Der Gipser verputzt die Wand, der Maler streicht sie. Wo und wie betreffen diese Berufe das Klima, den Energieverbrauch, die natürlichen Ressourcen? Das BFE und das BAFU haben zusammen mit dem Berufsverband SMGV die Schnittstellen zu den Themen Umwelt, Klima, Ressourcen und Energie ausgeleuchtet.

Fazit: Maler und Gipser können einiges zu Klima- und Umweltschutz und mehr Energieeffizienz beitragen.

Zum Beispiel mit der Wahl der Farbe: Streicht der Maler die Wand mit Kunstharzfarbe, dann spart die Bauherrschaft Zeit. Kunstharzfarben trocknen schneller als z.B. Naturfarben. Sie sind leicht zu verarbeiten und preisgünstig. Das Problem: Die Grundlage für Kunstharzfarben ist Erdöl. Bei der Entsorgung gelten sie als Sonderabfall, müssen auf Deponien gelagert oder thermisch verwertet werden. Die graue Energie, also die Energie, die es für Produktion und Entsorgung braucht, ist demnach viel grösser als bei Naturfarben.

Energieintensiver Gips

Bei den Gipsern liegt die grösste Herausforderung bei der Herstellung der Produkte. Die Produktion von Gips ist sehr energieintensiv. Verwendet der Gipser für den Verputz Gips-, Kalk- oder Zementmörtel, ist das indes ökologisch unbedenklich, da es sich um natürliche Rohstoffe handelt. Alternativen wie Lehm hinterlassen Löcher in der Landschaft.

Farbe, Lack, Dämmmaterialen, Verputz: Maler und Gipser können mit der Wahl der Materialen Einfluss nehmen auf Umwelt, Klima und Energieverbrauch.

Pinsel-Renovation oder energetische Sanierung?

In der Praxis zeigt sich aber: Bei Neubauten haben Maler und Gipser in der Regel geringen Einfluss auf die Material- und Produktewahl, da die Bauherrschaft im Rahmen der Planung viele Entscheidungen mit dem Architekten oder der Architektin trifft.

Bei Gebäudesanierungen können Maler und Gipser mehr mitreden. Meistens besteht da ein direkter Kontakt mit der Bauherrschaft. Maler und Gipser können die Vor- und Nachteile der verschiedenen Produkte erläutern. Sie können auch Einfluss nehmen, ob lediglich eine Pinsel-Renovation oder doch eine energetische Gebäude-Sanierung vorgenommen wird.

Wo besteht Handlungsbedarf?

Zentraler Pfeiler sind die nötigen Fachkompetenzen über die Zusammensetzung von Farben, Lacken und Verputzen und die richtige Entsorgung. Hier sind Betriebe, Aus- und Weiterbildung gefordert, aber auch die Hersteller, indem sie den Fokus in ihrem Angebot auf umweltfreundliche Anstriche setzen. Zudem muss das Fachwissen in den Bauprozess einfliessen. Dabei sind angrenzende Berufsleute wie zb. Architekten aufgerufen, das Fachwissen der Maler und Gipser frühzeitig abzuholen.

Labels (z.B. «Positiv-Liste» für vorbildliche Farbstoffe) können bei der Wahl des Materials helfen. Die Politik kann Anreize schaffen oder Vorschriften erlassen zum Beispiel für kritische Inhaltsstoffe. Informations- und Motivationskampagnen wie «Dämmen, nicht nur malen» sensibilisieren zu einem energie- und umweltbewussten Verhalten.

Apps für die Umwelt

Und auch wichtig: Maler und Gipser müssen als kompetente Berater wahrgenommen werden von allen Partnern in der Baubranche. Einen Beitrag kann auch die Digitalisierung leisten. Apps können etwa das Teilen respektive Weitergeben von übrig gebliebener Farbe ermöglichen.

Gestützt auf die Basis-Analyse von BFE, BAFU und Berufsverband der Maler und Gipser (SMGV) sollen nun die Bildungserlasse für die beiden Berufe Maler und Gipser überprüft und allenfalls Lehrmittel und Kursunterlagen angepasst werden.

Weitere Berufsanalysen in Arbeit:
BFE und BAFU sind derzeit daran, bei verschiedenen Berufen die Schnittstellen zu Umwelt, Klima und Energie zu analysieren – immer in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Branchenorganisationen. Berufsfeldanalysen wurden bereits gemacht bei den Kälte- und den Ofenbau-Berufen. Die Basisanalyse der Zeichnerberufe (PLAVENIR) läuft bereits.

Weitere Analysen bei HolzbauSchweiz und suissetec starten demnächst. Es gehe dabei auch darum, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen zu den Berufsverbänden, sagt Christoph Blaser, Fachspezialist für Aus- und Weiterbildung im BFE. Denn: BFE und BAFU könnten den Handlungsbedarf zwar aufzeigen und Empfehlungen abgeben. Veränderungen müssen die Berufsverbände allerdings selber anstossen. BAFU und BFE können sie dann dabei unterstützen.

Brigitte Mader, Kommunikation Bundesamt für Energie

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