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Die Lebenszykluskosten (Life-Cycle-Cost, LCC) eines Produkts zu berücksichtigen, ist von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, den Beschaffungsprozess nachhaltiger zu gestalten. An der Erfahrungsaustausch-Veranstaltung Energie-Vorbild, die Anfang September im SBB Wylerpark stattgefunden hat, haben sich Spezialistinnen und Spezialisten über den Einbezug von LCC, die Entwicklung eines Tools zur Vollkostenrechnung und ihre bisherigen Erfahrungen damit ausgetauscht.

Die Lebenszykluskosten eines Produktes umfassen die Anschaffungskosten, die Betriebs- und Unterhaltskosten, die Entsorgungskosten, die Kosten versus den Nutzen von Risiken und Chancen und die indirekten Kosten, welche durch die Produktion, den Betrieb und die Entsorgung für Umwelt und Gesellschaft entstehen und monetarisiert werden können (Siehe Abbildung 1). Die neuen Energie-Vorbild Massnahmen ab 2020 sehen vor, dass, wenn nicht von vornherein auf fossile Varianten verzichtet wird, sämtliche energierelevanten Beschaffungen aufgrund einer Vollkostenrechnung, d.h. mit Einbezug der LCC, erfolgen. Dies unterstützt auch das revidierte Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen BöB. Damit die Anwendung von LCC im Beschaffungsprozess für die Akteure einfacher wird, entwickelte Energie-Vorbild ein Excel-basiertes Tool, dass an der ERFA vorgestellt wurde. Dieses LCC-Tool kann vorläufig bei der Beschaffung von Monitoren sowie Heizungen im Gebäudebereich zum Einsatz kommen.

Abbildung 1: Definition Lebenszykluskosten (LCC) gemäss ISO Norm 20400. Quelle: Energie Vorbild

 

Ein Tool zur Berechnung der Lebenszykluskosten
Das LCC-Tool berücksichtigt nebst dem Einkaufspreis eines Produkts auch die gesamten Betriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO), die Umweltbelastungen und die sozialen Auswirkungen. Eine Herausforderung dabei ist es, dass diese Faktoren nicht in den gleichen Einheiten (z.B. Schweizer Franken) vorhanden sind. Soziale Auswirkungen sind häufig eher qualitativen Charakters und schwer zu monetarisieren. Und gewisse Faktoren, wie politische Entscheidungen, können kaum in ein Tool einbezogen werden. Die Akteure waren sich an der ERFA jedoch einig, dass das Tool – auch in seiner noch nicht ausgereiften Form – eine wichtige Entscheidungsgrundlage darstellen kann und unbedingt weiterentwickelt werden soll.

Vera Zotter, Hochschulpraktikantin Medien und Politik, BFE

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4 Antworten
  1. Markus Saurer
    Markus Saurer sagt:

    Es wäre schön, wenn vorgängig erst einmal die ökologischen Lebenszykluskosten berechnet würden. Die Basler Polizei hätte nach einer solchen Rechnung bestimmt auf die Anschaffung ihrer Teslas verzichten müssen. Ein Grossteil der PV-Anlagen würde nicht gebaut. Windmühlen hätten in der Schweiz so gut wie nirgends eine Chance. Die AKW würden nicht ersatzlos abgebaut, sondern mit Werken der neuesten Generation ersetzt. Viele Heizssysteme mit Öl und Gas würden noch jahrelang weiterbetrieben (um graue Energie weiter auszunützen). Kein Mensch würde zurzeit Benzin- und Dieselautos durch E-Autos ersetzen wollen…. Die gesamte Energiestrategie 2050 müsste auf den Kehrichthaufen geworfen werden.

    Jetzt werden wir halt das alles erst in der Praxis erfahren müssen. Ja, wenn man halt nicht rechnen kann…

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  2. Hans Burri
    Hans Burri sagt:

    Ich hoffe, dass dieses Tool die Informationen liefert, welche angepriesen werden. Bedingung ist allerdings, dass alle technischen und ökonomischen Fakten und Zusammenhänge wissenschaftlich korrekt erfasst worden sind. Ist dies der Fall, so gehe ich davon aus, dass die Resultate dann zeigen werden, dass viele der bis heute getroffenen grundsätzlichen Entscheidungen in der Schweizer Energiepolitik (ES2050) schlicht falsch sind. Im Grunde genommen bräuchte es ein solches tool gar nicht, wenn man dem vorhandenen, über viele Jahre kumulierten Wissen der (ausserhalb der Verwaltung) tätigen Fachleute vertrauen würde, welches unbelastet von allen politischen Faktoren und Absichten ist. Es muss einmal gesagt werden. Ich kann mich nicht erinnern, dass seit 2011 bei uns öffentliche Hearings zur „richtigen“ Energiepolitik stattgefunden haben, in welchen Profis zu allen potentiellen Folgen von beabsichtigten Entscheidungen der Politik vorher eingehend befragt worden wären. Auf dem Gebiet der modernen Technologien betrachte ich als Ingenieur ein derartiges Vorgehen heutzutage aber als ein absolutes MUST.

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