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Die E-World Messe in Essen ist traditionellerweise die Messe der Energiehändler und deren Dienstleister. Nun wird sie mehr und mehr ergänzt mit Start-ups, die sich mit cleveren Lösungen in den Energiemärkten zu etablieren suchen. Trotz der Bedrohung durch allenfalls weiter sinkende Strompreise, die Einige zur Abschaltung von Kraftwerken zwingen könnte, ist die Stimmung in der Branche recht positiv. Die Messe E-World richtet sich, unterstützt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, mit einer ganze Reihe von Veranstaltungen auf die Start-ups aus. Auf dem Programm standen Pitches von attraktiven Jungunternehmen, Paneldiskussionen, die Verleihung eines Energy App Awards und ein Start-up Brunch mit über 200 Start-ups sowie an Finanzierungen interessierten Investoren. Die Schweiz war – auf Initiative des BFE – mit mehr Starts-ups vertreten als alle anderen Nachbarländer.

Digitalisierung, Industrie 4.0, Big Data, Machine Learning, Energieeffizienz durch Datenbündelung – das waren die häufigsten Schlagworte sowohl bei den Start-ups als auch bei den bestandenen Unternehmen in diesem Jahr.

Automatisierungen bei der Erstellung von Offerten für Krankenversicherungen beispielsweise vereinfachen und beschleunigen den Prozess für Kunden und Anbieter schon seit ein paar Jahren. Im Energiebereich ist das jetzt auch mit Produkten mit aufwändiger Installation vor Ort wie bspw. bei Photovoltaikanlagen und Heizsystemen möglich. Das Start-up Eturnity ermöglicht die Erstellung von gebäudespezifischen Offerten für Photovoltaikanlagen in 15 Minuten und informiert die Kunden auch gleich über die Einsparungen unter Berücksichtigung der Sonneneinstrahlung und den aktuellen Stromtarifen des lokalen Energieversorgers. Damit sparen Installationsfirmen und EVUs mehrere Stunden pro Offerte und können nach kurzer Überprüfung und Spezifizierung der von Kunden eingegebenen Daten eine attraktiv gestaltete Offerte versenden.

BEN Energy analysiert Kundendaten vieler EVUs, kombiniert sie mit öffentlich verfügbaren Daten und berät EVUs in der Schweiz und in Deutschland bei der Angebotsgestaltung und der spezifischen Ansprache geeigneter Kundengruppen für das immer wichtiger werdende Business der Energieservices und -effizienzberatung.

Die Misurio AG aus dem Wallis optimiert Wasserkraftwerke und will sich mit dem Projekt Warmup und mit Gebäudemodellen nun auch den Flexibilitätsmarkt mit Wärmepumpen, Photovoltaik, Batterien und Direktheizungen erschliessen.

Die Liste der Schweizer Jungunternehmen reicht von der Meteomatics GmbH, enersis suisse AG, Enerbit GmbH, Adaptricity, Visionarity, uGreen bis zur Nispera GmbH, die erst Mitte 2015 von vier erfahrenen Partnern gegründet wurde und erfolgreich Wind- und PV-Kraftwerkbetreiber mit Prognosen versorgt.

An den Ständen der grossen und mittleren EVUs wird sehr schön ersichtlich, dass sie zwar alle das traditionelle Trading pflegen, daneben aber entweder selber innovative Technologien und neue Geschäftsmodelle mit grosser Geschwindigkeit vorantreiben oder Partnerschaften mit jungen innovativen Unternehmen bilden. Beispiele unter vielen sind XAMAX und die Gridsense-Technologie der Alpiq AG. Die BKW AG schafft mit ihrem Knowhow im Bereiche der Asset-Optimierung selbst im Vorreitermarkt Deutschland und in Italien Wertschöpfung und berät Wind- und Photovoltaik-Kraftwerkbetreiber.

An der E-World haben wir neben den Start-ups und den grossen EVUs der Schweiz viele weitere bestandene und sehr erfolgreiche Schweizer Unternehmen wie beispielsweise die LEM International SA  und natürlich die immer stärker weltweit agierende Axpo Trading AG getroffen. Ganz spannend ist auch die Entwicklung der Erich Keller AG, die sich von einer traditionellen Schreinerei zu einem Weltmarktführer entwickelt hat. Mit 100 Mitarbeitenden und Produktion in der Schweiz rüstet sie weltweit Handelsgesellschaften und Banken mit intelligenten Büromöbeln aus. Weil diese Räume mit den vielen Computern und Bildschirmen gekühlt werden müssen, hat die Firma auch ein grosses Knowhow im Bereich Kühlsysteme entwickelt: zusammen mit Swisscom hat sie beispielsweise den Watt d’Or 2016 für das hervorragende Kühlkonzept eines neuen Bürokomplexes in Ittigen gewonnen.

Die E-World 2017 soll noch stärker Innovationen sowie neue Technologien und Dienstleistungen ins Zentrum stellen. Die Schweiz will sich dabei mit einem Gemeinschaftsstand im Bereich der jungen innovativen Unternehmen präsentieren, Schweizer Firmen für die Teilnahme am Wettbewerb um den Energy App Award motivieren und mit kompetenten Partnern an den Panels präsent sein.

Walter Steinmann, Direktor Bundesamt für Energie
Josef Känzig, Fachspezialist Cleantech Bundesamt für Energie

 

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