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Martin Vosseler verstarb letzten Mittwoch in Basel bei einem tragischen Verkehrsunfall. Mit Martin «Vossolar@ » verliert die Umweltbewegung einen der weltweit profiliertesten und besten vernetzten Vordenker und Wegbereiter der Solarwende sowie einen glaubwürdigen Verfechter für mehr Energieeffizienz.  Er war eine vielseitige Persönlichkeit, die von links bis rechts, in Stadt und Land respektiert und geachtet wurde und bei der Lösungssuche vermitteln konnte.

«Weltweit» schreibe ich, denn Martin Vosseler kannte bei seinem Wirken weder Grenzen noch liess er sich von Hierarchien bremsen. Er war Initiant von SONNEschweiz und von «ÄrztInnen für Soziale Verantwortung», Schweizer Ableger der «International Physicians for the Prevention of Nuclear War», die 1985 den Friedensnobelpreis erhielt. «Vossolar@», so lautete seine E-Mail-Adresse, war auch Mitbegründer weiterer Initiativen, wie etwa der Sun21. Er trug seine Botschaften im SUNwalk zu Fuss quer durch die USA, nach Russland und China, nach Hiroshima und Jerusalem. Und mit der Sun21 holte er Al Gore in die Schweiz. Martin wirkte ebenso auf nationaler und auf regionaler Ebene (Zollfreistrasse) und in seinem Mikrokosmos. Dazu gehörte sein Haus in Elm, die «Solarche», ein unter Schutz stehendes ehemaliges Pfarrhaus aus dem 16. Jahrhundert, in dessen Dach er eine Photovoltaikanlage integrierte und dessen «Vorgärtli» er vor dem Parkplatzbau bewahren konnte.

Was ich an Martin besonders bewunderte, war seine Empathie und der Respekt, den er auch für seine Widersacher aufbringen konnte und wie es ihm jeweils gelang, dass dieser Respekt erwidert wurde. So erhielt er bei seinem Protest gegen die Zollfreistrasse in Basel Unterstützung von Vertretern und Vertreterinnen aller politischen Parteien, selbst von der SVP und mit ihm liess sich auch eine Ordensschwester an einen der zu fällenden Bäume ketten. Martin konnte Leute aus dem Basler «Taig» für seine Anliegen gewinnen, ebenso einfache Leute. In Basel trat er mit seinem gepflegten Baseldeutsch auf, in Elm überraschte er mich mit dem urchigen Glarner Dialekt, der ihm von seiner Mutter in die Wiege gelegt wurde.

Was mich an Martin beeindruckte, war seine Vielseitigkeit, die wohl einzigartig ist. Dazu gehören seine liebevoll gestalteten und zeitlosen Kinderbücher: «s’Wölggli und dr Wunderli», die wir immer wieder gerne Freunden zur Geburt ihrer Kinder schenken, und seine Aquarelle und Fotographien, seine kalligraphischen Kunstwerke sowie seine überzeugenden Vorträge, kabarettistisch-theatralischen und musikalischen Einlagen, z.B. als «Schorsch».

Ich lernte Martin Vosseler 1983 anlässlich der «Auto-Beerdigung» kennen, als Roland Matter, ein anderer Basler Arzt, die Bevölkerung dazu aufforderte, den Missbrauch des Autos einzudämmen. Aus Protest gegen die Luftverschmutzung und das Waldsterben zerlegte dieser sein eigenes Auto medienwirksam auf dem Basler Marktplatz. Ab da und bis zu meinem Wegzug aus Basel wurde Martin Vosseler mein Hausarzt. Doch der Kontakt zwischen uns blieb bestehen, wir tauschten uns regelmässig über politische und persönliche Dinge aus. Letztmals am 7. Oktober 2019 als er mir im Hinblick auf die Klimajugend schrieb: «Ja, es ist grossartig, wie es sich allenthalben bewegt. Ich erwarte grosse Durchbrüche in den bevorstehenden Jahren. Dank den Jungen . . . ». Ich hoffe, seine Erwartungen gehen in Erfüllung und ich bin zuversichtlich, dass die vielen Samen, die er gesät hat, nach seinem Abschied weiter spriessen und gedeihen werden.

Hermann Scherrer, Stv. Leiter Mobilität, Bundesamt für Energie

Bild: Martin Vosseler, 2006/07: Aquarell «Casablanca», gezeichnet anlässlich der ersten Atlantiküberquerung mit einem Solarkatamaran (Foto: Hermann Scherrer)

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