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Akteure in Energiewirtschaft und Politik orientieren sich häufig an Prognosen. Ein genauerer Blick zeigt, dass Vorhersagen mitunter deutlich daneben liegen. Unterschätzte Innovationsdynamik ist ein Grund dafür.

Die Internationale Energieagentur IEA in Paris hat zum wiederholten Mal ihre Prognosen korrigiert: In den nächsten 5 Jahren werden erneuerbare Energien weltweit die am stärksten wachsende Quelle zur Stromerzeugung sein. Die Aussage unterstreicht die Dynamik, welche die Energiewende mittlerweile angenommen hat. Die Erneuerbaren verändern den Stromsektor fundamental: Fluktuierende Einspeisung, veränderte Lastkurven und tiefe Stromhandelspreise stellen etablierte Firmen vor erhebliche Herausforderungen. Gerade in solch unsicheren Zeiten stützen sich Wirtschaft und Politik gerne auf Energieprognosen, um sich möglichst gut auf die Zukunft vorzubereiten.

Falsche Vorhersagen

Leider sind Prognosen oft wenig verlässlich. Die IEA korrigierte beispielsweise ihre Vorhersagen für erneuerbare Energien immer wieder deutlich nach oben. In 2000 mass man ihnen – auch in der Zukunft – keine besondere Bedeutung bei. Der damals prognostizierte Anteil wurde dann jedoch doppelt so schnell erreicht wie vorhergesagt. Auch die Prognosen von 2010 sind heute schon Makulatur. Wie kommt es, dass ausgewiesene Experten so daneben liegen? Und wie viel Vertrauen dürfen wir demnach den aktuellen Vorhersagen schenken?

Wichtig beim Umgang mit Prognosen ist Zweierlei: Eine gesunde Portion Skepsis und die Einsicht, dass Vorhersagen oft einfach nicht möglich sind.

Unvorhersehbares und Innovationsdynamik

Ein Grund für Fehleinschätzungen ist sicherlich, dass man von der Vergangenheit auf die Zukunft schliesst (Extrapolation). Dieser Ansatz führt insbesondere dann zu Fehlern, wenn es unterwegs grössere Veränderungen gibt. Das können plötzlich auftretende Ereignisse sein wie die Finanzkrise in 2008 oder der Reaktorunfall von Fukushima in 2011, aber auch tiefgreifende politische oder strukturelle Umwälzungen.

Darüber hinaus gibt es Entwicklungen, die zunächst wenig auffallen, aber über die Zeit einen grossen Einfluss haben. Hierzu zählen technologische Innovationen. Sie sind oft mit selbst-verstärkenden, nicht-linearen Effekten verbunden: Wenn sich eine neue Technologie zunehmend durchsetzt, wird sie bekannter, die Nachfrage steigt, die Produktion nimmt zu und neue Firmen treten auf. Gleichzeitig entwickeln sich komplementäre Angebote (im Fall von Solar und Wind beispielsweise spezielle Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Prognosetools, Fernüberwachung, Direktvermarktung). In der Folge sinken die Kosten, was wiederum die Verbreitung antreibt. So dreht sich das Karussell immer schneller.

Ob, wann und in welchem Ausmass diese Innovationseffekte auftreten, ist nicht vorhersagbar – sie zu unterschätzen gleichwohl ein Fehler.

Zum vollständigen Blogbeitrag im ETH-Zukunftsblog

Jochen Markard, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent, Professur für Nachhaltigkeit und Technologie, ETH Zürich

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