In der Schweiz sind immer mehr Elektro-Haushaltsgeräte im Einsatz. Dennoch: Der Stromverbrauch ist seit 2002 zurückgegangen. Der Grund: Geschirrspüler, Kühlschrank oder Wäschetrockner werden immer effizienter. Das zeigt die Energieeffizienz-Analyse von Elektrogeräten, die das Bundesamt für Energie kürzlich publiziert hat.

1990 verbrauchte ein typischer Kühlschrank 400 kWh pro Jahr. 30 Jahre später ist es weniger als halb so viel. Diese Information erhält, wer im Internet die unabhängige Plattform topten.ch anklickt, die Geräte nach Energieeffizienz, Umweltbelastung und Qualität bewertet.

Trotz deutlich höherer Energieeffizienz: Kühlschrank und Tiefkühler sind die grössten Stromverbraucher im Haushalt, gefolgt von Elektroherd und Backofen, so die Energie-Effizienz-Analyse des BFE. Was besonders auffällt im Haushalt: Die Verdoppelung der Wäschetrockner seit 2002 und damit verbunden eine deutliche Zunahme des Stromverbrauchs.

«Der Kühlschrank ist ein Arbeitstier.»

Gerade bei Kühlschränken oder Tiefkühlern sei die Sensibilisierung für energieeffiziente Geräte bei den Käuferinnen und Käufern sehr hoch, sagt Marcel Niederberger, Leiter Nachhaltigkeit bei V-Zug. V-Zug gehört zu den führenden Herstellern von Elektro-Geräten für Küche und Waschraum. «Ein Kühlschrank ist ein Arbeitstier.» Sie laufen 24 Stunden pro Tag, 365 Tage im Jahr. Da sei der Stromverbrauch ein wichtiges Kriterium.

Allerdings: Die effizientesten Geräte sind nicht per se jene, die am meisten verkauft werden, sagt der V-Zug-Nachhaltigkeitsbeauftragte. Denn: Energieeffiziente Geräte seien eher teurer, auch weil sie auch sonst einen höheren Standard bieten und mehr Funktionen aufweisen.

Bei gewissen Geräten stehe die Effizienz aber nicht an vorderster Stelle, hat Marcel Niederberger festgestellt. Design und Funktionalität seien ebenso relevant. Er nennt als Beispiel die Dunstabzugshaube. Für den Kaufentscheid sei da wichtig, wie leicht sich das Gerät reinigen lasse oder wie geräuscharm es sei.

Privatpersonen setzten auf Nachhaltigkeit

Energieeffizienz sei ein Kriterium, das stetig an Bedeutung gewinnt, heisst es auch bei Electrolux. Der schwedische Konzern ist ebenfalls ein bedeutender Hersteller von Elektro-Haushaltgeräten. Insbesondere bei institutionellen Käufern und Investoren spiele der Preis jedoch noch immer eine entscheidende Rolle, sagt Marius Rübenacker, Product Line Manager von Electrolux. Privatpersonen hingegen würden zunehmend die Nachhaltigkeit höher gewichten als den Preis, dies nicht zuletzt auch, weil der Kauf von Kühlschrank oder Waschmaschine eine langfristige Investition sei.

Gemäss Electrolux gibt es durchaus Unterschiede bei den verschiedenen Geräten. Bei Geschirrspülern sei Energieeffizienz besonders gefragt. «Rund zwei Drittel aller verkauften Electrolux Geräte gehören der höchsten Klasse A+++ an.» Bei den Wäschetrocknern sei jedes zweite verkaufte Electrolux-Gerät ein A+++-Gerät, bei den Kühlgeräten noch rund ein Drittel. Bei den Waschmaschinen sind mittlerweile fast ausschliesslich A+++-Geräte auf dem Markt – dank der technologischen Entwicklung.

Eine Anpassung der Energieetiketten war deshalb angezeigt. Die neue Etikette gilt ab März 2021 für alle Haushaltgeräte wie Waschmaschinen, Waschtrockner (Waschen und Trocknen in einem Gerät), Geschirrspüler, Kühlgeräte und Weinkühlschränke und weist neu wieder die ursprünglichen Klassen von A bis G auf, ohne +-Erweiterungen. Vorderhand wird kein Gerät der besten Energieklasse zugeteilt.

Energieetikette treibt Forschung voran

Das Ziel: Die neue Energieetikette soll wieder für mehr Transparenz beim Kaufentscheid sorgen. Auch die beiden Haushaltsgeräte-Hersteller sehen darin Vorteile: «Wir sehen die neue Energieetikette als wichtigen Treiber für die Forschung und Weiterentwicklung noch energieeffizienterer Haushaltsgeräte», sagt Marius Rübenacker von Electrolux.

Bei der Einteilung in die entsprechende Energieeffizienzklasse geht man von einem Normverbrauch aus. Der tatsächliche Energie-Verbrauch kann aber davon abweichen. Oder anders gesagt: Es hängt auch von der konkreten Nutzung ab, ob die Energieeffizienz voll zum Tragen kommt.

Für Marcel Niederberger von V-Zug bietet die Digitalisierung hier eine Chance, Einfluss auf das Nutzerverhalten zu nehmen. Stichwort Smart Home: Wird eine Waschmaschine ins Heimnetzwerk integriert, sieht man, wann das Gerät im Einsatz ist. So könne man den NutzerInnen auch Tipps zum ressourcenschonenden Einsatz des Geräts geben.

 

IT, Büro – und Unterhaltungselektronik:

Computer, Fernsehgeräte, Set-Top-Boxen: Die Zahl der IT, Büro-und Unterhaltungselektronik-Geräte ist seit 2000 stark gewachsen. Total 28,5 Millionen Geräte waren es 2019. Obwohl sie mehr leisten und länger im Einsatz sind, sank der Energieverbrauch im selben Zeitraum um 42,8%.

Der technologische Fortschritt, aber auch Förderprogramme für Energieeffizienz (EnergyStar, Stand-by-Initiativen) und neue Mindestanforderungen (beim Stand-by-Verbrauch z.B.) haben dazu geführt.

Sonderfall TV:

Die Energieetikette verliert beim Kaufentscheid an Einfluss. Seit 2015 ist der Anteil an verkauften A+ und A++-TV-Geräten zurückgegangen, dafür wurden mehr A und B-Geräte gekauft. Der Grund: Gefragt sind Geräte mit grossen Bildschirmen und einer hohen Bildauflösung und mit zusätzlichen Funktionen. Diese Geräte verbrauchen mehr Energie pro Fläche. Dennoch: Seit 2000 haben die Fernsehgeräte punkto Energieeffizienz einen grossen Sprung gemacht.

Brigitte Mader, Kommunikation Bundesamt für Energie

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2 Kommentare
    • energeiaplus
      energeiaplus sagte:

      Wir danken Ihnen für Ihr Interesse an der Entwicklung der Energieeffizienz. In der Tat wurde in der Studie ein Rebound-Effekt im Sinne einer verstärkten Nutzung von Elektrogeräten, insbesondere bei elektronischen Geräten (z. B. Laptops), berücksichtigt.

      Die Aspekte der Reparierbarkeit, der Verfügbarkeit von Ersatzteilen oder der Ausfallrate von Geräten wurden jedoch nicht untersucht. Diese Aspekte werden jedoch ab 1.3.2021 in den neuen europäischen Ecodesign-Richtlinien angesprochen, auf welchen die Energieeffizienzverordnung (EnEV) für serienmässig hergestellter Geräte basiert. Dies hauptpsächlich für Gerätekategorien, die auch in der oben genannten Studie analysiert wurden.

      Markus Bleuer, Fachspezialist Geräte, Bundesamt für Energie

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