Was machen die Ausgaben für Energie im Verhältnis zum Einkommen eines Schweizer Haushalts aus? Und wo steht die Schweiz damit im europäischen Vergleich? Im Rahmen des Projektes ENERGYEXP des Kompetenzzentrums für Public Management der Universität Bern haben Forschende diese Fragen untersucht. Nun liegt der Abschlussbericht des Projekts vor, das vom BFE-Forschungsprogramm Energie-Wirtschaft-Gesellschaft gefördert wurde. Dieser zeigt: Energieausgaben stellen einen vergleichsweise geringen Anteil des Einkommens dar.
Das Forschungsprogramm Energie-Wirtschaft-Gesellschaft (EWG) ist ein Programm des Bundesamts für Energie (BFE), bei dem es um die anwendungsorientierte energiepolitische Forschung geht. EWG befasst sich mit ökonomischen, soziologischen, psychologischen sowie politologischen Fragestellungen über die ganze Wertschöpfungskette der Energie hinweg. Ziel des Forschungsprogramms ist die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen für anstehende energiepolitischen Entscheide.
Das Forschungsprojekt ENERGYEXP besteht aus zwei Teilprojekten:
- Analyse der Verteilung der Haushaltsenergieausgaben in der Schweiz
- Verteilung der Belastung durch Luftverschmutzung sowie Unterschiede zwischen gemessener und wahrgenommener Luftverschmutzung.
Geringe Energiearmut
Im ersten Teilprojekt zu den Energieausgaben zeigt sich: Selbst in unteren Einkommensgruppen geben die Haushalte in der Schweiz im europäischen Vergleich einen kleineren Anteil ihres Einkommens für Energie aus. Die Energiearmut ist vergleichsweise gering. Von Energiearmut sprechen Fachleute, wenn ein Haushalt sich die nötige Energie fürs Wohnen – also Heizen, Warmwasser oder Strom – nur schwer oder gar nicht leisten kann. Das wird anhand unterschiedlicher Indikatoren gemessen. Unter anderem gelten Haushalte als energiearm, wenn sie mehr als zehn Prozent ihres Einkommens für energiebezogene Ausgaben aufwenden.
Die Studie zeigt zudem ein bekanntes Muster: Haushalte mit tieferem Einkommen sind relativ gesehen stärker belastet als wohlhabendere. Energieausgaben wirken also regressiv. Jedoch liegt in mehreren EU-Ländern der Einkommensanteil für Energieausgaben selbst bei Haushalten mit hohen Einkommen über jenem einkommensschwacher Haushalte in der Schweiz. Für die Energiepolitik der Schweiz bedeutet das: Auch bei insgesamt moderaten Belastungen durch Energieausgaben, lohnt sich ein genauer Blick auf die Verteilung auf die unterschiedlichen Haushaltstypen.
Die Forschenden werteten für die Studie Daten der Schweizerischen Haushaltsbudgeterhebung (HABE) (für die Jahre 2006-2021) und der Europäischen Haushaltsbudgeterhebung (EHBS) (für die Jahre 2010,2015 und 2020) aus.
Die Schweiz unterschätzt ihre Luftbelastung
Das zweite Teilprojekt der ENERGYEXP-Studie fokussierte auf die Luftverschmutzung. Dabei wurde untersucht wie die Belastung durch Luftverschmutzung mit unterschiedlichen sozio-ökonomischen Charakteristika korreliert und sowie die Unterschiede zwischen gemessener und wahrgenommener Luftverschmutzung wurden aufgezeigt. Fazit: Die gemessene Luftverschmutzung liegt in der Schweiz im europäischen Mittelfeld, trotz Verbesserungen über die letzten Jahre hinweg. Dennoch nehmen viele Menschen die Belastung als gering wahr. Im europäischen Vergleich gehört die Schweiz sogar zu den Ländern mit der niedrigsten wahrgenommenen Luftverschmutzung.
Diese Diskrepanz zwischen tatsächlicher und wahrgenommener Umweltverschmutzung, der sogenannte „Perception Gap“, ist ein zentrales Ergebnis des Projektes. Während objektive Daten eine gewisse Belastung zeigen, wird sie subjektiv oft unterschätzt. Gleichzeitig fühlen sich einkommensschwächere Haushalte häufiger von Umweltproblemen betroffen – eine Erkenntnis, die durch die bestehende Literatur bestätigt wird.
Für die Umweltpolitik ergibt sich folgendes Bild: Entscheidend ist nicht nur die tatsächliche Belastung, sondern auch ihre Wahrnehmung. Informationspolitik und Sichtbarkeit von Massnahmen spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Umweltprobleme realistisch einzuschätzen und politische Massnahmen einzuordnen.
Die Forschenden werteten für das zweite Teilprojekt Daten der schweizerischen und europäischen Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC) (für die Jahre 2007-2023) sowie Daten zur lokalen Feinstaubkonzentration vom Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) (für die Jahre 2013-2022) aus.
Für die Studie: Doina Radulescu, Professorin für «Staat und Markt», KPM, Universität Bern, Ivan Ackermann, Doktorand, KPM, Universität Bern
Publikation: Ackermann, I. & Radulescu, D. (2026). Unveiling the energy price tag. Energy Policy, 208. https://doi.org/10.1016/j.enpol.2025.114919


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