für die Wasserkraftnutzung in der Schweiz ist.
In der Phase der Frühindustrialisierung der Schweiz wurde die Wasserkraft für den Antrieb von Spinnereien und Webmaschinen gebraucht. Dagegen setzte die Nutzung der Wasserkraft für die Stromproduktion erst deutlich später ein. Als Johannes Badrutt, ein Schweizer Hotelier, nach seinem Besuch an der Pariser Weltausstellung 1878 in seine Heimat nach St. Moritz zurückkehrte, erzählte er fasziniert von seinen Erlebnissen und der an der Weltausstellung präsentierten elektrischen Beleuchtungsanlage. Badrutt wollte diese neuartige Technologie in die Schweiz bringen und schliesslich brannte am 18. Juli 1879 im Speisesaal des Hotel Kulms das erste elektrische Licht in der Schweiz, angetrieben von einer Wasserturbine.
Die Wasserkraft in der Schweiz im 20. Jahrhundert
Die erste Phase der schweizerischen Stromerzeugung war geprägt von Kleinwasserkraft und von kommunal betriebenen Elektrizitätswerken. Mit dem Aufkommen von neuen Technologien, die den Stromtransport ermöglichten und später erleichterten, begann sich die Produktion und Nutzung der elektrischen Energie räumlich zu trennen. 1898 wurde in Rheinfelden im Kanton Aargau das erste grosse Wasserkraftwerk der Schweiz, und gleichzeitig eines der ersten und grössten in Europa, erbaut. Das Wasserkraftwerk Rheinfelden, an der deutsch-schweizerischen Grenze, legte den Grundstein für ein länderübergreifendes Stromnetzwerk.
Auch politisch rückte die Wasserkraft ins Zentrum: die erste energiepolitische Volksabstimmung in der Schweiz betraf wenig überraschend die Wasserkraft. Das Schweizer Stimmvolk nahm am 25. Oktober 1908 den direkten Gegenentwurf mit dem Titel «Bundesbeschluss betreffend die Aufnahme eines Zusatzartikels 24bis in die Bundesverfassung betreffend die Gesetzgebung des Bundes über die Nutzbarmachung der Wasserkräfte und über die Fortleitung und die Abgabe der elektrischen Energie» mit 84.4% der Stimmen an. Hinter dem sehr langen und umständlichen Titel zur Änderung der Bundesverfassung stand die Erkenntnis, dass der Bund mit dem zunehmenden Ausbau der Wasserkraft erste Gesetze erlassen sollte. Es hatte sich gezeigt, dass bei der Nutzung von Flussläufen zur Stromproduktion oft das Interesse mehrerer Kantone miteinander konkurrierte und dass die kantonalen Vorschriften als nicht ausreichend angesehen wurden. Schliesslich befürchtete der Bund, dass sowohl in- als auch ausländische Privatunternehmen von der günstigen Schweizer Wasserkraft profitieren könnten. Aus diesen Gründen sah sich der Bundesrat dazu veranlasst, die Nutzung der Wasserkraft besser zu regulieren.
Die Phase nach dem Zweiten Weltkrieg bis ungefähr 1970 war von einem intensiven Ausbau der Wasserkraft geprägt, um die schweizerische Energieautarkie zu stärken. Dies war vor allem auch darauf zurückzuführen, dass in dieser Zeit die Stromnachfrage stark stieg, attraktive ökonomische Rahmenbedingungen Anreize für die Realisierung von neuen Wasserkraftwerken lieferten und dass neben der Wasserkraft keine konkurrenzfähige Alternativenergie existierte. So wurde im Kanton Wallis von 1951 bis 1965 die Staumauer Grande Dixence errichtet, die höchste Gewichtsstaumauer der Welt. Zeitgleich wurde von 1954 bis 1969 die Staumauer Mattmark im Saastal, ebenfalls im Kanton Wallis, gebaut. Die gleichzeitige Errichtung von zwei so grossen Energieinfrastrukturprojekten führte zu einem akuten Arbeitermangel, weshalb die Rekrutierung von ausländischen Arbeitern, hauptsächlich aus Italien, begann. Am 30. August 1965 kam es während den Arbeiten am Staudamm Mattmark zur grössten Katastrophe auf einer Baustelle in der Geschichte der Schweiz. Nach einem Gletscherabbruch wurden die Arbeiter vor Ort verschüttet, insgesamt 88 Menschen starben, davon waren 56 italienische Gastarbeiter.
Wasserkraft in der Energiestrategie 2050
Gemäss der Energiestrategie 2050 des Bundesamtes für Energie (BFE) trägt die Wasserkraft bereits heute den Grossteil zur Schweizer Stromversorgung bei und soll laut dem Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien noch stärker ausgebaut werden. Seit 2000 ist die Stromproduktion aus Wasserkraft kontinuierlich gestiegen, was auf den Neubau von Anlagen und Erweiterungen sowie Optimierungen bestehender Anlagen zurückzuführen ist. Im Jahr 2035 soll die durchschnittliche Produktion gemäss dem im Energiegesetz verankertem Zielwert bei 37’900 Gigawattstunden (GWh) betragen.
Zur Stärkung der Versorgungssicherheit im Winter soll laut dem Bundesgesetz für eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien bis 2040 ein Zubau von Kraftwerken zur Erzeugung von erneuerbarer Energie von mindestens 6 Terrawattstunden (TWh) realisiert werden. Davon müssen im Winter mindestens 2 TWh sicher abrufbar sein. Der Ausbau setzt prioritär bei den Speicherwasserkraftwerken an, um dieses Ziel zu erreichen. Aus diesem Grund identifizierten Vertreterinnen und Vertreter der Energiewirtschaft, der Kantone und von Naturschutzorganisationen an einem vom Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) 2021 organisierten Runden Tisch eine Liste mit 15 Speicherwasserkraft-Projekten.

Christian Dupraz, Leiter der Sektion Wasserkraft im Bundesamt für Energie (BFE).
Um eine Einschätzung zu erhalten, wo die Wasserkraft heute steht und welche Herausforderungen die Zukunft für sie bringt, haben wir uns bei unserem zuständigen Leiter für Wasserkraft, Christian Dupraz, erkundigt.
Energeiaplus: Wo liegen die grössten Chancen, damit Wasserkraft ihre Rolle als Systemstütze auch künftig erfüllen kann?
Die grössten Chancen für die Wasserkraft liegen in ihrer Flexibilität, und zwar über alle Zeitspannen hinweg. Die Wasserkraft gleicht in einer kurzen Frist Schwankungen im Sekundenbereich aus und stabilisiert die Frequenz, auf der anderen Seite ermöglichen die Speicherseen eine saisonale Umlagerung und damit eine Reserve für die versorgungskritische Zeit im Winter.
Wie stark beeinflusst der Klimawandel bereits heute die Produktion von Wasserkraft?
Am stärksten macht sich der Klimawandel in der Schweiz durch den Rückgang der Gletscher bemerkbar. Dieser führt bei den hochalpinen Kraftwerken zu einem deutlichen Überschuss an Sommerzuflüssen und damit zu einer überdurchschnittlichen Produktion im Vergleich zur ursprünglichen Anlagenauslegung.
Was erwarten Sie langfristig: mehr Schwankungen, eine Verschiebung der Wasserkraftproduktion in den Winter oder ein generelles Rückgangsrisiko der Wasserkraft?
Einigkeit besteht, dass die Zuflussregime sich stärker in den Winter verschieben, insbesondere, da Schnee zunehmend nur in den Höhenlagen lange liegen bleibt. Wie anhand der Gletscher dargelegt, wird – nachdem diese eine neue Gleichgewichtslage gefunden haben (also verschwunden sind oder nicht mehr weiter zurückschmelzen) – dieses Überschusswasser fehlen und daher die Produktion etwas zurückgehen. Aussagen zur Entwicklung der Variabilität sind mit noch höheren Prognoseunsicherheiten verbunden.
Wo sehen Sie realistisches Ausbaupotenzial in der Schweiz – eher bei Speicherwerken, Laufwasserkraft oder Pumpspeichern?
Das Ausbaupotenzial ist nicht mehr sehr gross, jedoch ist in allen Bereichen noch Potenzial vorhanden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Speicherausbau, damit die Versorgungssicherheit im Winter gestärkt und das Ziel von mindestens 2 TWh neuem Speicher erreicht wird. Wir haben aber auch Produktionsziele, zu denen der Speicherausbau kaum beiträgt, weshalb es auch neue Laufwasserkraftproduktion braucht. Ein aktuelles Projekt in diesem Bereich ist die neue Zentrale Massongex-Bex, die in den nächsten Jahren gebaut werden soll. Nachdem im Bereich Pumpspeicher seit 2015 zwei grosse Neuanlagen in Betrieb gegangen sind, war hier grössere Zurückhaltung zu sehen, weil die Investitionen in den ersten Jahren nicht wirtschaftlich waren. Angesichts des geplanten Zubaus ist auch hier zu erwarten, dass Projektanten neue Projekte an die Hand nehmen.
Was ist der aktuelle Stand bezüglich den 15 Speicherwasserkraft-Projekten des Runden Tisches?
Es sind 16 Projekte, 15 Projekte im Anhang und ein Projekt im Artikel 9a selbst. Das Bundesamt für Energie (BFE) verfolgt diese Projekte seit mehreren Jahren. Im letzten Jahr hat das UVEK informiert, dass bis 2040 voraussichtlich nicht alle Projekte realisiert werden können. Einige Projekte sind bereits im Bewilligungsverfahren und weiter fortgeschritten. Andere Projekte sind noch in der Abklärung, es zeigt sich aber, dass sie im Umfang verkleinert oder nicht realisiert werden können. Aktuell sind die beteiligten Bundesämter daher daran, die Liste zu überprüfen, was zu einem allfälligen Ergänzungsvorschlag mit neuen Projekten führen könnte.
Wie sieht die Schweizer Wasserkraft im Jahr 2050 aus?
Sehr ähnlich wie heute. Wir haben sicher einige neue Zentralen, aber wir haben aktuell bereits einen sehr grossen Zentralenstock. Bei den Besitzverhältnissen wird sich 2050 einiges getan haben. Mit den Konzessionserneuerungen werden die Standortkantone und Gemeinden sicher grössere Anteile an den Kraftwerken übernehmen. Zudem werden die Kraftwerke bis 2050 noch nachhaltiger sein, da einerseits mit der Konzessionserneuerung die Restwassermengen angepasst werden und andererseits bis dahin auch die Massnahmen zur ökologischen Sanierung der Wasserkraft umgesetzt sind.
Die Zukunft der Wasserkraft
Wasserkraft hat die Energiegeschichte der Schweiz geprägt wie kein anderer Energieträger. Sie entstand aus einfachen Mühlen, entwickelte sich zu grossen Infrastrukturprojekten und bildet heute das Rückgrat der Schweizerischen Stromproduktion. Auch in Zukunft wird sie eine Schlüsselrolle spielen: als flexible Winterenergie, als Speicher für Stromspitzen und als verlässliche Säule eines klimaneutralen Energiesystems. Die Schweiz baut damit auf eine Energiequelle, die seit Jahrtausenden fliesst und auch in den kommenden Jahrzehnten Richtung Zukunft weist.
Dieser Blogbeitrag über die Wasserkraft ist der Dritte in der Blogreihe über die Geschichte der erneuerbaren Energien mit dem Fokus auf die Schweiz. Den ersten Blogbeitrag über die Geothermie finden Sie hier und den zweiten über die Windenergie hier. Mehr zur Geschichte der erneuerbaren Energien erfahren Sie im kommenden Beitrag über die Photovoltaik.
Mattia Pesolillo, Hochschulpraktikant Kommunikation, Bundesamt für Energie (BFE)
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