Energietalk zur alpinen Wasserkraft


Anlässlich der Eröffnung der Wasserkraft-Messe Renexpo  in Salzburg fand auch ein Energietalk zum Thema Wasserkraft statt. Mit dabei waren Vertreter aus Österreich, Italien, Deutschland und der Schweiz. Während die Wasserkraft in Deutschland eher ein Non-Issue zu sein scheint, sieht die Situation in Österreich, der Schweiz und Italien anders aus. Entsprechend entwickelte sich rasch eine Diskussion um die Herausforderungen der Wasserkraft und wie diesen in den verschiedenen Ländern begegnet wird.

Italien

Italienische Wasserkraftwerke etwa werden durch relativ hohe Abgaben belastet. Das sind zum einen Umweltabgaben und zum anderen mit dem Wasserzins vergleichbare Konzessionsgebühren, die in der Summe eine Belastung von über 20 Euro pro Megawattstunde (MWh) ergeben. Dafür können die Betreiber in Italien von Grünstromzertifikaten profitieren, welche zu ansehnlichen Einnahmen führen – auch für die Wasserkraft. Dieses System wurde in den letzten Jahren jedoch eingeschränkt, wodurch es immer schwieriger wird, in das Register der Grünstromzertifikate zu gelangen.

In den nächsten Jahren wird die italienische Wasserkraft interessante Zeiten erleben, denn viele grössere Konzessionen laufen aus und müssen erneuert werden. Vor einigen Jahren bestand dazu ein Gesetzesentwurf, der italienische Konzessionen für neue Betreiber öffnen sollte. Angesichts des schleppenden Verlaufes der Öffnung in Frankreich und der fortbestehenden Geschlossenheit in anderen europäischen Ländern scheint die Lust auf eine grosszügige Öffnung jedoch abgenommen zu haben.

Österreich

Auch in Österreich stellte sich die Frage des Vorgehens bei Konzessionserneuerungen. Im österreichischen Bundesland Salzburg wurde diese Herausforderung ähnlich wie in der Schweiz gelöst: Es besteht eine Vorschrift zu einem transparenten Verfahren, jedoch ohne Pflicht zur Ausschreibung. Die Wasserkraft, mit ihrer oft sehr lokalen Verwurzelung, wird ungern in allzu fremde Hände gegeben. Für Österreich ist die Lage am Grosshandelsmarkt infolge der Zugehörigkeit zur deutschen Preiszone besonders anspruchsvoll. Im Gegensatz zu den meisten Ländern Europas muss hier ein Kraftwerk bei der Einspeisung einen Teil der Netznutzungsgebühren selbst zahlen. Pumpspeicherkraftwerke sind davon doppelt betroffen, da auch beim Bezug von Strom eine Netzgebühr zu entrichten ist. Ebenfalls belastend wirken sich die Ausgaben für die ökologische Aufwertung der Wasserläufe aus, die aus der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie resultieren. Der grösste österreichische Wasserkraftbetreiber Verbund hat hierfür für die nächsten 10 Jahre ca. 250 Millionen Euro budgetiert.

Während alle Alpenländer eine Förderung für neue Kleinwasserkraftwerke kennen, ist eine Förderung für neue Grosswasserkraftwerken schwieriger zu gestalten. In Österreich wird in Einzelfällen deren Neubau entlastet, indem auf die Verrechnung von zusätzlichen, üblicherweise dem Kraftwerk auferlegten Nebenleistungen (z.B. Bau von Brücken oder Wasserversorgungen) verzichtet wird. Für das neue Kraftwerk Gries an der Salzach beteiligt sich das Land Salzburg selbst an der Realisierung gewisser Infrastrukturen. Förderung funktioniert hier nicht nur über Subventionen, sondern auch über Entlastungen. Ursprüngliche plante Österreich einen Ausbau der Wasserkraft um 4 Terawattstunden (TWh) bis 2020. Die aktuellen Marktbedingungen lassen es nun aber von diesem Ziel abrücken. Aktuell interessiert vor allem, unter welchen  Rahmenbedingungen die bestehenden Anlagen wieder rentabel am Markt betrieben werden können und welche zusätzlichen Investitionsanreize nötig wären. Sollte dieser Weg über das europäische Marktdesign führen, bräuchte es schlagkräftige Argumente für die Wasserkraft, damit diese in Brüssel nicht als irrelevant angesehen wird.

Deutschland

In unserem nördlichen Nachbarland gibt es nicht mehr sehr viele neue Standorte für Wasserkraftwerke, so dass man für den künftigen Zubau tatsächlich von einer weniger bedeutenden Energiequelle sprechen muss. Mit dem Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien werden allerdings weiterhin Wasserkraftwerke finanziert. Es ist daher befremdend, wenn die Entwicklung der Wasserkraft in Deutschland in einem offiziellen Bericht zur zukünftigen Stromversorgung nicht ein einziges Mal erwähnt wird.

Schweiz

Die Schweiz ist auf gutem Weg, wie ich am Energietalk sagte. Für die ökologische Sanierung der hiesigen Wasserkraft haben wir bereits früh eine Lösung mittels einer vollständigen Entschädigung gefunden. Politische Diskussionen um die Neuregelung des Wasserzinses haben begonnen und könnten im aktuellen Marktumfeld am Ende zu einer Entlastung für die Wasserkraft führen. Und mit der Energiestrategie 2050 wird nun Einiges für die Förderung der Wasserkraft getan. Neben Investitionsbeiträgen für den Neubau und erhebliche Erweiterungen oder Erneuerungen ist eine Marktprämie vorgesehen, um jene Wasserkraftwerke zu unterstützen, die am Grosshandelsmarkt nicht konkurrenzfähig sind. Wie den Herausforderungen zu begegnen ist, bleibt eine spannende Diskussion – auch mit Blick aufs Ausland.

Christian Dupraz, Leiter Wasserkraft beim BFE