Teilen ist das neue Besitzen: Das gilt ganz besonders für die Mobilität. Die roten Mobility-Fahrzeuge sind präsent im Strassenverkehr. Velos und Scooter stehen in vielen Städten zum Ausleihen bereit. Die neue Plattform sharedmobility.ch bündelt erstmals die verschiedenen Angebote – für alle frei zugänglich. Wo eine Fahrgelegenheit verfügbar ist, zeigt die Plattform in Echtzeit an.

Energeiaplus hat bei zwei Anbietern nachgefragt, warum sie auf sharedmobility vertreten sind und was sie sich von der neuen Plattform versprechen.

Publibike ist einer von rund zehn Bike-sharing-Anbietern. 5000 Fahrzeuge (E-Bikes und normale Velos) stehen in 8 Schweizer Städten an 500 Standorten zur Verfügung. Wer ein Velo ausleihen möchte, muss sich zunächst registrieren. Via App oder mit dem Swisspass lässt sich das Velo dann «mieten».

Thomas Hug, Leiter Geschäftsentwicklung, PubliBike

Energeiaplus: Die Publibike-App zeigt an, ob an der gewünschten Station ein freies Fahrrad steht. Thomas Hug, warum ist Publibike auch auf sharedmobility.ch vertreten?

Um die Mobilität nachhaltig zu verändern ist es wichtig, dass die Bevölkerung über die vielfältigen Angebote, die ihr zur Verfügung stehen, Bescheid weiss. Da diese Angebote oft regional unterschiedlich sind, macht es Sinn, dass man diese der Einfachheit halber auf einer Plattform bündelt.

Was versprechen Sie sich davon?

Mit rund 150’000 Nutzerinnen und Nutzern haben wir bereits eine breite Stammkundschaft gewonnen. Wir arbeiten auch mit verschiedenen Unternehmen zusammen, die ihre Mitarbeitenden darin unterstützen, ihren Arbeitsweg vermehrt auf dem Velo zurückzulegen. Die sharedmobility.ch-Plattform gibt uns die Möglichkeit, Leute anzusprechen, die diese sharing-Angebote noch nicht kennen. Zudem: Um diese Form der Mobilität zu stärken, braucht es Anbieterübergreifende Plattformen.

Der Bund unterstützt die Plattform sharedmobility.ch über das Programm EnergieSchweiz. Warum ist das in Ihren Augen sinnvoll?

Shared Mobility hat das Potenzial, unsere Gewohnheiten stark zu verändern. Es erscheint mir sinnvoll, wenn sich der Bund frühzeitig mit diesen Angeboten auseinandersetzt und gemeinsam mit Anbietern in die Zukunft geht.

Sehen Sie Potenzial für eine Weiterentwicklung von sharedmobility.ch?

Auf der App von Publibike kann man zum Beispiel auch die Akkustände der E-Bikes abrufen. Das zeigt die Plattform sharedmobilitiy.ch derzeit nicht an. Interessant könnte es auch sein, historische Daten darzustellen. So könnte man sehen, wo und wann die Fahrzeuge normalerweise verfügbar sind. Weiter könnte es von Nutzen sein, wenn man die Karte nach Fahrzeug und Anbieter filtern könnte.

Auf sharedmobility.ch findet man auch die Standorte der E-Trottinette-Anbieter. Einer davon ist Voi. Der schwedische Anbieter verleiht seine Scooter in verschiedenen Ländern, in der Schweiz derzeit in den drei Städten Basel, Zürich und Winterthur mit total 1500 Scootern. Bald soll Bern dazu kommen.

Jasmin Rimmele von voi scooters

Energeiaplus: Jasmin Rimmele, die Standorte der Voi-Scooter findet man auch auf der neuen sharedmobility.ch Plattform. Warum?

Mobilitätsplattformen sind ein wichtiger Bestandteil, um die Verkehrswende voranzutreiben. Wir verstehen uns als Teil der urbanen Mobilität und als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. In der Schweiz arbeiten wir eng mit den SBB zusammen. Wir sind dort in die Applikationen Smart und Yumuv integriert. Kundinnen und Kunden können direkt über diese App buchen und bezahlen.

63 Prozent unserer Schweizer Nutzerinnen und Nutzer geben an, das Voi Trottinette in Kombination mit dem ÖV zu nutzen. Wir hoffen, dass wir diese Nutzungszahlen noch ausbauen können.

Was versprechen Sie sich von der neuen sharedmobility.ch Plattform?

Standorte und Verfügbarkeit der Fahrzeuge sind so öffentlich einsehbar. Durch solche Open Data Lösungen können sie in andere Mobilitätsplattformen integriert werden. Das ist ein wichtiger Schritt, um unser Angebot für Nutzerinnen und Nutzer, aber auch für Städte- und Forschungspartner transparenter zu gestalten.

E-Scooter sind im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln noch sehr neu.

Stakeholder haben so die Möglichkeit, das Angebot zu nutzen und zu erforschen, ohne sie direkt in Anspruch nehmen zu müssen.

Gleichzeitig erhoffen wir uns, dank der Plattform auch neue Kundinnen und Kunden anzusprechen. Aktuell sind zwei Drittel unserer Kundinnen und Kunden zwischen 19 und 39 Jahre alt. Da sehen wir auch noch Potenzial zum Wachsen.

Wie sinnvoll ist es, dass sich der Bund für Shared Mobility einsetzt?

Wir haben auf europäischer Ebene sehr wenig Datengrundlagen. In vielen Fällen kommt es daher zu Überregulierung, weil Entscheidungsträger die Kriterien für Charakteristika und Vorteile von E-Trottinetten respektive geteilter Mikromobilität fehlen. Daten machen klar, wo Nachfrage besteht und geben Aufschluss darüber, welche Infrastrukturprojekte vorangetrieben werden müssen, um die Sicherheit auf den Strassen zu garantieren.

Wie sollte die Plattform in Ihren Augen weiter entwickelt werden?

Unsere Idealvorstellung wäre eine digitale Verkehrsplanungs-Plattform aus öffentlicher Hand, über die sich jeder Weg von A nach B planen und multimodal abwickeln lässt. Wir sind überzeugt, dass so etwas auf Dauer alternativlos sein wird.

Und eben: Eine tiefere Auseinandersetzung mit den Daten auf der kommunalen Ebene in Bezug auf Infrastruktur und Aufklärung.

Wer ist alles dabei auf sharedmobility.ch

Aktuell zeigt sharedmobility.ch die Verfügbarkeit und Standorte folgender Shared Mobility-Anbieter: AirBie, Bird, BOND, Carvelo2go, DonkeyRepublic, edrive carsharing, Mobility, Nextbike, Pick-e-Bike, PubliBike, Rent a Bike, Voi und Zisch.

Weitere interessierte Anbieter von Shared Mobility können sich laufend anschliessen. Ziel ist es, auf der Plattform möglichst rasch alle in der Schweiz verfügbar zu machen.

Die Plattform wurde von EnergieSchweiz unterstützt.

Die Interviews führte Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

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