Das Kleinwasserkraftwerk in Grenchen erhält erneut eine Auszeichnung: Nach dem Innovationspreis der Stadt Grenchen 2016 hat es nun auch noch den Solothurner Heimatschutzpreis «Tun und Wirken» gewonnen. Der Preis wird am 2. Oktober 2021 verliehen.

Das ursprüngliche Kleinwasserkraftwerk wurde 1915 durch die BLS in Zusammenhang mit dem Eisenbahntunnelbau Grenchen – Moutier gebaut: Der dazumal noch mit Dampflokomotiven befahrene Grenchenbergtunnel musste entlüftet werden. Dazu benötigte die BLS Strom.

Kraftwerkanlage in Grenchen: Turbine und Generator Bild: Armin Meier

Das Kraftwerk produzierte während 50 Jahren Strom, zunächst für die Tunnelbelüftung und später für die Stadtwerke Grenchen. Ende der 60er Jahre wurde vermehrt auf Atomstrom und grosse Wasserkraftwerke gesetzt, weshalb die Anlage vom Netz genommen und demontiert wurde. Bis sie der Energieingenieur Armin Meier 2013 wieder zum Leben erweckte. Eher zufällig wurde er auf das Kraftwerk aufmerksam. «Da fliesst Wasser ungenutzt an einem Kraftwerk vorbei.». Diesem für ihn «energiepolitischen Sündenfall « konnte er nicht tatenlos zusehen.

Er setzte eine neue Turbinentechnik ein. Ganze neun Jahre dauerte die Umsetzung von der Idee bis zur Inbetriebnahme. Seit acht Jahren ist das neue Kraftwerk nun in Betrieb.

In diesen acht Jahren hat das Kraftwerk rund 1’500’000 kWh erneuerbare Energie produziert. Für diese Energiemenge wären in einem thermischen Ölkraftwerk 450’000 Liter Öl notwendig. Dies hätte den Ausstoss von über einer Million Kilo CO2 zur Folge. Zum Vergleich: Ein 4-Personen-Haushalt benötigt pro Jahr etwa 4’500 kWh. Der produzierte Strom entspricht also dem, den rund 40 Vier-Personen-Haushalte jährlich verbrauchen.

Grosses Interesse

Mit seinem Kraftwerk hat Armin Meier grosse Resonanz ausgelöst: Immer wieder finden Führungen für Interessierte aus der ganzen Schweiz statt. Die Wiederinbetriebnahme und Instandstellung dieses historischen Kleinwasserkraftwerkes zeigen auf eindrückliche Weise, wie viel mit persönlichem und unermüdlichem Einsatz bewirkt werden kann. Das Beispiel dieses Kleinwasserkraftwerks in Grenchen macht auch deutlich, dass Energiewende und Heimatschutz keine Gegensätze sein müssen, sondern Hand in Hand gehen können.

Der Solothurner Heimatschutz zeichnete Armin Meier und sein Kleinwasserkraftwerk nun mit dem Solothurner Heimatschutzpreis 2020 aus. Die Begründung: Meiers Engagement und die Weiternutzung eines historischen Kleinwasserkraftwerks sind ganz im Sinne des Heimatschutzes. Das Kleinwasserkraftwerk kann von der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV profitieren.

Regula Petersen, Fachbereich Kleinwasserkraft, Bundesamt für Energie

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