Die Autohändler schlagen Alarm. Herr und Frau Schweizer kaufen seit dem Lock-down viel weniger Autos. Um knapp 40% ist der Absatz von Neuwagen in der Schweiz im März eingebrochen gegenüber März 2019. Die Autoimporteure befürchten nun, dass sie die vom Bund verlangten CO2-Grenzwerte nicht einhalten können. Auto-schweiz, die Vereinigung der Autoimporteure würde eine Lockerung begrüssen, sollte die EU solche Erleichterungen gewähren. Christoph Schreyer, Leiter Sektion Energieeffizienter Verkehr nimmt Stellung.

17’556 neue Autos wurden im März 2020 in Verkehr gesetzt. Das sind laut auto-schweiz, dem Verband der Vereinigung der Auto-Importeure fast 40 Prozent weniger als im März 2019. Die Corona-Krise trifft die Autohändler stark. Wie beurteilen Sie die Situation im Moment?
Der Einbruch bei den Verkaufszahlen ist in der Tat dramatisch, solche starke Veränderungen haben wir bisher noch nie beobachtet. Der Handel – darunter auch viele KMU – haben hier zu kämpfen und setzen alles daran, den Betrieb aufrecht zu erhalten, auch mit neuen, digitalen Vertriebsformen. Die Garagen selber sind noch geöffnet für Reparaturen und Unterhalt. Das ist für alle jene besonders wichtig, die gerade jetzt besonders auf das Auto angewiesen sind, vorab das Gesundheitspersonal oder die Mitarbeitenden der Grossverteiler und weiterer systemrelevanter Branchen.

Was positiv überrascht hat im März, ist die Entwicklung bei den Elektrofahrzeugen. Der Marktanteil von Steckerfahrzeugen (reine Elektroautos und Plug-In-Hybride) betrug im März fast 14 Prozent, im ersten Quartal 2020 lagen wir damit bei diesen Fahrzeugen bei knapp 10%, womit das Ziel von auto-schweiz (10% Steckerfahrzeuge im 2020) schon fast erreicht wurde.

Mit einem Massnahmenpaket unterstützt der Bund Betriebe, die von der Corona-Krise betroffen sind. Sieht der Bund auch Massnahmen bei den Autoimporteuren vor?
Händler und Importeure können die verschiedenen Massnahmen des Pakets des Bundesrats in Anspruch nehmen. In Bezug auf mögliche CO2-Sanktionen gelten dort unter anderem auch verlängerte Zahlungsfristen sowie ein Verzugszins von 0% bis Ende des Jahres.

Die Autoimporteure befürchten, dass es insbesondere auch bei E-Fahrzeugen zu Lieferengpässen kommt, weil keine Batterien produziert werden in China zum Beispiel. Sie befürchten, dass sie deswegen die CO2-Zielwerte, die für Neuwagen gelten, nicht einhalten können und so hohe Sanktionen bezahlen müssen. Sind die Befürchtungen aus Ihrer Sicht real?
Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, dies beurteilen zu können, aber wir beobachten die Entwicklung selbstverständlich genau. Wichtige Produktionsländer von Batterien für E-Fahrzeuge wie vor allem Südkorea und Japan haben die Ausbreitung der Pandemie offensichtlich früh eindämmen können und in China läuft die Produktion zur Zeit wieder an, während in Europa die Autowerke im Moment noch still stehen. Erste Signale deuten darauf hin, dass die Produktion nach Ostern teilweise wieder anlaufen könnte.

In der EU sei die Rede von einer Lockerung der CO2-Vorschriften. Laufen solche Diskussionen auch in der Schweiz?
Der Verband der europäischen Automobilhersteller ACEA hat in einem Schreiben an die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen Anpassungen bei den CO2-Vorschriften gefordert. Allerdings haben sich verschiedene grosse europäische Hersteller wie VW, BMW und Daimler diesen Forderungen nicht angeschlossen und versichert, dass sie die strengeren CO2-Vorgaben einhalten werden. In der Schweiz wurde die Diskussion durch auto-schweiz lanciert, der Verband verweist dabei auf die laufenden Diskussionen in der EU.

Die Konsumenten sollen auf ökologische Fahrzeuge umsteigen. Gefährdet die Corona-Krise dieses Ziel?
Die bisherigen Erfahrungen in wirtschaftlichen Krisen zeigen, dass Konsumentinnen und Konsumenten in unsicheren Zeiten beim Autokauf vermehrt auf günstigere Fahrzeuge mit tiefem Verbrauch setzen. Insofern erwarte ich auch bei den Neuzulassungen in der Schweiz eine deutliche Zunahme bei effizienteren Fahrzeugen, wie wir dies bereits in den Jahren 2008 und 2009 im Nachgang der weltweiten Finanzkrise beobachtet haben. In diesen Jahren gingen die CO2-Emissionen der Neuwagenflotte in der Schweiz jeweils um über 4% zurück. Dies könnte auch diesmal der Fall sein, damit würde der CO2-Flottenschnitt zurückgehen, was die Erreichung der CO2-Zielvorgaben erleichtert.

Brigitte Mader, Kommunikationsberaterin BFE

Bild: UVEK

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2 Kommentare
  1. Jürgen Baumann
    Jürgen Baumann sagte:

    Nun, die Grenzwerte und der Zeitpunkt des Inkrafttreten sind ja schon lange bekannt. Anstatt zu pokern, ob mit der Einführung von „intelligenter“ Software die Ziele zu erreichen sind, hätte schon lange die Elektrifizierung einsetzen müssen. Seit dem Inkrafttreten des Vertrags von Paris ist klar – das Ziel heisst netto null – für jede Industrie. Die Corona Krise wird vorbei gehen. Die Klimakrise mit ihren begleitenden Teilkrisen wie Rohölkriege, Kohleaustieg, Meeresspiegelanstieg, Dürren und Überschwemmungen, Auftreten neuer Schädlinge und Krankheiten, Klimaflüchtlinge etc. bleiben und noch erhalten.
    Ein Beispiel, das Europa bis heute beschäftigt ist die absolut ungewöhnliche und jahrelange Dürre im Nahen Osten. Wie im Fachblatt PNAS berichtet, zeigt sich der Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und einer extremen Dürre, die zwischen 2006 und 2010 Teile des sogenannten fruchtbaren Halbmondes an Euphrat und Tigris heimgesucht hatte. Betroffen waren die Türkei, der Irak und Syrien. Im Nordosten Syriens – der Kornkammer des Landes – brach das landwirtschaftliche System zusammen. Viele Familien, die von der Landwirtschaft lebten, verloren ihre Existenzgrundlage und flüchteten in Städte wie Dar’ar, Homs und Hama im Nordosten des Landes. Und von da weiter in Richtung Europa.
    Einer der Effekte der Klimaerwärmung ist das die Jetstreams nicht mehr mäandern wie bis anhin, sondern eine immer stärkere Tendenz zu Stationarität zeigen. Grund dafür sind die nachlassenden Temperatur Differenzen zwischen den Polen und den gemässigteren Breiten. Der Effekt wurde bereits vor 6 Jahren vorhergesagt und tritt jetzt immer deutlicher ein. Auch der gegenteilige Effekt tritt auf, indem warme Luft nach Norden transportiert wird und im hohen Norden zu lang anhaltenden Wärmeperioden führt. Wir dürfen uns daran gerade an einer langen Reihe von Sonnentagen „erfreuen“ – parallel wächst die Waldbrandgefahr.
    Und neu ist das alles nicht. Sauber dokumentiert in der naturwissenschaftlichen Literatur.
    Hier trauern jetzt wenige um veraltete Verbrenner, die massgeblich die Umweltkatastrophen wie Brent Spar, Exxon Valdez, etc. provoziert haben. Natürlich wankt jetzt auch das schöne Geschäftsmodell erst veraltete Technik überteuert in der Schweiz zu verkaufen, die dazu führt das jedes Jahr Milliardenbeträge in instabile Weltgegenden abfliessen, wo dann in mittelalterlich geprägten Regimen männliche Superhelden aufeinander losgehen. Schön, wenn man denen dann Waffen verkaufen kann. Und stehen dann die Flüchtlinge aus den kriegerischen Auseinandersetzungen und den Folgen der Klimakrise vor unserer Grenze, dann lässt sich das super „bewirtschaften“.
    Gerade die aktuelle Erfahrung, wie sauber die Luft sein kann, wie ruhig die Strassen und wie klar der Himmel ist, sollte uns zeigen, was wir entbehren müssen wegen einer veralteten Technik mit grottenschlechtem Wirkungsgrad.
    Ich sehe keinen Grund, warum jetzt zurück buchstabiert werden soll. Hersteller und Importeure hatten genug Vorlaufzeit. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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  2. Christina Marchand
    Christina Marchand sagte:

    Ich finde es unglaublich wie die Autoindustrie die Argumente verdreht, um weiter zu grosse, zu schwere und zu umweltschädliche Autos verkaufen zu können. Grundsätzlich ist es für das Klima ja mal sehr positiv, wenn weniger Autos verkauft werden, denn die graue Energie der Herstellung darf für die insgesamte Treibhausgasbelastung nicht unterschätzt werden. Und auch sonst bedeuten weniger Neuwagen auch weniger Autos auf den Strassen. Zusätzlich wäre weiter anzustreben, dass die bestehenden Autos auch so wenig wie möglich gefahren werden, was jetzt während der Corona-Krise hervorragend gelingt. Insgesamt müssen wir aufpassen, dass wir nicht Geld in Industrien und Gewerbe stecken, welche sowieso langsam abgebaut oder umgebaut werden müssen, um zukunftfähig zu sein. Hier könnte vielleicht besser in Umschulungen investiert werden.

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