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Vom 9. bis 13. Oktober fand in Istanbul der Weltenergiekongress statt. Dieser wird alle drei Jahre vom Weltenergierat (WEC) organisiert. Der WEC ist der Dachverband nationaler Energieräte, in welchen Unternehmen, Behörden und Wissenschaft vertreten sind. Da überwiegend von Energieunternehmen finanziert, hat der WEC einen eher konservativen Ruf. Umso mehr liessen die Communiqués zum Auftakt des Kongresses aufhorchen, in welchen ein Umbruch zu mehr Nachhaltigkeit in der Energiewelt angemahnt wurde.

Leider war am Kongress, der wegen der Sicherheitslage in der Türkei nur von 2000 Delegierten anstatt wie üblich von 7000 Delegierten besucht wurde, wenig von Umbruch zu spüren. Der erste Tag wurde von den Präsidenten Erdogan, Putin, Maduro (Venezuela) und Aliew (Aserbaidschan) mit Ankündigungen zu Grossprojekten und Appellen für höhere Erdölpreise vereinnahmt. Ansonsten schien jeder Sektor mit sich selber beschäftigt und aufgrund des öffentlichen Drucks für mehr Klimaverträglichkeit in der Defensive. Um Einnahmen bangende Erdölförderstaaten klagten über die „Diskriminierung“ von Erdöl und wiesen darauf hin, dass gemäss einschlägigen Szenarien Erdöl noch über Jahrzehnte der wichtigste Energieträger bleiben werde. Erdölkonzerne vertraten eine nuanciertere Haltung, wiesen auf die eigenen Anstrengungen zur Reduzierung von Emissionen hin, und spielten die Gefahr einer Karbon-Blase herunter (d.h. dass in ihren Büchern aufgeführte Reserven wegen klimapolitischen Vorgaben nie gefördert würden). Der Tenor lautete, dass Kohle (die kaum durch Unternehmen vertreten war) zuerst verdrängt und Erdgas vermehrt eingesetzt werden müsse.

Europäische Stromunternehmen (amerikanische waren kaum anwesend) schilderten, wie sie sich dem radikalen Umbau des Energiesektors anpassen: Investiert werde nur noch in subventionierte Energien und Netze; Unternehmen müssen neue Geschäftszweige erschliessen in einem Sektor, der von dezentraler Energieerzeugung, Nachfragesteuerung, dem Zusammenspiel von Strom, Erdgas, Wärme und Speichern sowie Digitalisierung geprägt ist. Für Minister und Unternehmen aus Drittweltstaaten hat die Sicherstellung der Energieversorgung höchste Priorität – inklusiv für jene, die noch mit Holz kochen und keinen Stromanschluss haben.

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz wurden am Weltenergiekongress zwar rhetorisch gewürdigt, vertieft behandelt wurden sie aber nur von grossen Technologiekonzernen. Als Zufall oder als Zeichen eines parallelen Daseins zweier Energiewelten mag gewertet werden, dass just in denselben Tagen in London Bloomberg New Energy Finance ein Hochamt des aufstrebenden Erneuerbaren-Sektors zelebrierte. Interessant waren Beiträge der Finanzbranche: Für diese ist „De-Risking“ des Energiesektors die grösste Herausforderung, wobei das regulatorische Risiko als das weitaus höchste eingestuft wird.

Jean-Christophe Füeg, Leiter Internationales beim BFE

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1 Antwort
  1. Gustav R Grob
    Gustav R Grob says:

    Gleichzeitig fand in Genf das 25-Jahresjubiläum der World Clean Energy Conference WCEC bei der UNO in Genf statt, wo alle sauberen Energiekonzepte präsentiert worden, welche den notorischen IEA Fehlprognosen z.G. der fossilen Energiequellen und dem konservativen WCEC Energie-Lobbyverein paroli bieten, aber vom Bund und speziell von WCEC Berichterstatter Füeg systematisch sabotiert wurde, trotz Beschluss der neuen Energiestrategie des Gesamtparlamentes für saubere, nachhaltige Energie. Siehe Berichterstattung auf http://www.iseo.uno und http://www.wcec.uno und in den Energy Cluster News..

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