Quelle: BKW

Digitales Umdenken ist ein Muss


Wie geht ein Energieversorgungsunternehmen (EVU) mit der Digitalisierung um? Wir haben mit der BKW geredet, ein Unternehmen, das mit dem Home-Energy-Paket ein Angebot zur Verfügung stellt, mit dem der Kunde die Stromflüsse in seinem Haus via Computer oder App fernsteuern kann. Renato Sturani, Leiter der Abteilung Erneuerbar und Effizienz der BKW und Mitglied der Konzernleitung erklärt, wie das EVU die digitale Zukunft der Energiebranche sieht.

Warum setzt die BKW mit ihrem Home-Energy- Paket auf ein App? Was soll damit erreicht werden?

Die App hat für uns mehrere Nutzen: Zum einen hat der Kunde sein Smartphone immer bei sich. Mit einer App ist es uns deshalb möglich dem Kunden auch im Alltag Energielösungen mitzugeben und ein Bewusstsein für die Energie zu vermitteln. Zum anderen stellt sie für uns eine Möglichkeit dar, mit dem Kunden zu kommunizieren. Der Kunde kann uns über die App beispielsweise Fragen stellen.

Wie ist die Akzeptanz des Apps bei den Kunden?

Sehr hoch. Die Häufigkeit der Nutzung der App ist aber je nach Kunde unterschiedlich und schwankt zwischen täglich und einmal wöchentlich.

Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung für Innovationen in der Energiebranche und insbesondere in der BKW?

Sie ist relativ wichtig für die Entwicklung neuer innovativer Produkte. Die Digitalisierung wird eine Branche nach der anderen verändern. Auch in der Strombranche hat dies bereits angefangen. In den nächsten zehn Jahren muss hier deshalb ein radikales Umdenken geschehen. Prozesskosten werden steigen, und die Kunden werden zunehmend digitale Contents und weitere Informationen zu Produkten verlangen. Wir sind überzeugt, dass dies die Energiebranche prägen wird. Es braucht also ein radikales Umdenken. Unternehmen, die nicht umdenken, werden Probleme haben am Markt. Die Akzeptanz der Kunden zu gewinnen, wird sich für sie schwieriger gestalten.

Die BKW ist in der Schweiz insbesondere im Wettbewerbsmarkt der Gebäudetechnik und auf dem Energiemarkt tätig. Wenn klassische Energieunternehmen wie wir nicht umdenken, werden andere aus anderen Branchen ihren Platz einnehmen. Es ist daher für ein Unternehmen wichtig, immer konsequente Schritte zu machen, um auch in der Zukunft eine gute Position innezuhaben.

Sieht sich die BKW eher als Pionier oder Nachzügler in der Digitalisierung?

Wir sind ein Unternehmen, das eher weit ist in Sachen Digitalisierung. Als Pioniere würden wir uns aber nicht bezeichnen. Denn Pioniere sind meist einsam und den anderen mit grossem Abstand weit voraus.

Verfolgen Sie die digitalen Entwicklungen in der Energiebranche aktiv?

Ja, sehr aktiv. Wir haben einen Mitarbeiter, der nur für Technology Scouting verantwortlich ist. Zudem haben wir eine sogenannt Start-up-Initiative, in denen wir uns mit Start-ups regelmässig austauschen und auch gewisse Start-ups fördern. Wir beteiligen uns auch an Start-ups von denen wir glauben, dass sie sich in die richtige Richtung entwickeln: Ein Beispiel ist das schweizerische Start-up Ampard im Bereich Schwarmsteuerung von Stromspeichern.

Was meinen Sie zur Technologie Blockchain?

Blockchain ist für mich eher ein Hype. Wie auch andere neue Technologien haben wir Blockchain intensiv geprüft. In den nächsten zwölf Monaten sehen wir dafür aber keinen Markt, keine Businessmodelle und auch keine Handlungsfelder, die sich für uns auszahlen würden. Wir behalten die Technologie aber insbesondere in Bezug auf das Internet of Things im Auge.

Interview geführt von Selina Zehnder, Hochschulpraktikantin Medien + Politik, BFE