Wie sollen Menschen bis in die ferne Zukunft über ein Lager mit radioaktiven Abfällen informiert werden? Eine Expertengruppe der internationalen Kernenergie-Agentur Nuclear Energy Agency (NEA) zum Thema «Wissensmanagement und Markierung geologischer Tiefenlager» ist zum Schluss gekommen, dass ein ganzes Wissenserhaltungssystem benötigt wird, um der gestellten Aufgabe gerecht zu werden. Aber welche Elemente könnte ein solches System beinhalten? Das zeigt der kürzlich publizierte Schlussbericht der Expertengruppe. Sie hat eine Liste mit 35 Massnahmen erstellt, eingeteilt in neun verschiedene Denkansätze. Darunter befinden sich neben Gedächtnisinstitutionen, Zeitkapseln und unter- und oberirdischen Markierungen auch rechtliche Grundlagen, Wissensmanagement sowie Kultur, Ausbildung und Kunst. Ein weiterer Denkansatz sind spezifische Archivdokumente und Zusammenfassungen. Dazu entwickelte die Expertengruppe selbst zwei Massnahmen, die in bereits publizierten Blogbeiträgen erläutert wurden: das Key Information File und das Set of Essential Records.

Eine nachhaltige Wissenserhaltungsstrategie kombiniert verschiedene der aufgelisteten Massnahmen in einem System. Die ausgewählten Massnahmen sollten dabei verschiedene wichtige Merkmale wie unterschiedliche Zeitspannen, Datenträger, Inhalte, Übertragungsarten, Beteiligte oder Aufbewahrungsorte abdecken. Ideal wäre, dass sich die gewählten Massnahmen aufeinander beziehen, einander ergänzen und eine Vielfalt und Redundanz ermöglichen, so dass die Chancen möglichst hoch sind, dass die Informationen die Zeit überdauern, weiterhin verstanden werden und zugänglich sind. Eine solche Strategie kann nur erfolgreich erarbeitet werden, wenn dies partizipativ geschieht und unterschiedliche fachliche Disziplinen beigezogen werden.

Die Wissenserhaltungsstrategie zielt dabei auf die gesellschaftliche Einbettung eines Lagers mit radioaktiven Abfällen ab. Das bedeutet, dass die Entsorgungstechnik, das standortspezifische Lagerdesign und die gesellschaftliche Umwelt zu einem ganzheitlichen Entsorgungsprojekt integriert werden. So sollen die möglichen Vorkehrungen getroffen werden, damit künftige Generationen eigene, informierte Entscheidungen über ein Lager mit radioaktiven Abfällen treffen können und über genügend Informationen verfügen, um nicht unbeabsichtigt in ein bestehendes Lager einzudringen.

Simone Brander, Leiterin Forschungsprogramm Radioaktive Abfälle, BFE

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