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Die Bioenergie ist ein Alleskönner. Es gibt zahlreiche Substrate und bereits etablierte Konversionspfade, welche Biomasse in Strom, Wärme und Treibstoff umwandeln können. Dabei gibt es viele Ideen, wie Prozesse optimiert, aber auch neue Technologien getestet werden können. An der 5. Bioenergieforschungstagung vom 9. Mai 2019 wurden einmal mehr die Bandbreite der möglichen Anwendungen, die noch offenen Fragen und auch die damit verbundenen Herausforderungen sichtbar.

In einem ersten Themenblock sind neue Konzepte und Anwendungen vorgestellt worden. Als neuer Ansatz wurden beispielsweise bioelektrische Systeme diskutiert, welche sich in der Abwasserreinigung wunderbar ergänzen. Im Bereich Abwasserreinigung kann die mikrobielle Brennstoffzelle zur Energieeinsparung im Belüftungsbecken beitragen und gleichzeitig Energie für die mikrobielle Elektrolysezelle liefern, welche die anschliessende Methanisierung des Klärschlamms vorantreiben kann. Neben technologiespezifischen Ansätzen wurden auch Systemanalysen präsentiert. Der Vortrag «Kohlenstoffströme in einer nachhaltigen Energieversorgung» hat anhand eines Modells erläutert, wie hoch eine CO2-Abgabe sein müsste, um einen Anreiz für den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien zu setzen. Dabei war klar ersichtlich, dass die modellierte CO2-Abgabe stark vom fossilen Rohstoff abhängig ist (Benzin: 370 CHF/tCO2; Erdgas 750 CHF/tCO2).

Ein weiterer Themenblock hat sich mit neuen Technologien im Pilotmassstab beschäftigt. Das Power-to-Gas Konzept war dabei mit zwei Projekten prominent vertreten. Dabei wurde veranschaulicht, dass es verschiedene Ansätze bezüglich Systemeinbindung, Methanisierungstechnologie, etc. gibt. Die Anlagenkomplexität und die Einbindung in das Gesamtenergiesystem werfen jedoch noch viele offene Fragen auf (z.B. bezüglich Anlagenwirkungsgrad, Teillastverhalten, Betriebskosten, etc.).

Im dritten Themenblock der Tagung wurden themenübergreifende Fragen im Bereich Energie und Klima diskutiert. Dabei ging es um die Treibhausgasemissionen von Recyclingdüngern und landwirtschaftlichen Biogasanlagen. Es hat sich gezeigt, dass die Messmethodik in beiden Fällen sehr aufwändig ist. Bei der Bestimmung der Emissionen von Recyclingdüngern sind Langzeitversuche unabdingbar. Bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen kann es bei schlechtem Betrieb und Unterhalt der Anlage zahlreiche mögliche Methanemissionsquellen geben. Hier gilt es, Aufklärungsarbeit zu leisten, Empfehlungen abzugeben und Minderungsmassnahmen einzuleiten.

Die Bioenergietagung hat einmal mehr verdeutlicht, dass es an Visionen und Ideen nicht mangelt. Neue Ansätze aus den Laboren schaffen durchaus auch den Sprung zur Pilotanlage und damit in Richtung Kommerzialisierung.

Sandra Hermle, Programmleiterin Forschungsprogramm Bioenergie, BFE

Titelbild: HES-SO Sion

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