Foto: VSE / Erwin Züger

„Die Digitalisierung ist eine Notwendigkeit“


Wie schätzt der Verband der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen (VSE) die Digitalisierung in der Energiebranche ein? Im Interview erklärt Hendrik la Roi, Senior Experte für Datenmanagement des VSE, was die Digitalisierung aus Sicht des Branchenverband in der Energie mit sich bringt.

Was bedeutet die Digitalisierung für die Schweizer Energiebranche?

Im Moment wird die Digitalisierung insbesondere eingesetzt, um bestehende Prozesse effizienter zu gestalten. Dies geschieht meist im Verborgenen und ist für den Kunden nicht sichtbar. Ein Beispiel hierfür sind Smart Meter. Damit können Stromzähler digital abgelesen werden, ohne vor Ort sein zu müssen. Durch die Digitalisierung wird dieser Prozess effizienter, und Rechnungen können früher verschickt werden. In diesem Bereich ist die Digitalisierung eine Evolution und keine Revolution.

Ist die Digitalisierung für den Energiebereich eher eine Chance oder ein Risiko?

Sie kann beides sein. Sicherlich ist sie aber eine Notwendigkeit. Denn im Rest von Europa ist der Strommarkt bereits vollständig liberalisiert. Das bedeutet, dass jeder Kunde den Stromlieferanten selbst wählen kann. Möglich ist dies aber nur dank digitalisierten Prozessen. In der Schweiz ist es so, dass der Strommarkt nur für Grosskunden liberalisiert ist. Bei der vollständigen Liberalisierung kommt man nicht um die komplette Digitalisierung herum. Die Massenprozesse sind manuell nicht mehr zu bewältigen. Doch die Branche ist hier noch zurückhaltend. Denn die Netzbetreiber sind in den Schweiz als Monopolisten stark reguliert.

Welche Innovationen bringt die Digitalisierung mit sich?

In der Energiebranche sind bereits viele Prozesse, insbesondere Geschäftsprozesse, automatisiert. Innovationen auf Grund der Digitalisierung können insbesondere in den Bereichen Messung und Verrechnung von Strom sowie Leitstellen beobachtet werden. Wobei ein grosser Teil der Netzsteuerung schon jetzt digitalisiert ist.

Wer sind die Innovationstreiber in der Schweizer Energiebranche? Die grossen Unternehmen oder die Kleinen?

Tendenziell sind eher die grösseren Unternehmen Innovationstreiber. Sie haben meist die nötigten Kompetenzen, Mitarbeiter sowie Geschäftsmodelle, um Innovationen umzusetzen. Aber auch die Kleineren sind insbesondere im Bereich Dienstleistungen sehr innovativ und stellen mit Internetportalen den direkten Kundenkontakt her. Und auch auf dem Land sind bei kleineren EVUs viele neue digitale Entwicklungen im Bereich Eigenverbrauchsgemeinschaften und dezentralen PV-Anlagen sichtbar.

Wie schätzen Sie eine Anwendung der Blockchain-Technologie im Energiesektor ein?

Im Moment wir diese Technologie in der Schweizer Strombranche noch gar nicht eingesetzt. Die Branche wartet, bis konkrete Applikationen für die Blockchain im Energiebereich kommen. Es ist zwar eine interessante Technologie, man braucht aber auch eine konkrete Anwendung dafür. Die meisten Stromversorger sehen sich nicht als Entwickler von Applikationen. Zudem warten viele Unternehmen zuerst einmal ab, was die Regulatoren bezüglich Blockchain unternehmen werden.

Interview geführt durch Selina Zehnder, Hochschulpraktikantin Medien + Politik, BFE