Seit 2014 schickt Horgen (ZH) alle Mitarbeitenden, die beruflich Gemeindefahrzeuge lenken, regelmässig in den EcoDrive-Kurs. Das schont nicht nur die Umwelt und das Klima, sondern auch die Gemeindekasse.

Horgen am linken Zürichsee-Ufer trägt seit 2008 das Label «Energiestadt» und zeigt damit, dass  sie sich als Gemeinde kontinuierlich für eine effiziente Energienutzung, den Klimaschutz, erneuerbare Energien sowie umweltverträgliche Mobilität einsetzt. Der Bevölkerung genügte das schon bald nicht mehr: 2011 überwies die Gemeindeversammlung einen Antrag aus der Bevölkerung und schickte die Verwaltung «auf Kurs» in Richtung Energiestadtlabel Gold.

Dieser Entscheid führte zur Erarbeitung eines Masterplans Energie mit terminierten Massnahmen: Die Gemeinde konzipierte ein Mobilitätsmanagement, erhebt regelmässig den Treibstoffverbrauch und schult die Mitarbeitenden in EcoDrive.

Die Mehrheit kommt freiwillig

Wer aus beruflichen Gründen ein Fahrzeug der Gemeinde lenkt, wurde zum EcoDrive-Kurs «verbrummt» – alle übrigen Gemeindemitarbeitenden hatten die Option, den einstündigen Fahrkurs kostenlos und im Rahmen der Arbeitszeit zu absolvieren.

Das Ergebnis freut Max Talmon-Gros, Projektleiter Energie bei der Gemeinde Horgen: «110 der 481 Mitarbeitenden haben den ersten Kurs im Sommer 2014 absolviert – die meisten freiwillig!» Wo immer möglich, legten die Mitarbeitenden die beiden Fahrten im Kurs mit dem bei der Arbeit gefahrenen Fahrzeug zurück. «Im ersten Jahr haben wir dank EcoDrive rund neun Prozent Treibstoff eingespart. Die Kurskosten waren so innert weniger als acht Monaten amortisiert».

Die eingesparten Mengen Benzin und Diesel hätten damals gut 10’000 Franken gekostet – die Kurskosten beliefen sich auf lediglich zwei Drittel davon. «In jedem Folgejahr spart die Gemeinde netto 10’000 Franken, und die Verwaltung stösst knapp 20 Tonnen weniger CO2 aus», sagt Talmon-Gros.

Damit die im Kurs erlernte ökologischere Fahrweise auch mittel- und langfristig gelebt wird, informiert Horgen regelmässig über den Treibstoffverbrauch der verschiedenen Abteilungen, lädt zu Veranstaltungen und berichtet im internen Newsletter.

Alles einst Gelernte verinnerlicht

Mit Erfolg: Der Wiederholungskurs 2019 zeigte, dass die meisten, die bereits 2014 im EcoDrive-Kurs waren, das damals Gelernte noch präsent hatten. Aber nicht alle: Eine schon 2015 teilnehmende Person sparte von der ersten zur zweiten Fahrt 22 Prozent Treibstoff ein.

«Leider sind alternativ betriebene Spezialfahrzeuge wie Strassenwischmaschinen oder Löschfahrzeuge noch kaum erprobt», bedauert Talmon-Gros. Denn Horgen ist stetig daran, seinen Wagenpark ökologischer zu gestalten – auf Basis der Energieetikette für Personenwagen (mindestens Effizienzklasse A) oder auf Basis der VCS-Lieferwagen-Umweltliste für Lieferwagen und Kleinlastwagen.

Das Konzept EcoDrive
Seit 2000 bietet die Quality Alliance mit Unterstützung von EnergieSchweiz EcoDrive-Kurse für Auto-, Lastwagen-, Bau- und Landmaschinen-Fahrende mit dem Ziel, den Treibstoffverbrauch zu senken. Das Prinzip EcoDrive basiert auf 3 Säulen:
1. das Auto checken und von unnötiger Last befreien
2. die Technik gezielt einsetzen – z. B. den Tempomaten nutzen
3. vorausschauend fahren in einem möglichst hohen Gang

Im Kurs wird eine zuvor festgelegte Strecke mit demselben Fahrzeug zweimal gefahren: vor und nach dem Vermitteln der Theorie. Je nachdem verbraucht dieselbe Person beim zweiten Durchgang 5 bis 20 Prozent weniger Treibstoff.

Die EcoDrive-Rechnung
Treibstoffverbrauch 2012:          16’930 l Benzin und 49’430 l Diesel =                   CHF 117’000.–
Treibstoffeinsparung 2014:        rund 9 % =                                                            CHF 10’530.–
Kurskosten EcoDrive:                CHF 60.– x 110 Teilnehmer/innen =                       CHF 6’600.–

Das heisst:
Innert 7½ Monaten wurden die Kurskosten amortisiert.

In jedem Folgejahr spart die Gemeinde über CHF 10’000 – die Verwaltung stösst knapp 20 t weniger CO2 aus.

Myriam Holzner, Geschäftsführerin Kürze&Würze GmbH, ehemalige Leiterin Kommunikation & Sensibilisierung beim VCS Schweiz

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