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Es war letzte Woche eine themenmässig reichbefrachtete Governing Board-Sitzung bei der IEA. Im Zentrum standen der Entscheid zum künftigen Standort der IEA sowie die Inputs für die COP 21. Einige Diskussionen lösten auch die Analysen zu den Entwicklungen auf dem Öl-, Gas- und Erneuerbaren-Markt aus. Vorerst galt es von der bisherigen Generaldirektorin, Maria van der Hoeven, Abschied zu nehmen. Sie tritt im September mit 66 Jahren in ein aktives drittes Lebensalter in ihrer Heimat Holland ein. Ihre Arbeit wurde vom Vorsitzenden wie auch von verschiedenen Ländervertretern verdankt, sie hat in den vergangenen vier Jahren mit zu einer Neupositionierung der Agentur beigetragen.

Kann COP 21 ein Erfolg werden?
Im Beisein des Energy Business Councils wurde eine Analyse des Energieumfelds im Vorfeld von COP 21 vorgenommen. Erfreulich ist, dass sich USA und China in ihren Positionen angenähert haben und konkrete Erwartungen für die Klimakonferenz formulieren, zudem haben sich die EU-Länder konkrete Ziele vorgegeben. Die IEA-Länder halten für die COP 21 folgende Zielsetzungen für wesentlich:

  • Begrenzung der Treibhausgasemissionen auf einen Höchstwert (Schwelle)
  • Überprüfung der nationalen Massnahmen in Fünfjahres-Zyklen
  • Übersetzung des Klimaziels in eine kollektive Vereinbarung (Carbon Charta?)
  • Aufbau eines Monitoring-Systems zur Überwachung der wirklichen Erfolge einer Transition zu karbonschwachen Energiequellen
    In diesem Brücken-Szenario hin zu einer Plus-2-Grad-Welt ohne Wachstumseinschränkungen sowie neue Technologien sind folgende Bereiche zentral:
  • Effizienz in Industrie, Gebäude und Transport wird 50% der Zielerreichung ermöglichen
  • Keine neuen ineffizienten Kohlekraftwerke ans Netz stellen
  • Klare Regeln für die Reduktion oder Eliminierung von Methan schaffen
  • Investitionen in Erneuerbare in der Höhe von 400 Mia Dollar wie vorgesehen vornehmen
  • Aufhebung der bisherigen Subventionierung von fossilen EnergieträgernAngestrebt werden soll also auch eine „peaceful divorce between growth and emissions“. Dieses Thema wird die IEA-Ministerkonferenz vom kommenden November intensiv beschäftigen.

Wende auf den Energiemärkten und neuer Leader bei den Erneuerbaren
Während beim Öl eine Flutung der Märkte durch einzelne OPEC-Staaten zu registrieren ist, bereitet sich die Gasszene auf einen massiven Ausbau der LNG von USA, Kanada sowie Australien vor, was die Preise weiter in Bewegung bringen könnte. Insbesondere in Europa dürfte nach einem Rückgang der Nachfrage Japans LNG nun vermehrt an Bedeutung gewinnen.  2014 war ein Rekordjahr für die Windenergie; sinkende Investitionskosten führen inzwischen an guten Standorten zu einem echten Wettbewerb mit Gas und Öl. Vermehrt kommt die Forderung auf nach einer Ablösung von Subventionsregimes durch verbesserte generelle marktorientierte Rahmenbedingungen.

Nach intensiven Verhandlungen bleibt die Agentur am Standort
Seit beinahe zwei Jahren hatte sich der Verwaltungsrat der IEA immer wieder mit der Frage beschäftigt, ob die Agentur aus Paris wegziehen und in eine andere französische Stadt oder gar in ein anderes Land umziehen sollte. Nach Beizug von Profis der Immobilienbranche, nach Sichtung aller gemäss Arbeitsverträgen auf die Agentur zukommenden Entschädigungen sowie nach wiederholten Verhandlungen mit der französischen Regierung wie auch Australien als Eigentümerin des Gebäudes hat der Verwaltungsrat trotz einer attraktiven Offerte Budapests (12 Jahre kostenlose Miete) beschlossen, am bisherigen Standort in Paris  zu bleiben. Da das Gebäude aber einer gründlichen (auch energetischen) Erneuerung bedarf, stellt Frankreich für diese Übergangszeit kostenlos Ersatzräumlichkeiten zur Verfügung.

Walter Steinmann, Direktor BFE

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