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Ein Rekordtief beim Ölpreis, günstige Kohle, Strompreise im freien Fall: Isoliert betrachtet sind das aktuelle Marktinformationen, mehr nicht. Doch die Energiewelt ist im Umbruch, auch jene der Schweiz: Strom-, Gas- und Fernwärmenetz wachsen zusammen, die gegenseitigen Abhängigkeiten nehmen zu. Dieses Zusammenrücken der leitungsgebundenen Energieträger nennt sich Netzkonvergenz. Internationale Entwicklungen und Verwerfungen auf den Energiemärkten wirken sich alle auf dieses komplexe Energiesystem aus.

Netzkonvergenz ist nur einer der vier Haupttreiber, die das Energiesystem derzeit verändern. Die «neue Energiewelt» zeichnet sich zudem durch mehr dezentrale Produktion aus. Und sie wird stärker als je zuvor durch Informationstechnologie geprägt (Digitalisierung) – während die Grenzen zwischen «Konsumenten» und «Produzenten» von Strom immer mehr verschwimmen (Eigenverbrauch).

Kann die Politik also Themen wie Strom, Wasserkraft oder Wärmenetz isoliert behandeln? Können Regulierungen aus der früheren, einfachen Stromwelt einfach auf die Zukunft übertragen werden? Darauf antworte ich mit einem entschiedenen Nein. Für die Schweizer Energiezukunft braucht es vielmehr eine Gesamtsicht. Und entscheidend ist letztlich die Gesamteffizienz. Denn Strom, Wasser oder Wärmenetz sind Teil eines Gesamtsystems.

Mit dem Projekt «Energiewelten» wagt der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) diese Gesamtsicht. Er beschreibt, aus heutiger Sicht, extreme aber denkbare Energiewelten im Jahr 2035. Pro Energiewelt lässt sich schliesslich ein Marktmodell definieren – und dazu passende Geschäftsmodelle. Auch die Universität St. Gallen (HSG) ist bezüglich Energiewelten mit an Bord. Den Hintergrund bildet die Grundlagenarbeit des VSE. Die von uns erarbeiteten Energiewelten werden von der HSG aber weiter untersucht – im Rahmen des KTI-Projekts «Geschäftsmodellinnovationen in der Energiewirtschaft».

Das Ziel von «Energiewelten» ist eine vielschichtige Vision für die Energiezukunft der Schweiz. Sie schärft das Bewusstsein über die Konsequenzen, die unsere heutigen Entscheide haben – für die Energiewelt der nächsten Generation.

Michael Frank, Direktor VSE

Bildquelle: VSE

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