Bisher standen bei diversen Studien des Bundesamts für Energie (BFE) die möglichen negativen sozioökonomischen Auswirkungen eines geologischen Tiefenlagers auf die Standortregion im Vordergrund. So zum Beispiel in der kürzlich durchgeführten Befragung im Rahmen des Immo-Barometers. Doch wie steht es um die positiven Auswirkungen? Inwiefern kann die regionale Wirtschaft von Aufträgen und sekundären Effekten im Rahmen des Tiefenlagerprojektes profitieren? Solchen Fragen geht eine Studie der Universität St. Gallen im Auftrag des BFE nach.

Die Studie «Beschaffungswesen und Regionalwirtschaft» ist eine sogenannte «Vertiefte Untersuchung» im Rahmen des Sachplans geologische Tiefenlager. Sie ist damit Bestandteil der umfangreichen sozioökonomischen Begleitstudien bei der Standortsuche nach einem Tiefenlager. Hauptziel der Untersuchung war es, Empfehlungen auszuarbeiten. Diese sollen der regionalen Wirtschaft helfen, möglichst optimal vom Projekt Tiefenlager zu profitieren. Dabei nahmen die Autoren auch eine Abschätzung des wahrscheinlichen Umsatzvolumens basierend auf den regionalen wirtschaftlichen Gegebenheiten vor. «Es gibt ein gewisses Potenzial, doch das Volumen ist gesamtwirtschaftlich betrachtet überschaubar», konstatiert Roland Scherer, Direktor des Instituts für Systemisches Management und Public Governance.

Damit die regionale Wirtschaft nachhaltig profitieren kann, müssen die Weichen rechtzeitig gestellt werden. Welche Branchen dereinst wie stark profitieren können, ist aufgrund des aktuellen Projektstandes des Tiefenlagers nicht konkret abschätzbar. Die Studie vermutet ein geringes mögliches Auftragsvolumen für Bau- und verarbeitendes Gewerbe sowie Potenzial für zusätzlichen Bedarf an Dienstleistungen aus den Bereichen Transport, Reinigung, Grünpflege, Winterdienst und konventioneller technischer Instandhaltung.

Früh aktiv werden

Die erarbeiteten Empfehlungen richten sich an die künftige Betriebsgesellschaft, an die regionale Wirtschaft und an die Standortregion. Der Betriebsgesellschaft wird empfohlen, sowohl die Wirtschaft als auch die Behörden vor Ort frühzeitig ins Projekt einzubeziehen. Sie soll auch eine KMU-freundliche Gestaltung der öffentlichen Ausschreibungen anstreben. Seitens der regionalen Wirtschaft sei es wichtig, sich frühzeitig auf die besonderen Anforderungen von Aufträgen im Zusammenhang mit einem Tiefenlager vorzubereiten. Auch soll sie entsprechende Informations- und Beratungsangebote schaffen.

Der Standortregion schliesslich raten die Autoren, auf einen Standortvertrag mit der Betriebsgesellschaft hinzuwirken. In einem solchen Vertrag werden die Rahmenbedingungen definiert, unter denen die Betriebsgesellschaft und die Gemeinden zusammenarbeiten werden. Zuletzt wird der Standortregion geraten, in die Befähigung der regionalen Wirtschaft zu investieren: Das lokale Gewerbe muss bis Baubeginn die Dienstleistungen anbieten, die beim Bau oder Betrieb durch die Betriebsgesellschaft nachgefragt werden, um von Aufträgen profitieren zu können. Die Empfehlungen der Studie in einem Satz zusammengefasst: Die Betriebsgesellschaft soll auf die Region zugehen, die Wirtschaft ihr Angebot auf die kommenden Bedürfnisse anpassen und die Standortregion unterstützend und vermittelnd auf beide einwirken. Tun die Akteure dies, können alle davon profitieren.

Clemens Bolli, Fachspezialist regionale Partizipation, Bundesamt für Energie

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