Südkoreas Energiepolitik


Herr Botschafter Lee*, welche Schwerpunkte setzt Ihr Land aktuell in der Energiepolitik?
Südkorea ist ein an natürlichen Ressourcen armes Land und stark von importierter Energie (96%) abhängig, und die Energieeinfuhren konzentrieren sich auf bestimmte Regionen wie den Nahost-Raum. In dieser Situation hat  Korea die Priorität auf die Sicherung stabiler Energieressourcen für ein nachhaltiges Wachstum gesetzt.

Entsprechend dem Übergang zu einer globalen kohlenstoffarmen Energie unter Einbezug des neuen Klimaregimes nach der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen in Paris 2015 (COP21) ist Korea vorsorglich daran, den Anteil der erneuerbaren Energie auszubauen. Auf der anderen Seite fördert Südkorea die Entwicklung der neuen Energiegeschäfte, um die Vorteile des Klimawandels als neuen Wirtschaftswachstumsmotor zu nutzen.

Inwiefern haben sich diese Schwerpunkte in den letzten 15 Jahren verändert?
Im Jahr 1979 fasste Südkorea einen nationalen Plan für die Entwicklung der Ressourcen in Übersee (overseas resource development plan) und entwickelte Projekte für die Rohstofferforschung und -entwicklung in Übersee, um die wichtigen Energiequellen wie Öl und Gas zu sichern. Darüber hinaus hat es die Bemühungen fortgesetzt, die Einfuhrrouten für die Energiequellen auszuweiten.

Die koreanische Regierung hat ab 2008 die Strategie ‘grünes Wachstum mit wenig Kohlenstoff’ zu ihrer Energiepolitik gemacht und strebt an, die sauberen Energietechnologien zu entwickeln und die Versorgung mit Kernenergie und neuer erneuerbarer Energie auszubauen.

Im November 2015 hat es die ‘Strategie für den Ausbau neuer Energiegeschäfte 2030’ eingeführt und die Entwicklung neuer Energiegeschäfte, wie ‘energy prosumer’, kohlenstoffarme Energieerzeugung, Elektrofahrzeuge und umweltfreundliche Verfahren, wird vorangetrieben.

Wie wird der Energiemix Ihres Landes 2050 aussehen?
Südkorea hat 2008 den ersten Energiemasterplan erstellt und überprüft ihn und dessen Umsetzung alle fünf Jahre für die nächsten 20 Jahre.

Gemäss dem zweiten Energiemasterplan vom Januar 2014, der die Energiepolitik und die Vision definiert, hat Korea folgende Ziele festgelegt: 11 Prozent für den Anteil aus neuer erneuerbarer Energie, 22 bis 29 Prozent aus Kernkraft, 53 Prozent aus Erdgas und fossilen Energien an der Stromerzeugung. Das Land will den Anteil von fossilen Brennstoffen senken und den Anteil aus Kernkraft und neuer erneuerbarer Energie schrittweise ausbauen.

In Korea wurde 2014 der Gesamtenergiemix (Primärenergie) zu 83.8 Prozent aus fossilen Energien, zu 11.7 Prozent aus  Kernkraft und zu rund 4.5 Prozent aus Wasserkraft und neuen erneuerbaren  Energien produziert.

*LEE Sangkyu ist Botschafter der Republik Korea in der Schweiz.

2 Kommentare zu “Südkoreas Energiepolitik”

  1. Interessantes Interview. Stutzig wurde ich bei den Angaben zu Südkoreas Strommix. Nach Angaben der IAEA bewegte sich der Atomstromanteil des Landes in den letzten 10 Jahren im Bereich von rund einem Drittel.

    1. Dear Mr. Brugger, Thank you for your comment. You are right. Nuclear power has taken up around 25 to 30 percent of the electricity generation in Korea during past decades. 11.7% at the last paragraph of this article is the proportion of nuclear energy in Korea’s overall energy mix in 2014. I think this happened due to a mistake in translation at our side. I am sorry for this mistake. I will ask the editor of this page to correct it. Thank you again for your comment.

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