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Könnten die Speicherseen der alpinen Grosswasserkraft nebst der Energieproduktion auch für weitere Zwecke genutzt werden? Welche Nutzungen wären denkbar und was für Hemmnisse gibt es bei der Umsetzung von Mehrzweckspeicher-Projekten? Diese und weitere Fragen habe ich im Rahmen einer Masterarbeit zum Thema Mehrzweckspeicher am geographischen Institut der Universität Zürich und der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL untersucht.

Wie die Arbeit zeigte, bieten die Speicherseen der alpinen Grosswasserkraft nebst ihrer Primärfunktion, der Energieerzeugung und -speicherung, eine Vielzahl von weiteren Nutzungsmöglichkeiten. So kann das Reservoir-Wasser für die Trinkwasserversorgung, die Bewässerung, Beschneiung oder als Löschwasser genutzt werden. Weiter können die Speicherseen eine Schutzfunktion wahrnehmen, da das Wasser bei Starkniederschlägen im See zurückgehalten und später kontrolliert abgegeben werden kann. Eine gezielte Bewirtschaftung kann auch die Gewässerdynamik und damit den ökologischen Zustand der Gewässer verbessern. Schlussendlich bestehen ebenso Nutzungsmöglichkeiten für die Gesellschaft, beispielsweise indem die Infrastruktur des Kraftwerks zugänglich gemacht wird oder der See als touristisches Ausflugsziel dient.

Als ein grosses Hindernis für die Umsetzung von Mehrzweckspeicher-Projekten wurde die strukturelle Komplexität aufgrund der Vielzahl an involvierten privaten und öffentlichen Akteuren mit unterschiedlichen Interessen und Rechten identifiziert. Hinzu kommt, dass der Umgang mit der Wasserthematik oft emotional geprägt ist und Gesamtnutzungskonzepte häufig fehlen. Eine Mehrzwecknutzung kann aber auch dadurch beschränkt werden, dass der Speichersee zu weit von den potentiellen Nutzungen entfernt liegt.

Gemäss den Klimamodellen für die Schweiz werden die Sommer in Zukunft wärmer und trockener. Einen Vorgeschmack darauf konnten wir schon in diesem Jahr erleben. Die heissen Temperaturen, begleitet von geringen Niederschlagsmengen, führten in weiten Teilen der Schweiz zu Trockenheit. Waldbrandgefahr, niedrige Pegelstände in Seen und Flüssen mit erhöhten Gewässertemperaturen sowie lokal Einschränkungen bei der Wassernutzung waren die Folgen. Aufgrund des Rückgangs von Gletschern und Schneedecke als natürliche Speicher sowie der erwarteten Bevölkerungszunahme wird sich das Problem künftig noch verschärfen. Das Potential von Mehrzweckspeichern zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird daher zunehmend diskutiert und in weiteren Studien genauer untersucht.

Leoni Jossen, Fachspezialistin Energieversorgung und Monitoring BFE

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