Eröffnungstag an der E-world: Engagierte Diskussionen zur Notwendigkeit von Kapazitätsmärkten sowie der Position der Schweiz im sich etablierenden europäischen Strombinnenmarkt waren im Konferenzteil der Veranstaltung zu registrieren. In den Hallen viele Besucher, meist männlich, eine recht gute Stimmung und die Gewissheit, dass die Branche in einem umfassenden Change steht, was neue Aussteller wie Microsoft oder der Riesenstand der Deutschen Telecom manifestieren.

Zusammen mit dem in Frankfurt domizilierten Schweizer Konsul Thomas Casura stattete ich diversen Schweizer Ausstellern einen Besuch ab, um mich über die Entwicklungen eingehender zu informieren. Axpo, Alpiq und BKW sind an der e-world wiederum mit recht grossen Ständen vertreten und präsentieren sich mit Bildern sowie Symbolen  der Schweizer Wasserkraft, Gletschern, Berge und der internationalen Vernetzung. Nicht mehr als Aussteller vertreten ist  Repower, deren Vertreter sich jedoch als Messebesucher informieren und Gespräche führen.

Die Stimmung bei den Händlern ist durchaus positiv; sie machen auch bei tiefen Preisen Geschäfte, doch sind die Zeiten guter Margen vorüber. Kurzfristig würden sie wohl auch ein Abseitsstehen vom EU-Strombinnenmarkt wegen des fehlenden Stromabkommens überstehen: Sie haben meist Tochterfirmen in den wichtigsten Märkten etabliert, doch befürchten sie mittelfristig Benachteiligungen für aus der Schweiz gelieferten Strom und ein Verweigerung der Teilnahme an lukrativen Teilmärkten.

Eine grössere Zahl von Schweizer Ausstellern wie Brady Energy, Allegro, EnerBit etc. bietet Softwarelösungen für die Strom- und Gasbranche an und ist teils mit allen grossen europäischen Unternehmen in Kontakt oder engen Geschäftsbeziehungen. Spannend auch das Berner Jungunternehmen enersis Suisse AG, das in enger Zusammenarbeit mit Prof. Stefanie Teufel von der Universität Freiburg  eine grafische Software entwickelt hat, welche für Entscheidungsträger aus den Kommunen aber auch Energieunternehmen interessant sein kann.

Mutig auch der Auftritt von vRbikes mit ihrem neuen Produkt Electrant, einer in der Schweiz hergestellten Stromtankstelle, die auf ihrem Gehäuse das klassisch schöne vonRoll-Logo eingeprägt hat, das uns in der Jugend von jedem Kanalisationsdeckel und Hydranten entgegensprang. Nun wollen sie den europäischen Markt mit ausgereiften Schnelllade-Lösungen für Tesla, BMW i3 etc. erobern, welche die Designhandschrift des Atelier du Nord Lausanne tragen.

Innovativ auch die Angebote des Teams von Meteomatics, welche zusammen mit MeteoSchweiz  Wetterprognosen für den Stromhandel entwickeln, denn der Strompreis ist immer stärker  beeinflusst von den eingespeisten Photovoltaik- und Windenergiemengen, die beide extrem witterungsabhängig sind. Zusammen mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt setzen sie nun in Versuchen erstmals Drohnen ein, um noch präzisere Informationen zu erhalten. In Deutschland wären 56 und in der Schweiz 20 derartige Drohnen nötig, um noch verlässlichere Prognosen auch für die mittleren Luftschichten zu erhalten. Vorläufig ist das noch Zukunftsmusik – aber die Händler scheinen sehr interessiert zu sein.

Fazit: Gute Stimmung in einer Zeit des Wandels, allenfalls könnte ein Schweizer Gemeinschaftsstand künftig noch zusätzlich Nutzen für mehr sowie insbesondere auch jüngere Schweizer Unternehmen bieten.

Walter Steinmann, Direktor BFE

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