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Solarpanels werden von Architekten und Bauherren wegen ihren limitierten Gestaltungsmöglichkeiten bisher an Häuserfassaden noch zu wenig verwendet. Um aus Fassaden attraktiv, gestaltete Kraftwerke zu machen, wurden in einem Pilotprojekt mit Unterstützung des Bundesamtes für Energie Methoden untersucht, um für marktgängige Solarpanels eine nachträgliche Individualisierung des Erscheinungsbildes zu ermöglichen (ohne Eingriff in die Produktion der PV-Module). Verschiedene Techniken der Glasoberflächenbearbeitung und Färbung wurden bezüglich Wirkungsgrad und Beständigkeit getestet. Mit der eigenentwickelten Sandstrahltechnik, mit und ohne anschliessender Farbveredelung wurde eine Bearbeitungstechnik gefunden, mit der praktisch jedes erdenkliche Design und jede beliebige Struktur erzeugt werden kann. Die Ertragswerte der bearbeiteten Panels liegen im Vergleich zu unbehandelten nur gerade 5 bis 10 Prozent tiefer, durch den Filtereffekt bei einzelnen Farben um ca. 20%.

 

 

Ob diese Individualisierungstechnik auch Akzeptanz innerhalb der Branche findet, prüften die Projektverantwortlichen anhand der Verarbeitung an einem Mehrfamilienhaus in Basel im Rahmen eine Gesamtsanierung. Vor Baustart wurden regionale Entscheidungsträger, Planer und Behörden an einen Tisch gebracht. Der Wunsch nach gleichwertigen Erstellungskosten, einem Spitzenertrag sowie Ersatz auch nach 5 Jahren wurde hier geäussert. Ausserdem betonte die Stadtbildkommission Basel das zentrale Anliegen, dass die PV-Fassaden zum Charakter des Umfelds passen müssen. Die Einbindung der Stakeholder zeigte, dass ein eindeutiger Trend zur Individualisierung der PV-Panels besteht und die neue Technik offene Türen einrennt. Und doch gestaltete sich die Umsetzung am Objekt schwieriger als erwartet. Die Stadtbildkommission wies die freier gestalteten Vorschläge zurück und forderte eine zurückhaltendere, flächigere Gestaltung. Die höheren Leistungsverluste der neuen Gestaltung und eine nicht gleichbleibende Qualität und Optik der manuell behandelten Module ist leider der fehlenden Zeit und Testphase bei der Überarbeitung des Designs geschuldet.

Die Auswertung der ersten Resultate über den Jahresverlauf zeigen, dass die angebrachte Fassadenanlage einen besser ausgeglichenen Ertrag leistet: Im Winter bei tiefem Sonnenstand bringt die Fassade immerhin den gleichen Ertrag wie die Dachanlage, die aus den gleichen, nicht behandelten PV-Module erstellt wurde. Die Individualisierung hat sich also bewährt. Weitere Herausforderungen liegen nun bei der Standardisierung des Verfahrens zur individuellen Gestaltung und der Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern aus dem Fassadenbau, um schneller und kostengünstiger arbeiten zu können.

Stephanie Bos, Hochschulpraktikantin Medien und Politik, BFE

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