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Tiefenlager: Bundesrätin Leuthard stellt sich den Betroffenen


Bundesrätin Doris Leuthard stellte sich am 11. November in Marthalen und am 18. November in Brugg den Fragen der betroffenen Bevölkerung in den beiden Regionen Zürich Nordost und Jura Ost. Diese waren Anfang Jahr von der Nagra als Standortgebiete für geologische Tiefenlager zur weiteren Untersuchung vorgeschlagen worden. An den beiden Abenden machten sich je über 300 Zuhörerinnen und Zuhörer auf, um zu erfahren, was die Bundesrätin zu sagen hat.

«Die Entsorgung ist ein schwieriges Thema. Kein Politiker möchte gerne darüber reden», sagte die Bundesrätin gleich zu Beginn der Veranstaltung. Aber: Es gelte Verantwortung zu übernehmen. Die Schweizerinnen und Schweizer hätten lange profitiert vom Atomstrom und die Suche nach einem Tiefenlager dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werden. In Zürich Nordost erntete die Bundesrätin für einige der Statements Buhrufe. «Der Bund ist in dieser Frage nicht Ihr Feind», mahnte Frau Leuthard. Der Bund wolle partnerschaftlich, gemeinsam mit den Kantonen und Regionen, Lösungen finden. Sie sei erstaunt, dass man so wenig Vertrauen habe in die Fähigkeiten von Schweizer Fachleuten, sichere Lager beurteilen und bauen zu können.

Die beiden Regierungsräte Markus Kägi (Zürich) und Stephan Attiger (Aargau) stellten sich in ihren Beiträgen hinter das Auswahlverfahren und den Grundsatz, dass die Geologie und damit die Sicherheit den Ausschlag geben müsse. Auf dem anschliessenden Podium mit je zwei nationalen Politikern aus der Region – einer eher gegnerisch, der andere eher befürwortend eingestellt –, dem Präsidenten der jeweiligen Regionalkonferenz, dem Geschäftsführer der Nagra und mir als Projektleiterin des BFE wurde lebhaft diskutiert: Über Ängste und Vertrauen, das Abfallvolumen und den Opalinuston, über Grundwasser und Erdbeben, das (fehlende) kantonale Vetorecht und die (illusorische) Auslandlösung. Für Nationalrat Bastien Girod gibt es noch zu viele offene Fragen. Ich erinnerte ihn daran, dass auch ein Nicht-Handeln verantwortet werden muss. «Es gibt keinen Plan B», antwortete Thomas Ernst von der Nagra kurz und klar auf die Frage des Moderators Urs Wiedmer. Beat Walti, FDP-Nationalrat, zeigte sich besorgt, dass das Auswahlverfahren so lange dauere.

Jürg Grau, Präsident der Regionalkonferenz Zürich Nordost, fasste den Zustand der Betroffenen wohl treffend zusammen: «Grundsätzlich ist jede Region froh, wenn es an einem anderen Ort am sichersten ist.»

Monika Jost, Entsorgung radioaktive Abfälle, BFE

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