Autofahren ist nicht gleich Autofahren. Wer sich ans Steuer setzt, kann mit seiner Fahrweise den CO2-Ausstoss beeinflussen. Auf der Webseite von «Eco-Drive» findet man Tipps für energieeffizientes Fahren, ob man nun mit einem Benzin-, Hybrid- oder Elektrofahrzeug unterwegs ist. Die Kampagne läuft unter dem Motto «Jeder Liter zählt» und wird von energieschweiz unterstützt.

12 Tipps gibt es für sechs verschiedene Antriebssysteme:

* Verbrenner geschaltet

* Verbrenner Automat

* Plug-in-Fahrzeug

* Hybrid

* Elektro

* Lastwagen

Reifendruck überprüfen, Ballast raus, Dachträger weg oder vorausschauend fahren: Die meisten Tipps gelten unabhängig von der Antriebsart. Andere Tipps sind auf die jeweilige Antriebsart ausgerichtet. Verbrenner-Autos sparen Treibstoff, wenn man niedertourig unterwegs ist. Mit einem Hybrid-Auto sollte man generell elektrisch fahren. Und grundsätzlich gilt bei Fahrzeugen mit Elektro-Antrieb: regelmässig und langsam laden (Schnarchladung).

Kurze animierte Erklärvideos veranschaulichen die einzelnen Tipps. In einem Pocket-Guide sind die Tipps auch analog auf Papier erhältlich.

Regula Zehnder ist bei Eco-Drive für die Kampagne zuständig. Energeiaplus wollte von ihr wissen, warum es diese Kampagne braucht und ob sie das Zielpublikum erreicht.

Energeiaplus: Die Tipps von «Eco-Drive» für energieeffizientes Fahren gibt es schon länger. Nun haben sie die Aktion «Jeder Liter zählt» lanciert. Warum? Sind AutofahrerInnen zu wenig energieeffizient unterwegs?

Regula Zehnder verantwortet die Kampagne „Jeder Liter zählt“ – Bild: David Schweizer für Quality Alliance Eco-Drive

Regula Zehnder: Lassen Sie es mich so sagen: In Anbetracht der unglaublichen Entwicklungen in der Fahrzeugtechnologie inklusive Assistenzsysteme könnte man denken, dass die Fahrzeuge alles selber machen. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt.

Nach wie vor hat die Lenkerin respektive der Lenker das Steuer fest in der Hand und somit durch die Fahrweise massiven Einfluss auf den Treibstoff- respektive Energieverbrauch und nicht zu vergessen auf die Sicherheit. Für die Einzelperson mag das nicht so ins Gewicht fallen – über die Summe aller AutofahrerInnen jedoch zählt jeder Liter. Das Einsparpotential ist enorm.

Das Motto «Jeder Liter zählt» ist eingängig. Kann man AutofahrerInnen, die zum Beispiel an der Ampel ihren Motor laufen lassen, aber erreichen mit einer solchen Kampagne.

Gute Frage. Unser Ziel ist, die AutomobilistInnen immer wieder an die Tipps zu erinnern und sie zur Umsetzung zu motivieren. Da hilft ein eingängiges Motto. Über Projekte mit relevanten Multiplikatoren wie FahrlehrerInnen, Garagen, Firmen mit Fahrzeugflotten (Personenwagen und Nutzfahrzeuge) und auch der Armee wollen wir eine Hebelwirkung auf alle AutolenkerInnen erzielen.

Konkret zwei Beispiele: In der Rekrutenschule der Verkehrs- und Transport-RS Thun lösen die RekrutInnen im Rahmen ihrer Ausbildung jede Woche ein Online-Quiz mit Fragen zu Eco-Drive. Die Erkenntnisse daraus können ihnen auch bei privaten Fahrten von Nutzen sein.

Ab Mai starten wir ein Pilotprojekt mit drei Weiterausbildungs-Zentren (WAB-Zentren) und lancieren einen Wettbewerb für NeulenkerInnen. Während dem WAB-Tag wird ihnen der PocketGuide mit einem QR-Code übergeben. Dieser gibt Zugang zu einem Online-Quiz. Wer alle Fragen gespielt und davon mindestens die Hälfte korrekt beantwortet hat, nimmt an einer monatlichen Verlosung von Gutscheinen teil. So werden die Tipps noch einmal in Erinnerung gerufen und vielleicht erzählt die Neulenkerin respektive der Neulenker auch etwas davon am Familientisch oder im Freundeskreis.

Mit einer energieeffizienten Fahrweise schont man nicht nur das eigene Portemonnaie, ein Benzin-Auto beispielsweise stösst auch weniger CO2 aus. Was bringt das ganz konkret? Können Sie das Einspar-Potenzial beziffern?

Nehmen Sie «Motor abschalten» als Beispiel. Das lohnt sich immer – bei Autos mit Start-Stopp-Automatik ab der ersten Sekunde und bei allen anderen ab 5 bis 10 Sekunden. Experten schätzen das Einsparpotenzial im Stadtverkehr auf bis zu 10 Prozent. Und im Gesamtdurchschnitt immer noch auf stolze 2 bis 3 Prozent.

Ob Sie jemanden aussteigen lassen, schnell einen Brief einwerfen, das Garagentor öffnen, an der Ampel stehen: Es gibt viele Situationen, in denen das Abschalten zu Buche schlägt. Laut Modellrechnungen läuft ein Fahrzeug rund fünf Minuten pro Tag im Leerlauf. Würde nur in der Hälfte dieser Zeit der Motor abgeschaltet, könnten in der Schweiz jährlich rund 50 bis 60 Millionen Liter Treibstoff eingespart werden. Das entspricht einem Ausstoss von 115’000 bis 145’000 Tonnen CO2 oder einem Betrag von 85 bis 110 Millionen Franken. Das sind schon eindrückliche Zahlen.

Ein anderes Beispiel: wenn Sie mit 50km/h im sechsten anstatt im dritten Gang unterwegs sind, sparen Sie je nach Motor bis zu 45% Treibstoff. Notabene immer bei gleicher Geschwindigkeit.

Das Einspar-Potenzial insgesamt schätzen wir auf der Basis unserer Wirkungsmodelle für Personen- und Lieferwagen auf über 500 Millionen Liter Treibstoff respektive mehr als 1.2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in der Schweiz.

Die meisten Tipps gelten für alle Antriebssysteme. Warum dennoch die Unterscheidung? Welche Rolle spielt dabei, dass Hybrid-Fahrzeuge oft nicht so energieeffizient genutzt werden?

Zentral für energieeffizientes Fahren ist unabhängig vom Antriebssystem die vorausschauende Fahrweise und genügend Abstand zu halten. Was die neueren Antriebssysteme betrifft, ist wichtig zu wissen: Auch deren Technik ist nur dann effizient, wenn man sie wirklich nutzt. Hybrid- und Plug-in-Fahrzeuge sollten wirklich mehrheitlich elektrisch gefahren werden.

Es gibt viele markenspezifische Eigenheiten zum Beispiel bezüglich Segeln und Rekuperieren. Ein Beratungsgespräch oder sogar eine Fahrt mit dem Autohändler ist da eine grosse Hilfe, oder eher ein «must». Ergänzend dazu in die Betriebsanleitung zu schauen, ist sicher auch nicht falsch.

Wichtig ist uns, dass alle Aktivitäten unter dem Motto «Jeder Liter zählt» stehen und allen bewusst wird, wieviel wir gemeinsam erreichen können und jeder Einzelne von uns beitragen kann, den CO2-Ausstoss in der Schweiz zu verringern.

Das Interview führte Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

 

 

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