Deutschland will Wasserstoff als Energieträger Schub verleihen. Allein 900 Millionen Euro setzt die Bundesregierung ein für Wasserstoff-LKWs. Und die Schweiz? Da nimmt der Wasserstoff auf Schweizer Strassen langsam Fahrt auf.

Bis Ende 2020 soll man zwischen Genfer- und Bodensee an sechs neuen Tankstellen Wasserstoff tanken können. Das ist der Plan des Fördervereins H2 Mobilität Schweiz. Akteure aus der Transportbranche sowie Tankstellenbetreiber haben 2018 diesen Verein gegründet, mit dem Ziel, die Wasserstoff-Mobilität in Gang zu bringen. Bis jetzt sind zwei Wasserstoff-Tankstellen in Betrieb – eine in Hunzenschwil AG, eine bei der Empa in Dübendorf.

Erfahrungen mit Wasserstoff-LKWs hat der Detailhändler Coop. Coop hat seit 2016 den weltweit ersten solchen Lastwagen im Einsatz. In Zukunft sollen Wasserstoff-LKWs auf Schweizer Strassen keine Ausnahme mehr sein. Die Schweizer Firma H2energy will zusammen mit dem koreanischen Hersteller Hyundai bis 2025 1600 Lastwagen in Verkehr bringen.

Personenwagen, die mit Wasserstoff fahren, sind noch eine Seltenheit. Seit 2015 wurden rund 100 Brennstoffzellenfahrzeuge neu zugelassen. Aber auch das wird sich wohl mit dem Ausbau der Tankstelleninfrastruktur ändern, und wenn die Auswahl an verfügbaren Serienfahrzeugen zunimmt.

Wie funktioniert ein Wasserstoff-Auto?
Wasserstoff ist eine klimafreundliche Alternative zu Benzin oder Diesel. Um den Wasserstoff herzustellen, wird Wasser in einem Elektrolyseur mit erneuerbarem Strom in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.
In den Brennstoffzellen im Auto entsteht aus Wasserstoff und Luft Strom, der für den elektrischen Antrieb des Fahrzeugs genutzt wird. Als Restprodukt entsteht wiederum Wasserdampf. Der Kreislauf schliesst sich, ohne dass zusätzliche Emissionen entstehen.

Grün ist dieser Wasserstoff allerdings nur, wenn er mit erneuerbarer Energie produziert wird. Das passiert z.B. in Gösgen beim Wasserkraftwerk. Es ist die schweizweit grösste Elektrolyseanlage zur Herstellung von klimafreundlichem Wasserstoff.

Pro Jahr werden in der Anlage rund 300 Tonnen Wasserstoff produziert. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 40 bis 50 LKWs oder rund 1700 Personenwagen. Bei der Wasserstofftankstelle in Hunzenschwil kostet ein Kilogramm Wasserstoff rund 10 Franken und der gefahrene Kilometer kommt damit etwa gleich teuer wie mit Benzin oder Diesel.

Der Wasserstoff wird von den Elektrolyseanlagen in speziellen Containern zu den Tankstellen gebracht. Der erste solche Wasserstoff-Container wurde kürzlich das erste Mal zum Transport von Gösgen nach St. Gallen eingesetzt, wo eine neue Wasserstoff-Tankstelle – die erste in der Ostschweiz – noch diesen Sommer in Betrieb gehen soll.

Die Schweiz nimmt punkto Wasserstoff-Mobilität im Schwerverkehr eine Vorreiterrolle ein. Private Akteure haben dabei den Lead übernommen. Das Bundesamt für Energie BFE hat verschiedene Projekte unterstützt, z.B. die Wasserstofftankstelle in Hunzenschwil, den ersten Brennstofflastwagen oder die Pilotproduktion von erneuerbarem Wasserstoff aus Laufwasserkraft in Aarau.

Brigitte Mader, Kommunikation Bundesamt für Energie

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3 Kommentare
  1. Daniel Stüssi
    Daniel Stüssi sagte:

    Seien wir realistisch und ehrlich: Was Deutschland tut ist nur Wirtschaftsförderung für die (mächtige) Autoindustrie. Der Wirkungsgrad dieser Technologie ist schlussendlich schlechter als der von Benzin und Diesel. Die Infrastruktur kostet – unter Berücksichtigung der Wartungs- und Betriebskosten – deutlich mehr als beim Strom für das E-Mobil. Entweder schmeisst man diesem (schlechten) Geld künftig noch mehr (gutes) Geld hintennach oder es passiert das gleiche, wie beim Erdgasauto. Die industrie wird nur so lange dabei sein, wie es Fördergelder gibt. Der Markt wird sich so oder so in Richtung zur richtigen E-Mobilität entwickeln.

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  2. Hubert Kirrmann
    Hubert Kirrmann sagte:

    Es erstaunt, wie kritiklos das BFE diese Technologie propagiert. Heute wird Wasserstoff fast ausschliesslich aus Erdgas gewonnen. Wasserstoff ist nur umweltfreundlich, wenn es aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Da der Wirkungsgrad der Kette nur 30% ist, muss drei mal so viel Energie für den Antrieb aufgewendet werden als bei Batterien. Also, hier handelt es sich um ein Rückzugsgefecht der Erdölindustrie. Und haben Sie mal ein Wasserstofflastwagen im Winter gesehen? Wie eine Dampflok.

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  3. Laurenz Hüsler
    Laurenz Hüsler sagte:

    Wasserstoff ist mit Erneuerbaren wegen deren Wetterabhängigkeit und tiefem Erntefaktor nie sinnvoll herstellbar und als Betriebsmittel für Fahrzeuge ohne Zukunft.

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