Fünf Fragen an Guillaume Cassaigneau


Guillaume Cassaigneau absolvierte den Concours diplomatique, das Ausbildungsprogramm des EDA für Jungdiplomatinnen und Jungdiplomaten. Nachdem der 31-Jährige bereits im Rahmen des Concours diplomatique in der Botschaft in Aserbaidschan gearbeitet hat, ist er seit Juli 2013 zurück in der Schweiz. Seine heutige diplomatische Stelle beinhaltet eine 50-Prozent-Stelle beim EDA und eine 50-Prozent-Stelle beim BFE.

Herr Cassaigneau, worin liegt der Nutzen in der Aufteilung Ihrer Arbeitsstelle auf zwei Departemente?

Dieses Arbeitsmodell erleichtert den Informationsaustausch zwischen dem EDA und dem BFE, da ich als Verbindungsperson die Zusammenarbeit der beiden koordiniere. So können beispielsweise Einladungen, die Doris Leuthard aus dem Ausland erreichen, effizienter behandelt werden. Zudem sind viele Energiethemen, die uns im BFE beschäftigen, auch von internationaler Bedeutung.

Wie verbinden sich die Themen Energie und Internationales in Ihrem Arbeitsalltag?

Ich organisiere den Besuch ausländischer Delegationen, die sich für Energiethemen interessieren, bin verantwortlich für das Programm während ihres Aufenthalts und betreue sie. Zudem koordiniere ich den politischen Dialog zwischen dem BFE und Schweizer sowie ausländischen Unternehmen oder Interessensgruppen. Darunter fallen beispielsweise Dialoge, in denen bilateral mit den Nachbarländern die Strategien für die Gas- und Stromversorgung ausgetauscht werden oder auch multilaterale Gespräche wie diejenigen in der International Energy Agency IEA. Ausserdem erarbeite ich für das EDA geostrategische Analysen über den Gasmarkt und die Gasversorgung und unterstütze Projekte im Ausland. Momentan ist die Trans Adriatic Pipeline ein solches Projekt, bei dem wir mitwirken.

Welche Nachteile bringt Ihre ungewöhnliche Arbeitsstelle mit sich?

Die Arbeit in zwei Departementen bringt einige logistische Herausforderungen mit sich: Ich habe zwei E-Mail-Adressen, zwei Vorgesetzte – alles ist doppelt vorhanden. Das erfordert eine vorausschauende und organisierte Arbeitsweise. Auch an die unterschiedliche Kultur meiner beiden Arbeitsplätze musste ich mich gewöhnen. So sind beispielsweise die Hierarchien im EDA stärker ausgeprägt als im BFE.

In zwei Jahren werden Sie ihre diplomatische Stelle in Bern abgeschlossen haben. Wie geht es danach weiter?

Ich möchte gerne in einer Schweizer Botschaft eines Entwicklungs- oder Schwellenlandes arbeiten. Das kann beispielsweise Brasilien, Nigeria oder der Iran sein. Die Arbeit dort ist sehr spannend, da diese Länder vor enormen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen stehen. Dadurch könnte ich sowohl meine volkswirtschaftliche Ausbildung, wie auch mein energiepolitischen Wissen aus dem BFE einsetzen.

Wer kann eine diplomatische Laufbahn anstreben?

Jeder unter 35 mit einem Master-Abschluss kann sich für den Concours diplomatique bewerben. Neben dem Interesse an der Weltpolitik ist es wichtig, kontaktfreudig und initiativ zu sein sowie kritische Reflexionen anstellen zu können.

Mehr Informationen zum Concours diplomatique finden Sie unter https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/das-eda/arbeiten-beim-eda/diplomatische_laufbahn.html

Interview: Isabelle Frühwirt, Hochschulpraktikantin Bundesrats- und Parlamentsgeschäfte