Mind the gap

The Crystal, das Showcase-Gebäude von Siemens bei den Royal Victoria Docks, war gestern Schauplatz des ersten Cleantech-Networking-Nachmittags in London. Rund 60 Vertreter/innen aus Wirtschaft, Behörden, Organisationen und Forschung – darunter eine 25-köpfige Delegation aus der Schweiz – nutzten die Gelegenheit zum intensiven Austausch. 

Das von der Schweizer Botschaft in London zusammengestellte Programm mit zahlreichen spannenden Kurzreferaten bot dazu eine inspirierende Grundlage (#CleantechUKCH):

Elaine Trimble, Director of urban Development von Siemens, stellte das eindrückliche Gebäude „The Crystal“ vor. Dieses wird dank ausgeklügelter Architektur und Haustechnik ganz ohne fossile Energien betrieben. Siemens will in den nächsten 5-7 Jahren CO2-neutral werden und setzt dafür auf energieeffiziente Firmengebäude und Prozesse aber auch auf eine verbrauchsärmere Mobilität.

Matthew Pencharz, Deputy Mayor of London for Environment and Energy, erklärte die besonderen Herausforderungen der Mega-City London: Bis 2050 wird die Einwohnerzahl der Stadt die 11 Millionen Grenze überschreiten. Dennoch will London bis 2025 die CO2-Emissionen um 60% gegenüber 1990 senken und 25% mehr dezentrale Energie einsetzen. Der „London Infrastructure Plan 2050“ zeigt auf, welche Infrastrukturen künftig nötig sind, was diese kosten und wie die Finanzierung erfolgen soll.

Richard Templer, Director of Innovation at the Grantham Institute at Imperial College, wies darauf hin, wie wichtig das Clustering – das Bündeln der Kräfte – gerade im Bereich der Energieinnovation und Cleantech ist. Der Klimawandel sei eine existenzielle Gefahr für unser Gesellschaft und die grossen Städte seien Archetypen dafür, wie wirtschaftliche Kreativität geclustert werden könne. London stellt sich dieser Herausforderung: Die Entwicklung des neuen Stadtareals Old Oakland Park Royal soll nicht nur neue Wohnungen und Wirtschaftsflächen beinhalten, sondern explizit zu einem zero carbon valley werden, mit verschiedenen Innovations-Sites.

Christoph Frei, CEO of the World Energy Council, zeigte eine Vorschau des World Energy Issues Monitors 2016, der am 11. März 2016 veröffentlicht wird. Zu den wichtigsten Issues, die Energie-Leader 2016 global am meisten beunruhigen, gehören demnach das Marktdesign, die Energiespeicherung und die globale Rezession.

In kurzen Pitches stellten sich ausserdem Schweizer und UK Unternehmen vor, unter anderem Anakata Windpower, die im Mai ein revolutionäres neues Design für Windanlagen bekanntgeben wollen, Climeworks, dass die industrielle Fertigung ihrer CO2-Filteranlagen in diesem Jahr aufgenommen hat, Cerespower, das mit seiner am Imperial College entwickelten Steel-Cell die Vision von Brennstoffzellen in jedem Gebäude verfolgt, Avalon, das Fassadenisolationen per Abseilen installiert und ABB mit seinem Elektrobus-Ladesystem TOSA.

Heute geht das Programm weiter mit der CleantechInnovate, an der sechs Schweizer Finalisten ihre Innovationen präsentieren werden: ABB Secheron SA, Airlight Energy, Bluetector, Climeworks, Designergy SA, InnovaRadio SA. Wir drücken die Daumen!

Marianne Zünd, Leiterin Medien und Politik BFE