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Wie geht Netto-Null ganz praktisch? Lernende organisieren klimafreundliche Tagung


«Bildung für Netto-Null – Jede Reduktion zählt». So heisst die Veranstaltung, die vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) und dem Bundesamt für Energie (BFE) organisiert wurde. Angesprochen waren Akteurinnen und Akteure der Berufs- und Weiterbildung. Das Besondere: Die Veranstaltung wurde von KV- und Mediamatik-Lernenden der beiden Bundesämter mitorganisiert. Denn: Im Bildungsplan für Kaufleute EFZ ist das Organisieren einer klimafreundlichen Veranstaltung neu als Leistungsziel enthalten.

Karina Ostrowski und Lara Cina, beide machen die KV-Lehre im BFE, waren zwei der 16 Lernenden, die sich für die Organisation dieser Tagung gemeldet haben. «Es braucht viel, um einen Anlass zu organisieren und noch mehr, wenn man so einen Anlass klimaschonend durchführen will», stellt Karina Ostrowski rückblickend fest. Und Lara Cina ergänzt: «Es war mir nicht bewusst, wieviel Emissionen so ein Anlass bewirkt. Es hat mir die Augen geöffnet.»

Doch wie macht man das, eine Veranstaltung klimafreundlich organisieren? Und wie kann man das überhaupt messen? Karina Ostrowski gibt zu, dass sie sich bis dahin noch nicht gross mit solchen Fragen beschäftigt hatte. Teil des Projekts war es denn auch, den Lernenden zunächst das nötige Wissen zu vermitteln zu Themen wie Mobilität, Heizen, Stromverbrauch und Nahrungsmittel.

Und dann ging es an die Umsetzung. Die 16 Lernenden haben sich– aufgeteilt in vier Gruppen – darauf konzentriert, dass bei Hin- und Rückreise (Mobilität), Tagungsräumlichkeiten, Kommunikation über die Veranstaltung oder Catering möglichst wenig Emissionen verursacht werden. Sie haben einen geeigneten Raum gesucht und reserviert. Einladungen mussten verschickt, Namensschilder vorbereitet, die Technik im Saal sichergestellt werden, das Apero musste organisiert sein – und das alles möglichst klimafreundlich.

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Und wie sieht es nun nach Abschluss der Veranstaltung aus punkto Klimafreundlichkeit und ökologischem Fussabdruck? „Wir mussten über die entstandenen Emissionen genau Buch führen“, sagt Karina Ostrowski. In einem Tool der Klimaschutzorganisation myclimate hätten sie die Daten eingeben müssen. So konnten sie sehen, wo sie die Ziele erreicht haben und wo nicht. Und wie sieht die Bilanz aus?

„Es hat funktioniert“, verkündete Ruben Burn, Mediamatiker-Lehrling beim BAFU, auf der Bühne den Tagungsteilnehmenden. Vier Tonnen CO2 konnten eingespart werden. Im Vergleich zu einer ähnlich grossen Veranstaltung nach herkömmlichem Muster entspreche das einer Reduktion der Emissionen um fast 60 Prozent. Erreicht haben die Lernenden das unter anderem, indem sie die Tagungsteilnehmenden schon bei der Anmeldung zur Anreise ohne Auto ermunterten. Die verhältnismässig grösste Einsparung wurde mit dem Catering erzielt. Statt Weisswein oder Kaffee gab es Tee und Apfelsaft. Sie buken vegane Randen-Brownies, und auch etwas Warmes wurde offeriert – eine vegetarische Süsskartoffelsuppe – alles hergestellt aus Lebensmitteln, die sonst im Kübel gelandet wären.

Emissionen einsparen und beim Apéro trotzdem einen guten Eindruck hinterlassen, das sei schon eine Herausforderung gewesen, sagt Lara Cina. Es habe am Anlass auch Fragen gegeben, beispielsweise warum Tee denn besser sei als Kaffee. „Wir konnten das Wissen, das wir uns in der Vorbereitung angeeignet haben, gleich anwenden beim Erklären.“ Die Rückmeldungen seien aber grundsätzlich sehr positiv gewesen. Insbesondere die veganen Brownies seien sehr gut angekommen. Und Karina Ostrowski bilanziert: „Es war eine gute Gelegenheit, nicht nur theoretisch, sondern praktisch zu erfahren, wie Klimaschutz ganz konkret umgesetzt werden kann.“

Das Projekt mit den Lernenden von BAFU und BFE hat Pilotcharakter. Es soll als Beispiel dienen, wie man in der Berufsbildung umweltrelevante Kompetenzen praxisnah erwerben kann. Ein Ziel der Veranstaltung war denn auch, aufzuzeigen, wie das ganz konkret gehen könnte. Davon sollen insbesondere auch die Akteure und Akteurinnen der Berufsbildung profitieren, wenn sie Klima- und Umweltschutz und Nachhaltigkeit in ihren Berufsausbildungen thematisieren.

Nadine Gehrig ist beim BAFU für die Umweltbildung zuständig und hat diese Tagung für Bildungsakteurinnen und -akteure verantwortet. Wie sieht die Bilanz aus ihrer Sicht aus? Energeiaplus hat nachgefragt.

Energeiaplus: Hat es sich aus Ihrer Perspektive bewährt, die Tagung von Lernenden mitorganisieren zu lassen?

Nadine Gehrig, Verantwortliche für die Umweltbildung beim BAFU, Bild BAFU

Nadine Gehrig: Ja natürlich! Ein Real-Labor hat sicher den besten Lerneffekt für die Lernenden. Für mich gab es dadurch zwar einiges mehr an Koordinationsaufwand. Das hat sich aber gelohnt und war auch für mich lehrreich! Ich würde es auf jeden Fall wieder machen. Die jungen Menschen kamen mit kreativen Ideen, auf die ich so nicht gekommen wäre (z.B. Deko selber basteln, Catering selber kochen und backen)!

Was war die Motivation dazu?

Wir richten unsere Angebote an Bildungsakteure und -akteurinnen in der Berufs- und Weiterbildung, die ihre Berufsausbildungen nachhaltiger gestalten sollen und sagen ihnen, welche Kompetenzen die Lernenden brauchen. Da liegt es auf der Hand, diese Zielgruppe – die Lernenden – einzubeziehen und als Vorbild voranzugehen. Das Lernziel im Bildungsplan hat uns ja eigentlich sogar den Auftrag gegeben!

Wie nachhaltig sind solche Projekte? Oder anders gefragt: Bleibt bei den jungen Leuten tatsächlich was hängen? Was sind Ihre Erfahrungen?

Eine Lernende hat mir gesagt, dass sie von nun an gar nicht mehr anders an die Organisation einer Veranstaltung herangehen könne. Ich bin überzeugt, dass der Lerneffekt durch die konkrete Anwendung sehr viel höher ist, als wenn es theoretisch bleibt. Ein Real-Labor ist sehr zu empfehlen.

Im Bildungsplan des KV sind klimaschutzrelevante Kompetenzen verankert. Die Umsetzung in der Praxis scheitert indes oft an fehlenden Umsetzungsmöglichkeiten, fehlenden Hilfsmitteln oder fehlendem Willen. Was versprechen Sie sich nun von diesem Pilotprojekt?

Mit den Inputreferaten, dem Real-Labor und den 19 Marktständen mit konkreten Bildungsprojekten zu Netto-Null wollten wir ihnen aufzeigen, dass sie nicht alleine sind, zu Vernetzung anregen und mögliche Wege darlegen. Es soll Mut machen, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen, Möglichkeiten aufzeigen, wie das funktionieren könnte, Hilfsmittel, Good Practice und Beratungsangebote zur Hand geben. Man darf ruhig kreativ aktiv werden, praktische Lerngelegenheiten schaffen und neue Wege gehen.

Text und Bilder: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

 

 

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