In den letzten Jahren sind viele neue Mobilitätsformen entstanden und neue Anbieter und Angebote versuchen, sich am Mobilitätsmarkt zu behaupten. Oft sind sie noch wenig bekannt und so ist es für Fachleute, Behörden, Unternehmen, Anbieter oder interessierte Privatpersonen kaum mehr möglich, die Übersicht zu behalten. Deshalb hat Trafiko AG mit der Unterstützung von EnergieSchweiz und weiteren Partnern das Online-Tool «Trafikguide» entwickelt. Seit Dezember 2019 kategorisiert und beschreibt das Tool die Mobilitätsangebote auf dem Schweizer Markt und im Ausland und macht somit insbesondere Vergleiche möglich. Aktuell sind über 230 Mobilitätsdienstleistungen in 24 Kategorien aufgelistet, wovon über die Hälfte in der Schweiz verfügbar ist.

Roman Steffen, Mitinhaber der Trafiko AG, beantwortet einige Fragen rund um den Trafikguide:

Herr Steffen, was war die Motivation der Trafiko AG, das Tool «Trafikguide» zu lancieren?

Heute stellen sich die Mobilitätsfragen meist nicht mehr pro Verkehrsmittel oder pro einzelne Gemeinde. Vielmehr gilt es, das Potenzial aller Möglichkeiten optimal zu nutzen. Mit dem Ziel «Mobility as a Service» werden wir überdies künftig den Weg von A nach B in den optimalsten Verkehrsmitteln antreten. Da aber fast wöchentlich neue Angebote entstehen, fusionieren oder getestet werden, ist ein Überblick selbst für Fachleute schwierig. Zudem ist meist gar nicht mehr klar, ob uns ein neues Angebot vorwärtsbringt oder gar gegen strategische Ziele wirkt. Trafiko will für Neues offen sein und hat daher viele Dienste durchleuchtet, kategorisiert und damit transparent gemacht. Dank unseren Partnern können wir unsere Arbeit nun allen zur Verfügung stellen, damit wir uns gemeinsam weiterentwickeln.

Welche neuen nachhaltigen Dienstleistungen bietet der Trafikguide?

Grundsätzlich sind alle Dienste kategorisiert. Mit Filtern kann man aber seinen persönlichen Wunschvergleich machen: Welche Cargoplattformen sind aktiv in der Schweiz? Oder, welche Dienste haben eine hohe Flächeneffizienz? Als Hilfe haben wir auch einen einfachen Smart-City-Faktor eingeführt. Je höher dieser ist, desto emissionsärmer ist die Dienstleistung und desto mehr setzt sie auf Pooling und Sharing. Damit gelangen innovative Dienstleistungen wie Bikesharing-Dienste (z.B. Pick-e-Bike) oder rein elektrisch betriebene Ridepooling-Anbieter (z.B. mybuxi) ins Rampenlicht. Selbstverständlich taucht auch der klassische öV mit dessen öV-Ticket-Apps auf. Mit neuen Mobilitätslösungen soll sinnvollerweise dieses Massentransportmittel dort ergänzt werden, wo es seine Schwächen hat.

Wie sieht die Resonanz zum Trafikguide aus?

Wir haben grosse Freude, dass unser praktisches Tool vom Politiker bis zur Planerin genutzt wird. In Erinnerung bleibt mir das Foto aus einer Verwaltungsratssitzung eines grossen städtischen Verkehrsbetriebs. Offenbar versuchte man den gestandenen Verwaltungsräten mit Trafikguide zu erklären, dass Mobilität heute breiter verstanden werden muss. Ich bin gespannt, ob diese Transportunternehmung bald ihr Kernangebot mit neuen Dienstleistungen anreichert und damit im Sinne der Kunden mehr Mobilitätsmöglichkeiten bietet.

Was sind die Pläne für die Zukunft von Trafikguide?

Trafikguide entstand auf Initiative von Trafiko. Bis Ende 2021 wird Trafikguide von EnergieSchweiz, dem Zürcher Verkehrsverbund und Swisscleantech mit ermöglicht. Ein Dank gebührt diesen Partnern. Gemäss unserem Ansatz «Design Thinking» entwickeln wir den Trafikguide nicht im stillen Kämmerlein weiter. So können uns alle Nutzerinnen und Nutzer Dienste melden, welche wir laufend aufnehmen oder anpassen. Zudem wird auf der Webseite bald eine Grafik dynamisch generierbar sein, welche alle Dienste übersichtlich auflistet. Dieses Bild kann in strategischen Diskussionen als Unterstützung dienen, um die Bandbreite der Möglichkeiten mit einer aussagekräftigen Grafik festzuhalten. Für den längerfristigen Fortbestand ist Trafiko interessiert an weiteren Ideen oder Partnerschaften. Denkbar ist, die Daten weiter vertieft auszubauen oder auf Drittseiten zu nutzen – Interessenten können sich gerne melden.

Interview: Viviane Winter, Fachspezialistin Mobilität, BFE

Roman Steffen, Trafiko AG

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2 Kommentare
  1. Cosandey
    Cosandey sagte:

    Hallo BFE, Trafik.guide,
    Hallo Herren Steffen, Stadler, Zurfluh,

    Haben Sie ein Problem mit Mobility, dem Erfinder des Car Sharings und Innovator, zu einer Zeit, als noch alle von möglichst grossen Benzinmotoren träumten und der Wiedereinführung des Formel 1 Rennens in der Schweiz..

    Mobility ist in ihren Hintergrunddokumenten zu ihrem Portal nirgends mit keinem Wort erwähnt, ausser dass sie den englischen Begriff „mobility car sharing“ losgelöst von der Marke benutzen- und eine Rubrik „Car Sharing“ in der Indexspalte vermisse ich ebenso (dafür hat es z.B. Scooter Sharing).
    Aber vielleicht kommt das ja noch.

    Eigentlich erstaunlich, denn bestimmte Personen bei Ihnen kennen den Innovator Mobility praktisch als Insider..

    Wie sieht das eigentlich das BFE, solche Portale zu finanzieren, die (aufgrund der ersten Sicht auf die Seite vorab) Unicorn- Startups pushen, die weder Personal in der Schweiz anstellen und entlöhnen, noch irgendwelche Steuern zahlen in der Schweiz?

    Hoffentlich bessert Trafik.guide sehr schnell nach und gibt Mobility den verdienten Platz!!

    Antworten
    • Roman Steffen
      Roman Steffen sagte:

      Gerne nehmen wir zum Input Stellung: http://www.trafik.guide ist ein digitaler Überblick über neue und bestehende Mobilitätsangebote – aktuell und systematisch aufbereitet. Dank einer Kategorisierung und Sortiermöglichkeiten sind Vergleiche möglich. Die Kategorie Carsharing listet bereits zahlreiche Dienste, welche das Auto teilen. Sie wird laufend ausgebaut. Aktuell listet der Trafikguide 35 Carsharing-Dienstleistungen. 3 Dienstleistungen sind von der Mobility AG, nämlich Mobility-Return, Mobility-One-Way und Mobility-Go-Car. Sie sind in der Detailansicht beschrieben und mit Eckwerten erfasst, wie alle der über 230 Dienstleistungen. Überdies ist die Mobility AG auch als Multimobility-Unternehmen geführt, da es ergänzend auch Carpooling anbietet. Damit sind alle aktuellen Mobility-Dienstleistungen im Trafikguide erfasst. Überdies sind 88 aller gelisteten Dienstleistungen Schweizer Firmen. 120 Dienste können in der Schweiz genutzt werden, was für Kunden mehr Mobilitätsmöglichkeiten mit sich bringt.

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