Insgesamt 23’980 Wärmepumpen zum Heizen von Gebäuden wurden letztes Jahr verkauft und installiert – ein Rekord. Wärmepumpen boomen. Eine Erfolgsgeschichte also? So einfach ist es nicht.

In 90 Prozent der Neubauten sorgt eine Wärmepumpe für angenehme Temperaturen. Anders bei Umbauten oder, wenn die Heizung ersetzt wird. Da haben Wärmepumpen nach wie vor einen schweren Stand. In solchen Fällen wird immer noch häufig ein fossiles Heizsystem installiert. Bei Einfamilienhäusern beträgt der Marktanteil 49 Prozent, bei Mehrfamilienhäusern und Gebäuden, die nicht zum Wohnen sind, sind es gut 63 Prozent.

Schaut man den Gesamtbestand der Wärmepumpen an, sieht das Verhältnis zwischen fossiler und erneuerbarer Energie noch schlechter aus. Insgesamt stehen in den 2,3 Millionen Schweizer Gebäuden 285’281 Wärmepumpen. In den meisten Liegenschaften wird immer noch mit fossiler Energie geheizt, also mit Erdöl oder Gas.

Soll die Schweiz bis 2050 klimaneutral werden – für dieses Ziel hat sich der Bundesrat im August 2019 ausgesprochen – gibt es noch einiges zu tun. Gerade im Gebäudebereich. Der Gebäudesektor ist für 45 Prozent des Energieverbrauchs und für 33 Prozent der gesamten CO2-Emmissionen verantwortlich.

«Viel Luft nach oben»

Stephan Peterhans von der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) sagt es so: «Es gibt noch viel Luft nach oben.» Nachdenklich stimmen ihn dabei die Verkaufszahlen bei den Brennern. 2019 seien 27 Prozent mehr Brenner verkauft worden als 2018. Seine Erklärung: Wenn der Heizkessel noch einigermassen brauchbar sei, würden viele Hausbesitzer einfach den Brenner ersetzen. Das sei billiger als der Umstieg auf eine Alternative. Zudem verlängere sich damit die Lebensdauer der Ölheizung um weitere rund 10 Jahre.

«Zäh wie Öl»

Eine neue Studie der Zürcher Kantonalbank bestätigt dies: «Die grösste Herausforderung bezüglich der Erreichung der Klimaziele liegt bei den Altbauten. Hier gestaltet sich der Wechsel auf erneuerbare Energieträger noch immer zäh wie Öl.» Besonders schlecht sehe die CO2-Bilanz in den Städten aus, wo viele Altbauten stehen. 71 Prozent der Wohngebäude in den Städten werden mit Öl oder Gas geheizt. Laut ZKB-Studie muss der Wandel in den Städten erfolgen.

Allerdings: Will eine Hausbesitzerin ihre Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen, muss sie verschiedene Abklärungen treffen. Erdwärmesonden sind nicht überall möglich, da man sie in Grundwassergebieten nur eingeschränkt oder teilweise gar nicht installieren darf.

Das Kühlschrank-Prinzip

Wärmepumpen funktionieren wie ein Kühlschrank. Nur umgekehrt. Beim Kühlschrank entziehen die Blech-Lamellen an der Rückwand Wärme aus den Lebensmitteln und geben diese an die Umgebung ab. Bei der Wärmepumpe kommt die Wärme von der Umgebung – von Aussenluft, Boden oder Grundwasser. Die Wärme wird dann an das Heizungssystem weitergeleitet.
Die Wärmepumpe verbraucht also nicht eine Ressource, die endlich und nicht erneuerbar ist, sondern natürlich vorkommende Wärme.
Die heutigen Wärmepumpen haben bereits eine hohen Effizienz-Standard. Verbesserungen hat es in den letzten Jahren bei den Invertern gegeben. Weiteres Potenzial liegt unter anderem bei der Regulierung. Neue Chancen eröffnen sich zudem mit der Kombination von Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen.

Luft/Wasserpumpen können theoretisch überall installiert werden. In städtischen Gebieten müssen jedoch optische und lärmschutztechnische Auflagen eingehalten werden. Das erfordert eine sorgfältige Planung und Ausführung. Hinzu kommt, dass erneuerbare Heizsysteme oft auch ein Bewilligungsverfahren durchlaufen müssen. Eine Öl- oder Gasheizung auszutauschen, ist aus der Perspektive vieler Liegenschaftsbesitzer daher einfacher.

Dabei vergessen Immobilienbesitzer, dass die Anschaffung einer Wärmepumpe zwar teurer ist als eine Ölheizung, die Betriebskosten sind aber deutlich tiefer. Als Gesamtpaket schneidet die Wärmepumpe besser ab.

Anreiz Förderbeiträge

Für den Umstieg auf eine Wärmepumpen-Heizung können Hausbesitzerinnen und -besitzer Förderbeiträge beanspruchen. Je nach Kanton sind diese unterschiedlich hoch. Einen Schritt weiter geht der Kanton Basel-Stadt. Seit gut zwei Jahren gilt dort die Pflicht, ein erneuerbares System einzubauen, sofern die erneuerbare Lösung technisch möglich ist und für die Hauseigentümerschaft nicht zu Mehrkosten führt.

Welchen Einfluss haben die Corona-Krise und der derzeit tiefe Ölpreis? Das sei schwer einzuschätzen, sagt FWS-Geschäftsführer Stephan Peterhans. Die Verkaufszahlen von Wärmepumpen für die ersten drei Monate 2020 zeigen eine Zunahme. Peterhans geht aber davon aus, dass einige Hausbesitzer ihre Sanierung noch um ein Jahr hinausschieben und nochmals ihren Öltank füllen werden.

Einmal um die Erdkugel

Das sei nachvollziehbar, aber: Pro 1’000 Liter Heizöl werden etwa 2,7 Tonnen CO2 ausgestossen. Ein Einfamilienhaus verursacht somit schnell Emissionen von über 6 Tonnen CO2 pro Jahr, was etwa einer Autofahrt von 42’000 km entspricht – also einmal um die Erdkugel.

Wie man klimafreundlich heizen kann, zeigt das Programm «erneuerbar heizen» von EnergieSchweiz. Es bietet Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer die Unterstützung, die sie beim Heizungsersatz brauchen. EnergieSchweiz arbeitet dafür mit vielen Partnern, wie den Kantonen, Gebäudetechnik-Fachleuten, Heizungsinstallateuren, Heizungsherstellern oder Finanzinstituten wie Raiffeisen zusammen. Alle Informationen zum Programm finden Sie auf der Website erneuerbarheizen.ch: Heizkostenrechner, Impulsberatung, Information zu erneuerbaren Technologien und Aktuelles zu den Aktivitäten des Programms.

Brigitte Mader, Kommunikation Bundesamt für Energie

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 3 Vote(s), Durchschnitt: 4,67
Loading...
11 Kommentare
  1. Thomas Eiche
    Thomas Eiche sagte:

    Wir haben 2019 unsere Ölheizung durch eine Luft Wärmepumpe ersetzt. Erfahrung: wir mussten die Sanitäre regelrecht überreden uns statt wieder Öl eine Wärmepumpe anzubieten. Am Ende haben wir mit total 55’000 Franken für ein Einfamilienhaus auch viel zu viel bezahlt. Professionalität sieht anders aus. Die neue Heizung ist aber Top.

    Antworten
  2. Jürgen Baumann
    Jürgen Baumann sagte:

    Das ist eine gute Nachricht in diesen Corona geplagten Zeiten. Denn Ein Gerücht verdichtet sich zum Verdacht, je weiter das Coronavirus seine Kreise zieht. In vielen Pandemie-Hotspots mit hohen Feinstaubwerten ist die Covid-19-Sterblichkeit höher. An einen Zufall wollen einige Forscher nicht mehr glauben. In Norditalien, um Madrid, in der Provinz Wuhan oder in NRW, sind mehr Schadstoffe in der Luft als anderswo. Forscher stellen in Studien fest: In diesen Regionen sterben deutlich mehr Menschen nach der Infektion mit dem Coronavirus als in anderen.

    Antworten
  3. Laurenz Hüsler
    Laurenz Hüsler sagte:

    Die wichtigsten Zahlen fehlen: Wieviel Strom verbrauchen diese Wärmepumpen? 25’000×4’000kWh (für EFH) ergibt 100’000’000kWh oder 0,1 TWh. In den letzten Jahren also 1 TWh mehr. Zusätzlicher Strom, insbesondere für Wärmepumpen, bedeutet Kohlestrom aus Deutschland.

    Antworten
    • Jürgen Baumann
      Jürgen Baumann sagte:

      Lieber Lorenz
      Es wird Dir nicht entgangen sein, dass der Elektrizitätsverbrauch in der Schweiz trotz wachsender Bevölkerung rückläufig ist. Genauso ist auch die Verwendung von Kohle für die Stromerzeugung seit Jahren rückläufig. Da hier Deutschland angesprochen wurde: Der „Carbon Footprint“ der kWh hat sich laut 764 g pro kWh im Jahr 1990 auf 474 g im Jahr 2018 zurück gegangen (Siehe Statista und Umweltbundesamt). Für 2019 liegen noch keine endgültigen Zahlen vor – der Schätzwert des Bundesumweltamtes liegt bei 401 g für 2019 (-47% gegenüber 1990). Die Kohleverstromung rentiert einfach nicht mehr. Kraftwerke bleiben nur noch als Reserve am Netz – nicht für die Produktion. Trotzdem exportiert Deutschland munter und stützt zum Beispiel Frankreich bei Strommangel im Winter.
      Auf der anderen Seite werden die energetischen Aufwendungen um einen Liter Heizöl in den Tank zu bekommen, munter weiter schlechter. Der EROI – „Energy Returned on Energy Invested“ wird schnell immer schlechter. Lag er für Öl zu Beginn des Ölzeitalters bei ca. 100, so liegt er heute bei konventionellem Öl aktuell bei ca. 20.
      Für jeden Liter Heizöl aus einer Raffinerie dürfte der Strombedarf bei rund 1.5 kWh liegen – siehe zum Beispiel als Quelle „Fully charged“ mit dem schönen Video „Volts for oil“.
      Die Saga „Kohlestrom aus Deutschland“ ist natürlich verlockend. Aber sie hält einer Überprüfung mit jedem Tag immer weniger Stand.
      Und warum sollten wir auch mittelalterlich geprägte Produzentenländer mit Milliarden jedes Jahr stützen, wenn wir das Geld viel besser hier verwenden können – zum Beispiel für den Ausbau der Erneuerbaren, damit endlich auch der fossile Treibstoff in Transportbereich abgelöst werden kann.
      Das Gerücht, die Luftverschmutzung sei Schuld an hohen Sterblichkeitsraten, verdichtet sich zum Verdacht, je weiter das Coronavirus seine Kreise zieht. In vielen Pandemie-Hotspots mit hohen Feinstaubwerten ist die Covid-19-Sterblichkeit höher. An einen Zufall wollen die Forscher nicht mehr glauben. In Norditalien, um Madrid, in der Provinz Wuhan oder in NRW, sind mehr Schadstoffe in der Luft als anderswo. Forscher stellen in Studien fest: In diesen Regionen sterben deutlich mehr Menschen nach der Infektion mit dem Coronavirus als in anderen.
      Die Verwendung fossiler Energieträger macht uns einfach nicht resilienter bei Pandemien.
      Darum „Bravo“ für diese Zahlen bei den Wärmepumpen.

      Antworten
      • Jürgen Baumann
        Jürgen Baumann sagte:

        Zusatz:
        Die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken ging in Deutschland im ersten Quartal 2020 um 37% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Der Anteil der Kohleverstromung an der gesamten Stromerzeugung lag damit bei unter 20%. Kohlekraftwerke lieferten damit nicht einmal mehr halb so viel Strom wie Erneuerbare-Energien-Anlagen: Durch einen starken Anstieg beim Windstrom legten Erneuerbare Energien um 14% zu und deckten damit 52% des deutschen Stromverbrauchs.

        Antworten
        • Laurenz Hüsler
          Laurenz Hüsler sagte:

          Im Winter haben wir bereits jetzt zu wenig Strom und importieren. Im Winter liefert Solar praktisch nichts, nämlich etwa 0.5 Volllaststunden pro Tag. Das reicht nirgendwo hin.

          Wer sein Leben mit dem Verkauf von Solaranlagen finanziert, hört das natürlich nicht gerne.

          Antworten
          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            Wer sich mit dem Verkauf von fossilen und nuklearen Energieträgern befasst, hört die aktuelle Entwicklung auch nicht gerne.
            Übrigens gibt es eine „Technologie“ die wesentlich ineffizienter ist als Photovoltaik – sie heisst Photosynthese und hat einen Wirkungsgrad von 0.5 bis 1%. Und die Photosynthese ernährt eine ganze Welt, obwohl sie weder nachts noch im Winter funktioniert.
            Aktuelle PV-Zellen mit weniger als 20% Wirkungsgrad muss man schon suchen.
            Aber was in der Ernährung klappt, geht natürlich nicht beim Strom. Richtig?

          • Laurenz Hüsler
            Laurenz Hüsler sagte:

            Auch 20% Wirkungsgrad ist nicht der Haufen, und das wird erkauft mit giftigen Materialien. Und die Sonne liefert nach wie vor nur am Tag und vor allem im Sommer.

            Von uns beiden bin ich übrigens derjenige, der weder mit der Solar- noch mit der Atom- oder Fossil-Industrie verbandelt ist.

          • Jürgen Baumann
            Jürgen Baumann sagte:

            Lieber Lorenz
            Zähl man auf, was da denn giftiges drin ist.
            Und by the way: „20% ist die untere Grenze.“
            Meldung vom 3.9.2019: „Deutsche Forschergruppen stellen Solarzellen vor, die deutlich mehr Strom erzeugen als die, die heute auf den Dächern glänzen. Die 30-%-Marke beim Wirkungsgradpotenzial wurde geknackt.“

  4. Werner Zumbrunn
    Werner Zumbrunn sagte:

    Unter „Klima: Das Wichtigste in Kürze“ schreibt das Bundesamt für Umwelt:
    „Von den gesamten Treibhausgasemissionen in der Schweiz werden verursacht:
    32% durch den Verkehr (ohne Flugverkehr)
    26% durch Gebäude
    23% durch die Industrie
    19% durch die Landwirtschaft und Abfallbehandlung sowie den Ausstoss von synthetischen Gasen.“

    Oben wird vom BFE behauptet: „Der Gebäudesektor ist für 45 Prozent des Energieverbrauchs und für 33 Prozent der gesamten CO2-Emmissionen (richtig wäre „CO2-Emissionen“) verantwortlich.“ Verschwiegen wird, dass nicht allein das CO2 zum Treibhauseffekt beiträgt. Es scheint so, als wolle das BFE mit fragwürdigen Zahlen einfach Wärmepumpen promoten.
    Der Anteil der Gebäude an den THG beträgt also 26 %. Es wird im obigen Artikel auch verschwiegen, dass allein auf den (fossilen) Brennstoffen eine hohe CO2-Abgabe – zurzeit 96 Fr./Tonne – erhoben wird. Verkehr (inkl. Flugverkehr), Industrie und Landwirtschaft werden dagegen geschont. Dies ist keine kohärente, sondern eine nicht zielführende Energiepolitik!

    Antworten
  5. Jürg Jehle
    Jürg Jehle sagte:

    Die Energiewende läuft:
    Ab 2022 werden in Deutschland die letzten AKW abgestellt und das Volk will alle CO2 Erzeuger schnellsten abschalten, auch in der Schweiz. Dann genügen die verbleibenden KW nicht mehr für alle Verbraucher, im Winter sogar massiv. Ersatz mit Wärmepumpen und eAuto?Dann könnten die Kilowatt aus Frankreich importiert werden, aus AKW und die Schweiz wäre die Sorgen los? Kauft Batterien und Notrom Aggregate und testet jetzt, oder betet für viel Sonne und Wind.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .