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Von Wärmespeicherung in Erdwärmsonden und über Geothermie aus der Tiefe – der nationale Geothermie-Kongress in Yverdon-les-Bains von letzter Woche punktete mit attraktiven Beiträgen.

Michel Meier von SIG etwa stellte die Fortschritte beim Programm Geothermie 2020 vor. Es ist faszinierend und erfreulich zu hören, wie zielstrebig der Kanton Genf die Geothermie in ihrer Vielseitigkeit entwickelt und dafür den Untergrund erforscht. Etwas anders ist die Herangehensweise in der Stadt Lausanne: Franceso Barone von den Service Industrielle de Lausanne (SIL) präsentierte, wie sie bei der Entwicklung von ECO-Quartieren auf die Wärmebereitstellung mit Erdwärmesonden bis 800 Meter tief unter der Erdoberfläche setzen. Mittels Simulation wurde die Wärmeversorgung über derartig tiefe und weniger tiefe Erdwärmesonden miteinander verglichen.

Daniel Clément von der neu gegründete Aktiengesellschaft EnergeÔ möchte die schöne Weinanbauregion am Lac Lemon dazu bringen, auf die tiefe Geothermie zu setzen, vorerst für Wärme, künftig vielleicht auch für Strom. Erste Analysen und Entwicklungsarbeiten sind erfolgt, und dabei wurden vier interessante Standorte bestimmt. Als Pilotregion für die Wärmenutzung wurde schliesslich das ECO-Quartier Eikenøtt in Gland (VD) gewählt. Letzteres Konzept der hydrothermalen Geothermie funktioniert in der Schweiz bereits in Riehen und in Schlattingen.

Im Vergleich zu unserem Nachbarland Frankreich hinkt die Schweiz aber weit hinterher, umso wichtiger, dass wir vom Erfahrungsaustausch profitieren dürfen – dank Referaten und Gesprächen. Ein Blick über den Tellerrand ermöglichte etwa ein Referat über die europäischen Forschungsprojekte DESTRESS und THERMODRILL. Damit wurden neue Erfahrungen zur künstlichen Erhöhung der Durchlässigkeit in geologischen Zielhorizont (Stimulation) gewonnen. Mit anderen Worten weiss man jetzt mehr darüber, wie man feste Gesteinsschichten etwas durchlässiger macht. Diese wertvolle Erfahrung möchte Oliver Zingg von Geo-Energie Suisse zukünftig dazu verwenden, Projekte zur saisonalen Wärmespeicherung umzusetzen.

Spannend war auch der Vortrag von Paul Ramsak aus Holland. Die Zahl der dortigen Geothermie-Anlagen zur direkten Beheizung von Wohnquartieren ist zwar noch gering. Bei der direkten Beheizung von Treibhäusern und anderen Industriezweigen mit Grundwasser aus tieferen wasserhaltigen Gesteinsschichten steigt die Anlagenzahl jedoch stark an. Zudem produziert das Land heute fast CO2-neutral Tomaten, Peperoni, Erdbeeren und vieles mehr. Dies ändert die Ökobilanz jener importierten Gemüse und Früchte massiv, was die Schweizer Landwirtschaft langfristig unter Druck bringen könnte. Die Rolle der Geothermie dürfte sich daher nicht nur in Ländern wie Holland rapide ändern.

Weitere Informationen auch im Fernsehbeitrag von RTS und auf der Homepage von Geothermie Schweiz

Rita Kobler, Fachspezialistin Geothermie beim BFE

Von links nach rechts auf dem Bild: C. Boissavy, AFPG / M. Meyer, Services industriels de Genève / P. Ramsak, Netherlands Enterprise Agency / Ph. Klingler, GRUNER Gruneko AG (Quelle: Jürg Wellstein)

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1 Antwort
  1. Markus Saurer
    Markus Saurer says:

    Und wie steht es mit Zeithorizonten, Kosten, Potenzialen – mit Bezug zur ES 2050? Das sind doch die Fragen, die wirklich interessieren.

Kommentare sind deaktiviert.