Energiepolitik in Japan

Ryuhei Maeda, japanischer Botschafter in der Schweiz,  erklärt, welche Energiepolitik Japan verfolgt und warum das Land weiterhin auf Kernenergie setzt.

Welche Schwerpunkte setzt Ihr Land aktuell in der Energiepolitik?
Die wichtigsten Punkte der Energiepolitik sind – stets unter der Prämisse der Sicherheit – zu allererst eine stabile Energieversorgung sowie die Verwirklichung einer Energieversorgung mit geringen Nutzungskosten. Ebenso wird die Verträglichkeit mit der Umwelt als wichtig angesehen.

Basierend auf den obengenannten Aspekten fokussiert sich unser Land auf die folgenden drei politischen Massnahmen:

  1. Wir haben eine diversifizierte Struktur des Angebots und der Nachfrage von Energie zum Ziel, bei der andere Energiequellen als Backup genutzt werden können, falls bei einer Krise Schwierigkeiten in Bezug auf die Versorgung mit einer spezifischen Energiequelle auftreten.
  2. Durch Reformen des Strom- und Gassystems wird der Eintritt von existierenden Energieanbietern in die Bereiche von anderen Anbietern sowie der Markteintritt von Firmen aus anderen Sektoren gefördert und damit eine wettbewerbsfähige Umgebung gesichert.
  3. In einem an Energieressourcen armen Land wie Japan müssen wir die in der exklusiven Wirtschaftszone unseres Landes existierenden Energieressourcen (die im Inland produzierbaren erneuerbaren Energien, die quasi-heimische Kernenergie, Methanhydrat, etc.) strategisch verwenden und eine Verbesserung der Energieautarkie erreichen.

Inwiefern haben sich diese Schwerpunkte in den letzten 15 Jahren verändert?
Was die erneuerbaren Energien (Sonne, Wasserkraft, Erdwärme, Windkraft, Holz-Biomasse) betrifft, so existieren gegenwärtig hinsichtlich der stabilen Versorgung und der Kosten noch verschiedene Herausforderungen. Da sie allerdings keine Treibhausgasemissionen verursachen und im Inland produziert werden können, wird ihre Relevanz – besonders seit der schweren Erdbebenkatastrophe in Ostjapan – weit mehr erkannt.

In Bezug auf die Sicherheit der Atomkraftwerke können wir sagen, dass die Kontrollrichtlinien der Atomkraftregulierungskommission eingehalten werden müssen, welche übrigens die strengsten der Welt sind. Wird die Sicherheit der Atomkraftwerke durch die Kommission bestätig, respektieren wir diese Entscheidung und treiben die Wiederinbetriebnahme voran. Tatsächlich hat der Betreiber Kyushu Electric Power am 15. Oktober den zweiten Reaktorblock des Kernkraftwerkes Sendai (Stadt Satsumasendai, Präfektur Kagoshima) wieder in Betrieb genommen. Dies war die zweite Wiederinbetriebnahme nach jener des ersten Reaktorblocks von Sendai im August. Die japanische Regierung hält sich an das Prinzip, dass die Kraftwerke wieder in Betrieb genommen werden, welche den neuen Richtlinien entsprechen und genehmigt werden. Trotzdem kam es vor dem Kraftwerk Sendai zu Protestaktionen der Bevölkerung und im ganzen Land wurde rege diskutiert.

Weiterhin zu erwähnen ist Wasserstoff, welcher über viele hervorragende Eigenschaften wie Nützlichkeit und Energieeffizienz verfügt, keine Treibhausgasemissionen während der Nutzung verursacht und von welchem auch für allfällige Notfallsituationen ein Nutzen erwartet wird. Um Wasserstoff als Energiequelle einzuführen, unterstützt die japanische Regierung die Entwicklung entsprechender Systeme und Infrastruktur.

Wie wird der Energiemix Ihres Landes 2050 aussehen?
Unser Land hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Zusammenstellung vorgenommen, welche  auf einem derartig langfristigen Ausblick über das Angebot und die Nachfrage an Energie im Jahr 2050 basieren würde. Vielmehr haben wir eine mittelfristige Perspektive für die kommenden 20 Jahre und dafür die wesentlichen Grundsätze der Energiepolitik zusammengestellt. Besonders die Jahre 2018 bis 2020 werden als Zeitraum für die Umsetzung der Reformen zur Etablierung einer stabilen Energieversorgung positioniert und definieren die Stossrichtung der Energiepolitik in diesem Zeitraum.

Auch bezüglich des Energiemixes planen wir auf Basis der Positionierung der einzelnen Energiequellen ein rasches Voranschreiten. Dies beinhaltet unter anderen die Wiederinbetriebnahme der Atomkraftwerke, die Einführung der regenerativen Energien entsprechend ihrer Einspeisetarife sowie die Berücksichtigung internationaler Debatten über das Problem der Erderwärmung wie zum Beispiel die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (COP). (his)