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Chamoson-Chippis: Wichtiger Teil der Strom-Autobahn im Wallis in Betrieb


Im Wallis steht mit Grande Dixence die höchste Staumauer der Schweiz, 400 Millionen Kubikmeter Wasser fasst der Speichersee. Mit dem Pumpspeicherwerk Nant de Drance hat Anfang Juli 2022 im Wallis zudem eines der leistungsstärksten Pumpspeicher-Kraftwerke den Betrieb aufgenommen. Und am 10. November hat Swissgrid die neue Stromleitung zwischen Chamoson und Chippis im Wallis offiziell eingeweiht.

Auf 30 km spannt sich die neue Stromleitung zwischen Chamoson und Chippis entlang der Hänge des linken Rhone-Ufers. Die neue Leitung führt vier Spannungen auf demselben Masten. 380 kV, 220 kV, 65 kV zwischen Chamoson und Aproz und 132 kV für die Versorgung der SBB zwischen Chamoson und St. Léonard.

Karte: Swissgrid

Dank dem Bau der neuen Leitung können fast 90 km Leitungen und 322 Masten in der Rhône-Ebene zurückgebaut werden. Der Hauptgrund für den Bau dieser Leitung war aber ein anderer. Welcher? Und warum ist die Leitung von grosser Bedeutung für die Schweizer Stromversorgung?

Energeiaplus fragt bei Marie-Claude Debons von Swissgrid nach. Sie ist für die Kommunikation dieses Netzprojekts zuständig.

Energeiaplus: Warum ist die neue Freileitung zwischen Chamoson und Chippis notwendig? Oder anders gefragt: Warum haben die alten Leitungen nicht mehr genügt?

Marie-Claude Debons ist Senior Communication Manager bei Swissgrid und für das Projekt Chamoson-Chippis zuständig. Bild: Swissgrid

Marie-Claude Debons: Die neue Höchstspannungsleitung zwischen Chamoson und Chippis behebt einen Engpass im Schweizer Übertragungsnetz. Mit zwei neuen 380-Kilovolt- und einem 220-Kilovolt-Stromsystem erhöht sie die Übertragungskapazität für den Strom, der von den Unterwalliser Wasserkraftwerken erzeugt wird. Dieser hat insbesondere durch die Inbetriebnahme des Pumpspeicherkraftwerks Nant de Drance zugenommen. Mit der neuen Höchstspannungsleitung kann die Energie nun zu den Verbrauchszentren transportiert werden. Für die Versorgungssicherheit des Landes spielt die Leitung eine entsprechend wichtige Rolle.

Die Freileitung behebt also einen Engpass im Unterwallis. Was ist mit den Leitungen, die von dort wegführen?

Das Wallis ist der Kanton, der am meisten Energie aus Wasserkraft produziert. Die Anbindung der Übertragungsleitungen im Wallis an das 380-kV-Netz ist für den Abtransport dieser Walliser Produktion aus Wasserkraft essenziell.

Darum müssen neben dem Netzbauprojekt Chamoson – Chippis noch mehrere andere Projekte abgeschlossen werden. Das sind die Netzprojekte Bickigen – Chippis, Chippis – Mörel, Mörel – Ulrichen und Ulrichen – Innertkirchen. Diese Projekte sind Teil des «Strategischen Netz 2025», welches die notwendigen Projekte für die bedarfsgerechte Modernisierung des Übertragungsnetzes beinhaltet.

Eine dieser geplanten Höchstspannungsleitungen spielt eine besondere Rolle: Die Freileitung zwischen Bickigen bei Burgdorf (BE) und Chippis (VS) (Gemmi-Leitung). Die Spannung dieser Leitung soll von 220 kV auf 380 kV erhöht werden. Swissgrid reichte im Juli 2015 ein Gesuch für die Spannungserhöhung ein. Das Bundesamt für Energie hat das Projekt im Februar 2022 genehmigt. Die Spannungserhöhung muss auf den bestehenden Masten und dem bestehenden Trassee erfolgen. Dieser Entscheid ist derzeit Gegenstand eines Verfahrens beim Bundesverwaltungsgericht.

Der Bundesrat hat im Rahmen der Massnahmen für die Versorgungssicherheit im Winter 2022/2023 über die Option einer zeitlich begrenzten Spannungserhöhung der Höchstspannungsleitungen Bickigen – Chippis informiert. Die Massnahme ist nur für den Zeitraum Januar – April 2023 vorgesehen. Swissgrid bereitet sich aus technischer Sicht vor, im Falle einer kritischen Versorgungslage, die Leitung Bickigen – Chippis zeitweise mit 380 kV zu betreiben.

Der Inbetriebnahme dieser Leitung geht eine über 30-jährige Geschichte voraus. Es ist das älteste Höchstspannungsleitungsprojekt der Schweiz. Warum dauerte es so lange von der ersten Idee bis zur Realisierung?

Projekte zum Bau von Höchstspannungsleitungen brauchen Zeit. Zwischen dem Start eines Projekts und seiner Inbetriebnahme vergehen im Durchschnitt 15 Jahre. Das Projekt Chamoson – Chippis bricht mit 36 Jahren alle Rekorde. Der Grossteil dieser Zeit wurde für Studien, Planung, Bewilligungsverfahren und insbesondere für rechtliche Verfahren aufgewendet. Gegen das Projekt wurden mehrfach Einsprüche erhoben, die vom Bundesverwaltungs- und Bundesgericht beurteilt werden mussten.

 Im Gegensatz zu den Studien und Verfahren dauerte der Bau der Leitung nur vier Jahre.

Die alten Leitungen werden nun zurückgebaut. In welchem Zeithorizont?

Die Bündelung von vier verschiedenen Spannungen auf einem Trassee ermöglicht es, 90 Kilometer Freileitungen und 322 Masten in der Rhoneebene zurückzubauen. Der Rückbau dieser Leitungen beginnt im Jahr 2023 und wird gemäss heutiger Planung 2027 abgeschlossen sein.

Wo sind weitere Engpässe im Schweizer Übertragungsnetz?

Im «Strategischen Netz 2025» hat Swissgrid alle Netzprojekte definiert, die für ein sicheres und zuverlässiges Schweizer Übertragungsnetz unerlässlich sind. Einige davon sind durch Einsprachen in ihrer Umsetzung blockiert. Dazu zählen neben den beiden Projekten Bickigen – Chippis und Chippis – Mörel im Wallis auch das Netzbauprojekt Airolo (TI) – Lavorgo (TI) und Niederwil (AG) – Obfelden (ZH). Im Bau befinden sich die Netzbauprojekte Pradella (GR) – la Punt (GR), Bassecourt (JU) – Mühleberg (BE) und im Wallis die Leitung Mörel – Ulrichen.

Die Genehmigungsprozesse für Netzentwicklung und -ausbau sowie für neue Produktionsanlagen dauern zu lange. Es gibt fast bei jedem Projekt grossen Widerstand, auch nach rechtskräftigem Abschluss des Sachplan- und Plangenehmigungsverfahren. Für Swissgrid ist deshalb zentral, dass die Prozesse für die Netzbauprojekte beschleunigt werden.

Im Wallis gibt es Pläne für grosse Solarkraftwerke. Bieten die Leitung Chamoson-Chippis und die bereits geplanten Leitungen genügend Kapazität? Oder braucht es noch zusätzlich neue Leitungen?

Die neu gebauten 380-kV-Höchstspannungsleitungen Chamoson – Chippis und Mörel – Ulrichen haben genügend Leistung, um die produzierte Energie aus alpinen Solaranlagen, wie beispielsweise Grengiols-Solar zu übertragen. Beim Netzprojekt Mörel – Ulrichen handelt es sich um eine Leitung des Ausbauprogramms Chippis – Lavorgo. Bei diesem Programm befinden sich die Netzprojekte Chippis – Mörel und Airolo – Lavorgo derzeit im Bewilligungsverfahren des Bundes. Im Unterwerk Mörel ist zudem ein neuer Transformator 380-/220 kV und eine gasisolierte 380-kV-Schaltanlage geplant. Dieser Baustart erfolgt gemäss der Netzplanung im «Strategischen Netz 2025» nicht vor 2025, abhängig von den 380-kV-Leitungsprojekten Chippis – Mörel und Mörel – Ulrichen.

Der Anschluss von neuen Kraftwerken und der Abtransport der Energie zu den Verbrauchszentren benötigt ausreichend Vorlaufzeit und Planungssicherheit, ansonsten kann dies nicht gewährleistet werden. Nur so dient das Übertragungsnetz auch in Zukunft als Rückgrat für eine sichere Stromversorgung und trägt dazu bei, dass die Energiestrategie des Bundes gelingen kann.

Das Schweizer Übertragungsnetz: 

Legende:
1. Chamoson – Chippis
2. Bickigen – Chippis
3. Pradella – La Punt
4. Mörel – Ulrichen
5. Beznau – Mettlen
6. Bassecourt – Mühleberg
7. Magadino
8. Génissiat – Foretaille
9. Innertkirchen – Ulrichen
10. All’Acqua – Maggiatal – Magadino

 

Swissgrid ist Eigentümerin des Schweizer Übertragungsnetzes. Ihr über 6700 Kilometer langes Netz transportiert die elektrische Energie mit 380 und 220 Kilovolt Spannung. Zum Übertragungsnetz gehören nebst allen Leitungen 147 Schaltanlagen.

Swissgrid sorgt durch regelmässigen Unterhalt, Erneuerung und einen bedarfsgerechten Ausbau, dass das Netz stets verfügbar ist. Bis ins Jahr 2025 investiert Swissgrid hierfür 2,5 Milliarden Franken. Damit bildet Swissgrid das Rückgrat für eine sichere Stromversorgung.

Der Weg des Stroms von den Produzenten bis zur Steckdose ist lang und zuweilen komplex. Der Strom durchläuft unterschiedliche Ebenen, bis er schliesslich auf 230 Volt transformiert ist und Kaffeemaschine, Handy oder Kühlschrank mit Strom versorgen kann.

Die Transformation ist die eine Herausforderung. Die richtige Menge an Strom im Netz zu haben, die andere. Und zwar immer so viel Strom, wie gerade gebraucht wird. Denn es gilt: Energieverbrauch und Energieproduktion müssen stets im Gleichgewicht sein. Darum kümmert sich Swissgrid. Rund um die Uhr. Sieben Tage die Woche.

Quelle: Swissgrid

Interview und Text: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie
Bild: Swissgrid; Sébastien Moret

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