Digitale Spurensuche in Österreich


Auf der Suche nach „Digitalen Spuren“ im Energiebereich haben sich die Geschäftsleitung und die Spurgruppe Digitalisierung des BFE Anfang September nach Wien begeben. Fokus der zweieinhalb-tägigen Erkundungs-Tour bei unserem östlichen Nachbarn waren Projekte und Lösungen in den digitalen Sparten Blockchain, Internet of Things (IoT) und DatenHub.

österreichs energie (Verband der österreichischen Stromversorger) und Ponton Consulting präsentierten das Projekt Energiewirtschaftlicher Datenaustausch (EDA). Auf dieser eher dezentral organisierten Kommunikationsplattform mit einheitlichen Standards erfolgt der Datenaustausch zwischen allen Akteuren der Energiewelt (Strom- und Gaslieferanten etc.) und Netzbetreibern. Wichtige Daten werden weiter durch die Netzbetreiber verwaltet. EDA wurde als Reaktion auf einen Vorschlag des Regulators entwickelt, der den Datenaustausch zentral lösen wollte. Mit EDA können alle notwendigen Informationen für einen Kundenwechsel zwischen zwei Stromlieferanten innert Sekunden verschlüsselt ausgetauscht und das Geschäft schnell abgeschlossen werden.

Das Projekt Enerchain von Ponton Consulting, das sich bis Ende 2017 noch in der proof of concept Phase befindet, basiert auf der Blockchain-Technologie. Die Akteure, darunter auch Alpiq, Axpo und BKW versprechen sich, damit auch ausserhalb der Börse mit Energie-Produkten handeln zu können (real-time). Eine innovative Alternative zu den bekannten Handels-Plattformen und Börsen.

Von der Blockchain ging es direkt weiter zum Innovations-Workshop in der Schweizer Botschaft, wo die BFE-Delegation von Botschafter Christoph Bubb empfangen wurde. Das wunderschöne, altehrwürdige Botschaftsanwesen bildete einen anregenden Kontrast zur digitalen Innovationswelt, die von fünf Energie-Startups vorgestellt wurde: Die 3F Solar, die solare Hybridkollektoren entwickelt und produziert. ETHUS, eine digitalisierte, österreichische Handelsplattform für Energieeffizienz-Massnahmen. guh, das ein Betriebssystem für IoT-Geräte entwickelt und damit mit Hilfe eines „Translators“ Geräte mit unterschiedlichen Steuerungssystemen verbinden kann. WhatAVenture, das in Zusammenarbeit mit Grossfirmen, u.a. EWZ, Beratungen für Innovation und Kollaboration mit Startups anbietet. weXelerate, ein Accelerator, der Grossfirmen, Mentoren, Finanzdienstleister und Startups zusammenbringt, um gemeinsam Konzepte und Lösungen zu erarbeiten.

Die Spurensuche führte weiter ins Vorzeige-Stadtentwicklungsprojekt von Wien, die aspern Seestadt. Auf einem ehemaligen Flugfeld soll hier ein Teil der Smart City Wien 2050 entstehen. Nach der smarten Stadt, stellte sich das Austrian Institute of Technology (AIT) vor. Das AIT betreibt angewandte Forschung, vergleichbar mit der EMPA in der Schweiz. Im SmartEST Laboratory werden Tests und Demoschaltungen von Geräten und Komponenten durchgeführt. Wichtige Themen sind für die Experten der AIT der Datenaustausch und -zugang, Daten für den Netzbetrieb (Netzüberwachung), Flexibilität für Netz und Markt sowie Big Data. Schlusspunkt der Reise bildete Wien Energie, welches das Blockchain-Projekt Interbit vorstellte, eine Brokerplattform für Gas (handelnde Anbieter sind heute Wien Energie, BP und ENI).

In den besuchten Institutionen ist der Grad der digitalen Vernetzung bereits sehr hoch. In fast allen vorgestellten Sparten spielen Digitalisierung und Vernetzung eine zentrale Rolle. Dabei besteht bei den besuchten „Wienern“ eine sehr starke Verzahnung von On- und Offline-Aktivitäten. Trotz des bereits hohen Digitalisierungsgrades gibt es bei der Energiewirtschaft noch Luft nach oben. Eine spannende Zukunft im Bereich der Digitalisierung und Vernetzung steht uns bevor.

Nicola Bussinger und Matthias Galus, Spurgruppe Digitalisierung beim BFE