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Der Neuenburger Wasserbauingenieur Guillaume Ritter (1835-1920) hatte einen grossen Traum. Er wollte im kleinen, teilweise industrialisierten Fribourg ein technisches Denkmal erbauen. Ritter plante eine Attraktion mit Umschwung: An der Saane, in der Nähe des Klosters Magere Au, wollte er ein Wasserkraftwerk errichten, das der hiesigen Industrie mechanische Energie zur Verfügung stellt, ihr dabei hilft, sich zu entwickeln und die Stadt Freiburg mit Trinkwasser versorgt. Zusätzlich mit einer Fischfarm, einem Restaurant am Stausee, einer Badeanstalt, einem Musikpavillon, einem englischen Garten und einem Kasino hoffte er 50‘000 Touristen pro Jahr nach Fribourg zu locken. Das war zumindest der Plan.

Am 4. Mai 1870 begannen die Arbeiten fürs Wasserkraftwerk. Das Mauerwerk aus Beton – das erste seiner Art in Europa – wurde verankert und fünf Turbinen mit einer Leistung von insgesamt 1000 PS installiert. Ein teledynamisches Übertragungskabel verband das Kraftwerk mit den Fabriken auf dem Plateau Pérolles. Die Pumpen für die Trinkwasserversorgung wurden von einer der Turbinen angetrieben. Gefiltertes Seewasser wurde bis in Reservoir am höchsten Punkt der Stadt gepumpt. Trotz der harten Arbeitsbedingungen, des Fachkräftemangels und der Probleme bei der Errichtung des Staudamms konnte das Kraftwerk den Betrieb im Jahr 1872 aufnehmen. Doch bevor Ritter weitere Teile seines Traums verwirklichen konnte, traten bereits technische wie auch finanzielle Schwierigkeiten auf, die nur durch das Eintreten des Kantons geschmälert werden konnten. Dieser wollte die Elektrifizierung vorantreiben und sorgte dafür, dass die Turbinen des Kraftwerks Magere Au 1891 mit elektrischen Generatoren ausgerüstet wurden.

Doch das Kraftwerk Magere Au alleine konnte trotz stetigen Erweiterungen den wachsenden Energiebedarf der Stadt bald nicht mehr stillen. Durch die Versandung des Stausees und der unregelmässigen Flusskraft der Saane ging dessen Leistung sogar zurück. Bald nach der Jahrhundertwende wurde also entschieden, die Staumauer um 2.5 Meter zu erhöhen, ein weiteres Kraftwerk weiter abwärts der Saane zu bauen und dieses durch einen Stollen mit einem Gefälle von 21 Metern mit dem Stausee an der Mageren Au zu verbinden. Die Freiburger Bevölkerung wehrte sich zunächst vehement gegen dieses neue Projekt. Sie befürchteten, dass das Stadtbild durch den Bau eines Kraftwerks in unmittelbarer Nähe der Altstadt entstellt würde. Um dieser Opposition entgegen zu wirken, legte der Architekt beim Bau speziell Wert darauf, dass sich das Gebäude übergangslos in seine Umgebung einfügt. Das Kraftwerk mit drei Francis-Turbinen erhielt schliesslich die Gebäudehülle eines Schlosses der Belle Epoque. Im Jahr 1908 ging das Kraftwerk Ölberg mit einer durchschnittlichen Energieproduktion von 19 Millionen kWh ans Netz. Durch die Schwankungen der Wassermenge war die benötigte Leistung aber nicht stabil, weshalb im Jahr 1930 zusätzlich ein Schiffsdieselmotor gekauft wurde. Der 8-Zylinder-Motor erbrachte eine Leistung von 7950 kW und konnte bei Engpässen angeschaltet werden. Obwohl es der damals grösste Schiffsmotor in der Schweiz war, konnte auch dieser die grosse Zahl Touristen nicht anlocken, die Ritter sich fast 50 Jahre zuvor eigentlich gewünscht hatte.

Der Traum einer technischen Attraktion liess sich also nicht verwirklichen. Und doch sind die Kraftwerke Magere Au und Ölberg heute etwas ganz Besonderes, denn sie zählen zu den ältesten Wasserwerken der Schweiz. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde Turbinen ausgetauscht und neue hinzugefügt. Groupe E hat sie laufend den neusten technischen Standards und Sicherheitskonditionen angepasst. Die Staumauer wurde neu verankert und verdichtet, die Überwachungssysteme verbessert, ein Fischlift installiert und eine Schutzzone für Vögel eingerichtet. Das bald 150-jährige Kraftwerk steht der Öffentlichkeit offen. Die Groupe E organisiert spannende Führungen, die nicht nur für Fachspezialisten interessant sind, sondern, wie Sie an diesem Bericht sehen, auch Hochschulpraktikanten des BFE begeistern. Vielen Dank, liebe Groupe E!

 

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Stephanie Bos, Hochschulpraktikantin Medien und Politik, BFE

Bilder: Groupe-E, BFE

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