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In der Schweiz gibt es unterdessen 437 Energiestädte, davon sind 48 mit dem Gold Label zertifiziert. Mit Unterstützung von Repic, der Bundesplattform zur Förderung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz in Entwicklungs- und Schwellenländern, haben drei Schweizer Energieberatungsfirmen das erfolgreiche Programm nach Chile getragen. «Zwischen 2014 und 2016 haben wir in drei Pilotgemeinden eine lokale Energiestrategie erarbeitet und sie damit auf den Weg zur Energiestadt gebracht», erklärt Roger Walther, Projektverantwortlicher von EBP in Chile.

Die Pilotgemeinden Vitacura, Temuco und Coyhaique liegen in drei unterschiedlichen Klimazonen und weisen unterschiedliche gesellschaftliche und politische Strukturen auf. Die Motivation der Gemeinden, die Energiestrategie aufzubauen, unterschied sich zudem erheblich. «Vitacura ist eine sehr reiche Gemeinde und der Bürgermeister hatte grosses Interesses daran, in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien eine Vorreiterrolle zu übernehmen. In Temuco stand hinter der Initiative die Schweizer Botschaft in Chile und Coyhaique hat aufgrund des grossen Holzverbrauchs für die Wärmeversorgung die höchste Feinstaubbelastung im Land», erklärt Walther.

Der Aufbau des Energiestadtprozesses stellte alle Akteure vor grosse Herausforderungen. «Die Gemeinden in Chile haben sehr viel weniger Handlungs- und Entscheidungsspielraum im Energiebereich», erklärt Roger Walther. Erschwerend kam hinzu, dass die Gemeindeverwaltungen ein geringeres fachliches Know-how hatten und über viel weniger finanzielle Mittel verfügen als in der Schweiz. «Wir haben basierend auf den ersten Erfahrungen in den Pilotgemeinden darum den Massnahmenkatalog zur Erreichung des Energiestadtlabels stark vereinfacht und an die chilenischen Verhältnisse angepasst und ergänzt», sagt Walther weiter. Der Schweizerkatalog berücksichtige zum Beispiel die Luftverschmutzung kaum, wohingegen diese im Hinblick auf die Energieversorgung eines der grössten Probleme in zwei der drei Pilotgemeinden sei. «Diese Adaptierung hat dazu geführt, dass der Katalog in seiner jetzigen Form, mit 43 statt 79 Kriterien (im Jahre 2014), von den Gemeinden angewendet werden und entsprechend glaubwürdig ist», sagt Walther. Zum diesem Erfolg hat auch beigetragen, dass das Programm, in Chile nun «Comuna Energética» genannt, mit einem bereits existierenden nationalen Programm «Lokale Energiestrategien EEL» verwoben und so institutionell im Energieministerium verankert werden konnte.

Heute beteiligen sich über 50 Gemeinden am Programm, gut 15 Prozent der chilenischen Kommunen. Energiestadt ist in die Energiestrategie 2050 von Chile integriert worden und soll noch weiter ausgebaut worden. «Heute läuft das Programm ohne Förderung von internationalen Geldgebern», erklärt Roger Walther. Und der Erfolg des Programms strahlt bereits über die Landesgrenzen hinaus: «In Kolumbien und auch in Ecuador werden im Moment ähnliche Projekte für den Aufbau eines nationalen Energiestadtprogramms auf die Beine gestellt», sagt Roger Walther.

Sabine Hirsbrunner, Fachspezialistin Kommunikation, BFE

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